Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1845)
- Date
- 1845-06-25
- Page
- Seite 208 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 208 - der scheinbaren Vernachlässigung von Interessen, die wir selbst, als uns über alles Lheuer und heilig bezeichnet haben. In Einzelnen zum Bewußtsein erweckt, in einem engen Kreise geistverwandter Freunde besprochen und erwogen, sollte die Idee dem betrübenden Verfall unseres religiösen Lebens durch kräftiges Jusam menwirken einer großen Gesammtheit, Einhalt zu thun zuerst in unserer Nähe unter unseren Augen sich als eine zeitgemäße erweisen, bevor jene Gesammtheit für ihre Verwirklichung in Anspruch genommen würde. Diese erste Probender wir unser Vorhaben glaubten unterwerfen zu müssen, ist bestanden, und es haben sich uns bis heute in unserer Stadt etwa 300 Personen, — größtentheils Familienväter, angeschlossen. 2tuch aus der Ferne sind uns, sebr bald, und ohne unser Hinzuthun, vielfache Erklärungen des Beitritts, erhebende Beweise lebhafter Lheilnahme und innigen Einverständnisses zugekommen, und aus diesem Erfolg schöpften wie höheren Muth und festeres Vertrauen zum Gelingen unseres Vorhabens. Am 8. d. M. fand die erste Versammlung der hiesigen Unterzeichner statt. Der' Geist, welcher diese Versammlung belebte, erhob jene Hoffnung zur festen Zuversicht, welche durch die Hinweisung auf das unfern Bestrebungen von Seiten der höchsten Staatsbehörden kund gegebene Wohlwollen, noch erhöht wurde. Es sprach sich in den dort gehaltenen Vorträgen das sichere Bewußtsein aus, daß wir berechtigt seien, eine durchgreifende Reform innerhalb des Iudenthums zu fordern, und vorzübereiten; es gab sich allgemein und unzweideutig der Vorsatz kund, - mit festem Muth , mit unerschütterlicher Ausdauer, aber auch mit Mäßigung und Besonnenheit zu handeln, und in inniger Verbrüderung dem schönen Ziel entgegen zu gehen, das wir für das Iudenthum und in demselben erreichen wollen. v In derselben Versammlung wurden eine durch allgemeine Wahllder Mitglieder zu Bevollmächtigten ernannt und mit der ferneren Leitung ihrer gemeinsamenAngelegenheiten beauftragt: Dr. Ster n, C. H eyma n n, Ludw. L e s s e r, Ad. M e y e r, M. S i m i o n, PH. Hellborn, I. N. Friedlände r, Dr. F. I. B e h r e n d, A. Rebenstein, Jos. Wehrend, M. S. Bas w i tz, Lion M. C o h n, I. Löwen h e r z, Dr. Wald e ck 86n., Dr. B r e ß l e r und nachdem unsere Genossenschaft sich dergestalt förmlich konstituirt und eine festere Basis gewonnen, halten wir es für unsere erste Pflicht, die uns Gleichgesinnten in allen Gemeinden Deutschlands aufzufordern, daß sie sich zu gleichem Streben mit uns vereinigen, und Mitarbeiten an dem begonnenen Werke, damit es vollendet werden könne zum Heile der Gesammtheit. Se mögen denn unsere Glaubensbrüder ihre Ueberzengung laut und offen aus sprechen, wie wir die unsrige ausgesprochen haben. Mögen sie sich als Einzelne unmittelbar an uns anschließen, oder durch Bildung von Genossenschaften sich selbst in den Stand setzen, klar zu werden über das, was das Bedürfniß der Gegenwart fordert, so wie wir mit Ernst und Besonnenheit danach streben, uns dessen bewußt zu werden. Wir wenden uns als Laien an Laien. Denn es gitt zunächst , daß das Bedürfniß nach einer Reform im Iudenthum sich mit aller'Entschiedenheit und mit möglichster Bestimmtheit ausspreche. Dann mögen die Männer von Beruf und Wissen hknzutreten, um die Mittel anzudeuten, durch welche dieses Bedürfniß seine Befriedigung zu finden vermag; und so wird aus der großen, über ganz Deutschland hin verbreiteten Gesammtheit die Synode hervorgehen können, durch deren Entscheidung unsere ^Bestrebungen zur That, unsere Hoffnungen zur'Wirklichkeit werden sollen. Und so wenden wir uns denn an Sie, mit der Bitte, unserem Werke Ihre thätige Förderung angedeihen zu lassen, und dem Aufruf, den wir in mehreren Exemplaren beifügen, in Ihrem Kreise die möglichste Verbreitung zu geben. — Alle die in ihm den Ausdruck ihrer eigenen Ueberzeugung wiedersinderi, mögen ihn unterzeichnen, und sich hierdurch als Mitglieder unserer Genossenschaft zu erkennen geben. Diejenigen aber, die auf selbstgewählten Wegen dem hohen Ziele zustreben wollen, auf das wir hingedeutet, denen andere Mittel wirksamer erscheinen, als diejenigen, die wir anzuwenden gesonnen sind, sie mögen —^ wenn es ihnen angemessen erscheint, — selbstständig zusammentreten und ihre Stimme vernehmen lassen. Auch sie fordern wir auf, mit uns zu wirken, für die Wiedergeburt des Iudenthums, denn auch sie werden wir als unsere Genossen anerkennen und freudig begrüßen. Indem wir hieran die Mittheilung knüpfen, daß wir nächstens eine zweite Versammlung der hiesigen Genossen einzuberusen beabsichtigen, und gegenwärtig mit Berathung der an dieselbe zu stellenden bestimmten Anträge beschäftigt sind, sehen wir den Nachrichten von dem Erfolge Ihrer Lhätigkeit in unserer gemeinsamen Angelegenheit, durch eine der unten angegebenen Adressen möglichst bald entgegen, und behalten uns vor, Sie auch von unseren fernern Schritten von Zeit zu Zeit in Kenntnis; zu setzen. Die Bevollmächtigten der Genossenschaft für Reform im Iudenthum. Der Vorsitzende Der Sekretär Dr. S. Stern. Dr. F. Z. Betzrerrd. Personalchronik und Miseellen. " Vermischtes. Zu den deutschen Gemeinden, die sich für die Rabbinerversammlung erklärt' haben, gehört u. A«. Schwetzingen im Großh. Baden. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nage l.