Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 31 (30.7.1845)
- Date
- 1845-07-30
- Page
- Spalte 481-482 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken für " Mische Geschichte und Literatur. M 31. Leipzig, den 30. Zuli 1845. Inh alt. L it eratur-Berich te. Leipzig. Steinheim. Sachs. Hamburg. — Studien. Ueber die Unverbrüchlichkeit der Eide. Vom Rabbiner Fasset. (Forts.) — Vorläufiger Bericht über mein Studium der Münchner hebr. Handschriften. Von M. H. Lan da uer. Abu'l'asia war fähig den Sohar zu schreiben, mußte ihn schreiben und hat ihn geschrieben.—Kritiken. Kurze Anzeigen. Jbn-Esra's Arithmetik. Terquem. Angezeigt von I. Doktor. (Schluß.) — Ankündigungen. Literatur - Berichte. Leipzig, 23. Juli. Bei dem großen Reformsieber unter den schreibenden Israeliten, bei den experimentirenden Religionsmächereien und den wüthigen Talmudschlächtereien, welche den Paroxismus der Tagesschreier auszeichnet, ist es eine wahre Erquickung, einige das Unrecht des Tages beiseit lastende Schriften zu bekommen, und zwei solche Schriften sind uns so eben zugekommen, die ein Hundert der modernen Broschüren auswiegen. Diese sind: 1) d ie. Politik nach dem Begriffe der Offenbarung, als Theokratie. Mit Bezugnahme auf die Republik Platons und die Politik de s Aristoteles. Vo n Dr. S. L. Steinheim. Leipzig, 1845. 8. B. G. Teubnev. P r eis 12 G r. XXI V, u. 110 S. — Der Verfasser, der bekanntlich in der neuen Zeit der erste war, der mit echt klassischer Klarheit und Dialektik die höchste Spitze der jüdischen Religion, die Offenbarung, zum Thema einer philosophischen Besprechung genommen, ist bekanntlich kein Gelehrter, der sich von den Kämpfen und Arbeiten der Gegenwart abschließt, der sich in einer eingehegten Vergangenheit isolirt. Wie nur irgend einer unserer wortreichen Helden hat er für 'die Frage der politischm Gleichstellung Israels die scharfgeschliffene Waffe des Wortes geführt, und die Widmung dieses mit seltener Schärfe abgerundeten Buches dem Herrn Archivar H e n d er i k W e r g e la n d zu Christiania, dem. Fürsprecher der politisch Gedrückten, zeigt uns hinlänglich, daß Hr. Stein- ^eün bei all seinen philosophischen Arbeiten sich der Gegenwart nicht entrückt. In dem großen Vorworte giebt auch der Verfasser den trefflichsten Beweis dieses Standpunktes, indem er die Strömungen des religiösen Gedankens in der Iudenheit des 19. Jahrhunderts uns in einem philosophischen Pragmatismus vorführt, wodurch wir einen klaren Blick über uns selbst gewinnen. Indem ich hier von dem Vorworte spreche — da eine recensirende Anzeige spater gegeben werden soll, -- kann ich nicht umhin, eine kleine Stelle daraus herzusetzen, die unsere unmittelbarsten Interessen in Anspruch nimmt; denn sie betrifft den Te m p e l mit seinen R e form bestreb ungen im Gegensätze zur Synagoge und die zwei auswüchsigen Religionsphilisophieen (von Formstecher und Hirsch). Die Stelle S. XX lautet: „Der Tempel, im Sinne des Berliner Rationalismus die Aufgeklärten in sich vereinigend, suchte sich immer mehr, ohne der alten Synagoge geradehin zu entsagen, im reformatorischen Geiste auszubilden. Er arbeitete peripherisch, ohne das rechte Centrum der Offenbarung anzuerkennen. ,Ia, er konnte sich auf keinerlei Weise überzeugen, daß es noch vernünftiger Weise als solches ungeschaut werden könne. Sein Ruhm war, den guten, hausbackenen Menschenverstand in derSynagoge zu repräsentiren, und man kann nicht leugnen, daß dies ihm gelungen sei. Der lächerliche Offenbarungsglaube mochte gut für ein rohes, ungebildetes Volk, für den Pöbel mochte er noch nützlich sein, das gab mau zu, aber nicht für die Gebildeten des 19. Jahrhunderts. — Endlich erhoben sich in neuester Zeit, als ob sich in der Synagoge genau dasselbe wiederholen müßte, was in der Kirche vorangegangen war, zwei Epigonen der Naturphilosophie und -des Hegel'schen Systems, um die einfach große Lehre der Offenbarung in ein vornehmes Philosophen^ zu zwängen. Es erneuerte sich Philo's Unternehmen z allein mit nicht größerem Erfolge. Man kann den Männern nicht den Geist absprechen, namentlich hat der zweite, der die Hegel'sche Zwangsjacke dem großen Gedanken der Offenbarung anzuziehen gedachte, viele Gewandtheit im Handhaben jener Kategorien bewiesen: allein dem wahren Verständnisse des Wesens der Offenbarung war auch er ein Fremdling. Geist war in jenen Religionssystemen 31