Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1845)
- Date
- 1845-06-11
- Page
- Seite 185 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster . Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. .Buchhandlungen auf ein Jahr. Vr. JulL«s, Fürst. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 1845, Leipzig, den 11. Juni Inhalt. Deutschland. Breslau. Die Reformer. Geig er's Wirksamkeit. Hoffnungen. Königsberg. Synodal- Bestrebungen der jüd. Orthodoxie in Ungarn. — Oesterreich. Prag. Neueste Maaßregel. Dr. Wesse ly's Vorlesungen. Dr. Lowositz. Die Rabbinatskandidaten und das Seminar. Predigerwahl. Aolkiew. Vertheidigung des Hrn. H. Chajes. Dessen.Verdienste und Verhalten dem Chasidismus gegenüber. — Polen und Rußland. Die Mase. Kulturzuftarrd der Juden. Gesinnungen des Kaisers. Gouverneur Kamenski. — Die ersten' Regungen einer deutsch-jüdischen Kirche. Fortsetzung der Aktenstücke. Der treue Zions-Wächter.— Personalchroniß und Miscellen. Hamburg. Literatur. Schul- und Erziebungswesen. Literarisches. — LB. d. Or. Deutschland. Vreslsru, 26. Mai. Wenn das in der Breslauer Zeitung, von einigeil Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde, aufgestcttte Glaub enSbekenrüniß so wenige Wirkung hervorgebracht hat: wenn der von ihnen cm ihre Glauben sbrüder ergangene Aufruf, sich ihren Reformbestrebllngen anzuschließen, so ganz ohne Nachhall zurückzulassen verschollen ist, so liegt dies weder in dem Jndifferentismns, den die Beweglmgen jeglicher ^Religion unberührt lassen, noch in der steinernen Hartnäckigkeit der Orthodoxie, die dem Auge verbietet, des Lebens gewaltige Strömung zu sehen , dem Ohre auf der Zeiten mächtig mahnenden Ruf zu hören. Gottlob, diese faulen Dünste, die jedes auf religiösem Boden hervorbrechende Keimchen mit ihrem Gisthauche vernichten, hat der frische gesunde Geist, der jetzt in unserer Gemeinde waltet, bedeutend gereinigt; ja wir dürfen es stolz öffentlich aussprechen, der> Jndifferentismns, der so sehr lange als Krebsschaden an Israels edelsten Theilen gefressen, die Orthodoxie, an deren nndurchdringbarerDichtheitjeder Lichtstrahl so lange vergebens sich gebrochen, ist aus unsererMitte, wenn nicht ganz doch großen Theils geschwunden; im Gegentheilc giebt sich eine warme, rege Theilnahme an den Interessen und Beweglmgen im Judenthnlne jetzt mehr denn je in unserer Gemeinde kund. Es ist dies das thatkrästige Heranstreben zur geistigen Erkenntmß, das jedes Mitglied derselben ergriffen , um mit an dem großen Werke der Selbstemaneipation zu arbeiten. — Jcrler Aufruf hat sich aber darum so wenig Anklang verschaffen können, wert die hiesige Gemeillde sich der Leitung eines Mannes überlaffen hat, dem sie ihr ganzes Vertrauen geschenkt, und der irr seinem a l l m ä l i g e n Fortschreiten, die jähen Abgründe zu unlgehcn strebt, damit der minder Zuversichtige aus Furcht hinabzustürzen nicht zllrückbebe, und lieber umkehren möchte als den kecken Sprung zll wagen. Und in der That tritt die Ärt und Weife, wie^G eiger reformirt, immermehr versöhnend und verbilldend zwischen die Parteien, die meiner Meinung nach, weniger die Verschiedenheit ihrer Lebensansicht und der ümmt Ueberzcugullg auScilianderhäit, als vielmehr das eigensinnige Beharren aus Rechthaberei und die falsche Schaam inkonsequent erscheinen zu rnr'lssen. Deiln wo beides nicht so sichtlich hervortritt, da treffen wir'die sog. Rabbinisten mit eben solchem Eifer der heiligen Sache Vorschub leisten, als es die sog. Geigeriauer thun. Sc haben sich B. für dieses Semester zu unserer Religionsschule — die übrigens erst in der jüngst abgehaltenen Prüfung die herrlichstell Resultate von ihrer Wirksaulkeit an den Tag gelegt —- einige achtzig Schüler zur Aufnahme gemeldet, von denen der größte Theil Kinder derer sind, die auf Tiktins Seite stehen. Eine solche Reform mm, wie sie ein ,,achtbarer Theil^ unserer Getncinde beansprucht, wird Geiger darum immer entschieden von sich weisen, weil sie nur dazu dienen muß, die durch seine Reform bezweckte Aussöhnung der Parteien und die Annäherung der Gemütherausznhalten, und stille sich selbst gestellte Aufgabe, allgemein zu 24