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Der Orient · 1845-07-02 · 27 (2.7.1845) · p. Spalte 429-430

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
27 (2.7.1845)
Date
1845-07-02
Page
Spalte 429-430 (sequence 7)
Language
German
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429 430 Kritiken. Fürst's philosophische Bibliothek. Kurze Notizen und Miseellen. Berichtigung. Die im LB. Nr. 20 d. I. Col. 309 enthaltene Bemerkung über die Benennung ist meines Erachtens dahin zu berichtigen : daß die Rad. ‘pEtf ursprünglich ein ruhiges, kummerL oses Leben führen, bedeutet, daher in pn -TtD';: um ntarr, später wurde die Bedeutung, sich häuslich niederlassen, damit verbunden, m welchem Sinne dieses Wort nunmehr ausschließlich gebraucht wird, daher im nunrr : rpp nrraij und aus eben diesem Grunde, wird der Freiwerber, weil er -zur häuslichen Niederlassung verhelfen will, genannt. Lichtenstädter. Grabschriften. Im LB.des Orients 1841 sind die Schriften zusammengestellt,,i xoo hebräische Epitaphien auf jüd. Leichensteine gesammelt und erläutert werden. Möge hier ein Nachtrag folgen. Der bekannte Prof. Bellermann schrieb: De inscnpdonibus hebraicis Erfordiae repertis. Part. I. Erfurt, 1793. 4. S. 16. Part. 11. das. 1794. 4. S. 16. In diesen werden zwei Epitaphien zu Erfurt beschrieben. Kurze Anzeige«. 27) Die jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters oder Uebersetzungen der seit dem zehnten Jahrhundert verfaßten jüdischen Religionsphilosophieen. Mitgetheilt von Dr. Julius Fürst. Erster Band: Emunot we-Dcrot oder Glaubenslehre und Philosophie von Saadja Fajj u m i. A.us dem Hebräischen mit theilweiser Benutzung des Arabischen übersetzt von Dr. Julius Fürst. Leipzig, 1845. gr. 16. Otto Wigand. XII und 224 S. (Fortsetzung.) Der Vers, hat uns in diestm Vorworte den Plan und die Art der Bearbeitung in klaren Umrissen 'vorgelegt. Wir haben es hier nicht mit einer philologischen, sondern mit einer historisch-philosophischen Arbeit zu thun. Die Anschauungen, Gedanken und religiösen Gefühle einer Zeitepoche sollen uns, > in einer Individualität concentrirt, in der philosophischen Bibliothek vorgesiihrt werden. Die geistige Entwickelung eines bestimmten Zeitabschnittes, welche in einer Persönlichkeit ihre Spitze hat, soll uns durch einen Religionsphilosophen veranschaulicht werden. Mit diesem Gesichtspunkte, der mehr die Idee als die Form vor Augen hat, der die Frm überwindet, um den Geist, den herrschenden Gedanken einer Zeit zum Durchbruche zu bringen, steht der Vers, allein. Es sind allerdings einzelne Lheile und Bruchstücke der jüdischen Neligionsphilosophien übersetzt und kommentirt worden, allein die verschiedenen Herren Verfasser konnten aus der Partikularität eines einzelnen Neligionsphilosophen nicht iheraustreten und gingen eher u m° ihren Autor herum, als daß sie sich in ihn, als den Mittelpunkt seiner Zeit, versenkt hätten. Auch war das philologische Interesse bei den meisten Bearbeitern vorwiegend, und selbst der Gedanke wurde zu individuell aufgefaßt. Ich bin gewiß weit entfernt, jenen Arbeiten und Bestrebungen die Anerkennung zu versagen, ich glaubte aber auf diesen Punkt besonders aufmerksam zu machen, um einerseits unserm Verfasser den rechten Standunkt anzuweisen und andererseits jede Parallele mit den Einzelbestrebungen abzuschneiden. Schon der Gesichtskreis unseres Vers., der die Schranken des Individuums durchbricht, um Jahrhunderte und ganze Länder in ihrem geistigen Fortschreiten zu belauschen; der den Philosophen als das Sprachrohr einer ganzen Zeitepoche auffaßt, und ihn daher auch im Zusammenhänge mit seiner Zeit behandelt, ist ein neuer, der uns in die Mitte einer kultur-geschichtlichen Sphäre versetzt. Soviel über das allgemeine Verhältniß des Verfassers zur jüdischen Geschichte und Literatur. Man muß aber, wenn man ein jüdisch-philosophisches Schriftwerk gehörig würdigen will, aus dem partikular-jüdischen Gesichtskreise heraustreten und es mit der Literatur Anderer in Verbindung zu bringen suchen. Ein charakteristischer Zug der jüdischen Philosophien ist ihre historische Behandlung. Der jüdische Religionsphilosoph ist zugleich der Geschichtschreiber der religiösen Ideen und Philosophen^ seiner Zeit. Er begnügt sich nicht, seine Religion philosophisch zu begründen, sondern wie eine Biene fliegt er von Blume zu Blume, saugt hier den Saft aus, versetzt dort einen Stich und führt endlich sein eignes Gebäude auf. Selbst der letzte Religionsphilosoph unserer Zeit, der Dr. Hirsch ln Luxemburg, befolgte diese Methode. Durch diese Wchandlungsweise gewähren die jüdischen Neligionsphilosophen einen Einblick in ihre Zeit überhaupt. Platon und Aristoteles finden ihre Erklärer, Anhänger und Gegner in den jüdischen Religionsphilosophieen. Nach diesen allgemein einleitenden Worten gehen wir zu dem vorliegenden Werke über. Der Fajjunnt hatte das Mißgeschick, von seinen Glaubensgenossen weniger als Maimuni gekannt zu sein; ja das Verhältniß des Letztern zum Erstern ist noch nicht einmal aufgehellt. Durch die Übersetzung des Emunot we-Deor hat nun Fürst das Verdienst sich erworben, die Aufmerksamkeit der Juden t auf einen philosophischen Epigonen des zehnten Jahrhunderts gelenkt zu haben. Und Saadja bietet in der Khat eine höchst interessante Erscheinung. In jenen Jahrhunderten, welche man die finstern nennt, sehen wir einen Rabbi griechische und arabische Philosophie studiren und sie für seine Religion ausbeuten. Das Ergebniß seiner philosophischen Studien legt Saadja in den „Emunot" nieder, die zugleich den Typus der meisten nachfolgenden Religionsphilosophieen darstellt. Dieser Typus ist das Element d e s M i d r a s ch. (Beschluß folgt.) I

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