Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1845)
- Date
- 1845-06-11
- Page
- Seite 191 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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191 ter sagen möge;»IN np1? ’3 UJW, er ist nicht mehr Oberwächter, denn die Frommen haben ihm das Amt weggenommen. Aber ich wünsche nicht, daß der Wächter diese Mittheilung als ersten Stoff zur Polemik ansehen möge, weit es auf den Stoff des „Wächters" ein schlechtes Licht in der düstern Nacht werfen könnte. Möge hier übrigens der Inhalt des Prospektus, als wichtiger Beitrag zu den Aktenstücken der deutsch-jüdischen Kirche, einen Platz finden: „Die Bewegung, die sich seit einer Reihe von Jahren, - eine Folge allgemeiner Zeirverha'ltnisse, dem Gebiete des religiösen Iudenthums mitgetheilt, ist jetzt entschieden in ein neues Stadium eingetreten, begleitet von Erscheinungen, deren Bedeutsamkeit nicht zu verkennen, deren muthmaßliche Folgen inhaltsschwer und gewichtig auf Zeiten und Geschlechter lasten werden. Was bis dahin gesondert, und in einzelnen Regun- - gen sich kund gegeben, nimmt jetzt eine bestimmtere Form an, gestaltet sich zur Maffe, macht Anspruch auf ein selbstständiges, dem bisherigen nicht mehr angehörendes Leben. Wie aber jede Kraft, Gegenkraft Hervorrust, wie wir unserer wahren Stärke, erst im entscheidenden Momente des Kampfes, uns selbst bewußt werden, so hat sich auch nie früher ein entschiedenerer Witte kund gegeben, dieser Bewegung mit Kraft und Energie entgegenzutreten, als eben jetzt. Gänzliche Auflösung dessen, was man seit ewigen Zeiten Judenthum genannt, heißt — die Bewegung; Erhaltung eben desselben in Gedanken,, Wort und Thatder Widerstand. Täuschung, Selbsttäuschung und leerer Wahn war es, zu behaupten, das streng orthodoxe Judenthum, sei der von allen Seiten gegen dasselbe erstandenen Bewegung nicht gewachsen, es sei dem Leben und den bevorstehenden Lebensverhältnissen entrückt, müsse rettungslos dahinschwinden. Ja, wenn es das wäre, wofür der Haß, der Berrath es so gerne ausgeben möchte, und treulos so oft es ausgiebt, es wäre allerdings verloren. Doch nein! Es. lebt fort, als der beseligende Glaube von rausenden und abermals tausenden frommer Herzen, lebt fort in dem gesunden Kerne der Masse des Volkes, lebt fort in seiner ursprünglichen Gestalt, trotz.der Anfeindung, trotz der Verachtung, trotz des Hohnes seiner Gegner, wird fortleben, weil es göttlich ist. Das Judenthum von diesem religiösen Standpunkte aufgefaßt, war in der bestehenden jüdischen Presse bisher fast gar nicht vertreten. Und wie konnte es anders sein? Zwar wurde mit dem Namen der „Unparteilichkeit" bis zum Ueberdrusse - coquettirto allein abgesehen davon, daß die Erfahrung solche verbürgte Unparteilichkeit durch die That widerlegt, ist sie, und darin mag der einzige Eatschuldigungsgrund liegen, in religiösen Dingen fast Sache der Unmöglichkeit. Was Wunder daher, daß die Vertreter der Orthodoxie lieber tzänzlich auf das Wort verzichteten, als es da laut werden zu lassen, wo auf fremdem, höchstens auf geduldetem Boden sie sich wußten? wo jedes ihrer Worte misdeutet, entstellt, mit Persönlichkeiten erwiedert, nur deshalb geduldet schien, um desto siegreicher dasselbe durch die Uebermacht entgegengesetzter Worte erdrücken zu können? Und dennoch geboten die Zeitverhältniffe dringend den Widerstand, erheischten sie die Vollkraft des wahrhaften und furchtlosen Wortes. Nachdem sich daher zuvor die Kräfte gesammelt und vereinigt, nachdem es sich gezeigt, daß die Schaar der rüstigen Streiter im eigenen Vaterlande sowohl, als in benachbarten und ferneren Landen, auch der Zahl nach, nicht gar zu geringe dastehe, nachdem endlich einmal durch das bekannte Veto der 116 Rabbinen der Widerstand eröffnet und feierlichst erklärt worden war: war es cm der Zeit, ein eigenes Organ zu begründen, dessen frei und offen erklärte Tendenz es einzig und allein sein soll, diese Interessen des orthodox-talmudischen Iudenthums zu wahren gegen die treulosen Angriffe, denen dieselben überall ausgesetzt, es zu verteidigen gegen Anklage und Verläumdung, gegen Herabwürdigung und Spott. In diesem Sinne haben sich mehrere der bedeutendsten Rabbinen Deutschlands vereint, zur Begründung eines solchen Organs ihre Unterstützung zuzusagen, und erlauben wir uns demnach, die Gläubigen in Israel auf den hiedurch ins Leben gerufenen „treuen Zions-Wächter" aufmerksam zu machen. Wie bereits erwähnt, ist die Tendenz dieses Blattes, wenn auch ihrem Wesen nach eine defensive, dennoch eine so sehr bestimmte, genau vorgezeichnete, und . sind wir so sehr entschlossen, zur Realisirung dieser unserer ausgesprochenen Tendenz, unsere ganze Kraft in die Wagschaale zu legen, daß Polemik unvermeidlich bleiben wird. Gut! Wir suchen sie nicht noch weniger aber fürchten wir sie. Nicht jene Polemik, die in äußeren Umständen ihre Begründung sucht, die ohne selbst wissenschaftlich zu sein, unter dem Scheine, von Kritik Alles zu negiren bemühet ist, am Wenigsten jene, die bis zu Persönlichkeiten herabsinkt, und so gerne Personen mit Principien verwechseln möchte; solche Polemik wird uns stets fremd, bleiben. Aber jenes gründliche Forschen und Schöpfen aus dem Quell alles Wissens, jenes Eindringen in den wahren Geist der Gotteserkenntniß und somit in den geoffenbarren Urquell des Gesetzes, das ist das Feld, auf welchem wir unfern Gegnern entgegentreten, und mit ehrenhaften Waffen, in heiligem Ernst jeden Kampf auskämpfen wollen. Wo in dem bewegten Leben der Synagoge und des Iudenthums überhaupt, zumal angeregt durch entgegengesetztes Streben und Wirken, eine Frage des Tages hervorgerufen werden sollte^ werden wir nach sorgsamer Prüfung, gestützt auf die Autorität des Gesetzes unsere Meinung unverholen abgebcn, und so der Majorität unserer Glaubensbrüder in dieser Beziehung eine feste Stütze darbieten, einen Anhaltspunkt für ihr Thun, ihr Leben, eine Autorität,, die nur deshalb besteht, weil das Zutrauen der Glaubensgenossen, ihre geistigen Führer freiwillig damit bekleidet hat. Dem jüdischen Schulwesen werden wir ebenfalls stets die regste Theilnahme zuwenden, indem wir belebend und anregend, den Sinn für das Forschen und Schöpfen aus dem heiligen Urquell der wahrhaften Religionslehre, zu fördern uns