Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 29 (16.7.1845)
- Date
- 1845-07-16
- Page
- Spalte 461-462 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9897698-9897730--4114-3531456- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
461 Kritiken. Bikkure Ha-Ittim, neue Folge. 462 erinnert, nicht verfliege in den Staub der flüchtigen Jetztzeit. Aber nicht nur an den Gelehrten ist es, daß sie die Sprache nicht vernachlässigen, an der sie ohnehin schon gewohnt sind; sondern auf die Schulen sei ihr aufmerksames Augenmerk gerichtet, damit von dort aus uns neue Sänger Gottes erzogen werden, die mit heiligem Eifer ihrem Wolke angehören mögen. Eine zweite Vorrede des andern Herausgebers H. I. Busch bespricht in bündigen Worten die Tendenz, die ihm bei der Herausgabe vor Augen schwebte, daß nämlich auch er etwas zur Förderung des geistigen Fortschrittes seiner Glaubensgenossen beitragen will rc. Auch ist bs ihm eine fromme Pflicht, sein besonderes Augenmerk auf die Erhebung unserer Sprache zu richten, wie er sehr schön spricht: „Mit einem Worte: Wir hoffen, dgß es mit dazu beitragen werde, diese heilige Sprache in ihre angestammten Rechte wieder bei uns einzusetzen; in Jenen, die sich in ihrer Jugend mit hebräischer Literatur befaßt haben, die Lust zu erneuern, die jetzt mit Siebe derselben anhangen, darin zu bestärken; Jene, die schon auf dem Wege stehen, selbe zu verlassen, zurückzuführen. Das Buch zerfällt nun, wie die frühern Jahrgänge in zwei Abtheilungen, nämlich in eine hebräische und eine deutsche. Der Redakteur des hebräischen Theiles ist Herr Reggio und der des zweiten ist Herr I. Busch, als Redakteur des Jahrbuchs für Israeliten vortheilhaftigst bekannt. Der hebräische Theil beginnt mit einem rirpT “W ncynpni rvnuj; nsts^ von dem berühmten Dichter S. Kohn, das er zum Erscheinen der Bikkurc Ha-Ittim eigens geschriebens; dem folgen zwei Erklärungen des Verses D03 by iTDtt py von Luzzatto unb Reggio, welche beide den Erwartungen entsprechen. Eine sehr lehrreiche Abhandlung über die Stellen, die in den Midraschim zc. als aus dem citirt, dort aber nicht gefunden werden, von Hirsch Chajes, Rabbiner, schließt sich den vorigen an. Herrn Eh. leitet der Grundsatz, daß die frühern alles das, was in Jerusalem verfaßt wurde, mit dem Namen 'vhwyyi belegten, und bezieht sich auf sein großes Werk „Die Einleitung zum Talmud", welches ich noch nicht gesehen. Sehr fließend und gemüthlich, den Ausdruck wahrer Frömmigkeit an sich tragend, ist ein Aufsatz vom Herrn Prof. Velin T <> i r e überschrieben niNnott W , wo er gegen einen ungenannten polnischen Gelehrten in einem frommen Kampf auftritt, der geäußert, die heilige Schrift sei voll Fehler rc. Hier treffen wir noch einmal unfern Dichter Kohn, wo er die Geschichte der Juden in Preußen, Polen und Rußland in kurzen Zügen beschreibt, welches aber nur ein Theil eines größern Werkes ist, auf welches wir Gelegenheit haben werden ein anderes Mal zurückzukommen. Seite 27 bringt eine Biographie Spinozcrs in einemausgezeichneten hebräischen Style von Lettens, worin wir nicht gerne die Rücksichtsncchme auf B. Auerbachs Uebersetzung und Biographie vermißen. Herr Prof. L u zza t t o widmet uns noch einige schöne Erklärungen einiger Schriftstellen, sowie Herr Reggio eine Anmerkung zu der Stelle im Sota 5, 8 und etwas über Jbn-Esra. Ferner bringt uns der Bik- , kure ha-Jttim .sehr schöne Gedichte von'Letteris, Luzjatto, Reggio, St ern und Strelisker, und besonders herv,orzuheben wäre die Uebersetzung des Gedichtes „Die Hagbah" im Juden von Rieffer, welches Luzatto, Reggio und Streliskcr übersetzen. Ferner übersetzt Str. den Ring von Lessing, und Stern das Rheinlied von Becker, sowie Hr. A lmanzi aus Padua tz.u. Horatii Flacei De Arte poetica Epistola Lucio Pisoni et ejus üliis. Bevor wir schließen müssen wir noch eine Uebersetzung von Strel. erwähnen „lieber die Unzufriedenheit der menschlichen Schicksale". Aus dem englischen Zuschauer. 8. B. Der deusche Theil bringt uns meistens ausgezeichnete Arbeiten, die früher schon gedruckt waren. Von Jost die Biographie Montefiore's. Won Mannheimer, Sachs und Kohn, Proben rabbinischer Weisheit, aus dem Jahrbuch genommen; der Werth dieser Arbeiten ist hoch anzurechnen, und sie verdienen die weiteste Verbreitung, und es wäre zu wünschen , daß diese Gelehrten uns mehreres in dieses Feld Schlagende widmen möchten. Auch finden wir von' Zu nz die Betrachtung Tesillin und mehreres von I. Werthheim er und Frankel. Von Kämpf Lied eines Jerusalemers, welches schon mi„Sabbathblatt" zu finden ist. Origiginal-Beiträge. Ein sehr gelungenes Gedicht „Der Jude", woraus wir die letzte Strophe hier mittheilen: „Treu lebte er dem Glauben: Einst zeigt es sich klar, Was schlecht und was recht ist, Was falsch und was wahr!" Drum kann ihn nichts irren, Eins sagt ihm sein Herz: Was immer du leidest — Gott lohnet den Schmerz! Dann ein Beitrag zur Symbolik des Talmud von dem hier lebenden Hrn. A. Schmidt. Derselbe sucht einige undeutliche Stellen im Talmud zu symbolisiren, um sie so etwas verständlicher zu machen, welches allerdings eine werthvolle Arbeit wäre; nur darf man nicht wähnen, daß es einem überall gelingt, den wahren Sinn zu finden, und darf man überhaupt in die unverständlichen Stellen nichts hineinlesen, sondern muß man den versteckten Sinn herauslesen. Siehe die Uebersetzung von Mannheimer, Sachs. Ferner haben wir hier zu rügen, daß bei einer solchen Arbeit die Sprache etwas flüssiger und leichter sei, damit man nicht mit doppelten Schwierigkeiten zu kämpfen habe, denn wer versteht den Satz von Herrn Schmidt „das meiste Unrecht in der Welt hat seinen Grund in der Gegenseitigkeit, und erhält sie durch die — Höflichkeit". Ist das deutsch? Zum Schluffe ist noch eine später hinzugekommene Biographie des verstorbenen Dichters S. Kohn von Letteris und ein Nachwort von Reggio. Werfen wir nun noch einen Blick 'auf das ganze Buch, so finden wir die-Aussätze darin in einer herrlichen Sprache geschrieben, und voll des nützlichsten Inhalts; so daß es mit