Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 22 (28.5.1845)
- Date
- 1845-05-28
- Page
- Spalte 337-338 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 22. Leipzig, den 28. Mai L84A. Inhalt. Studien. Charakter der babylonischen Uebersetzung (Onkelos) und ihr Verhallniß zur jüdischen Tradition. Von Dr. M. %. Levy. — Vorläufiger Bericht über mein Studium der Münchner hebr. Handschriften. Von M. H. Landauer. Sohar-Mskrpt. Charakteristisches aller Kabbalisten. Eigenthümlichßeit des Sohar. — Das Bar-Kol. Von Rabb. Hirsch C Hajes. — Proben metrischer Uebers. aus dem Neuhebr. Von M. E. Stern. — Akrostichon auf den Dichter Schalom-Kohen. Von Demselben. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Der Frühling, neuhebr. Gedicht von Seligsohn. — Ankündigungen. Charakter der babylonische» Uebersetzung (des Onkelos) und ihr VerhaltuiH zur jüdischen Tradition. 2.Lheil.*) Von Mr. M. A. Levy zu Breslau. Es bleibt nun einmal wahr was Cervantes sagt: „Uebersetzungen gleichen der Rückseite gewirkter Teppiche" und mögen sie selbst Gobelins sein, fügen wir hinzu; das Original muß, von einem Andern nachgedacht und in eine Sprache übertragen, nothwendig von seiner ursprünglichen Frische verlieren und eine andere Färbung annehmen. Gilt dies im Allgemeinen von allen Uebersetzungm, so findet es bei dem Orientalen, der wegen seiner glühenden Phantasie, die den besonnenen Verstand nicht zu seinem Rechte kommen läßt, und vollends beim Inden seine volle Bestätigung. Dieser, wenn er die heilige Schrift erklärte, übersetzte oder paraphrasirte, mußte sich unwillkürlich oft der reinen Subjektivität begeben. Er sah in den Worten der Bibel, wo diese nur einige, zuweilen auch nur scheinbare Schwierigkeiten boten, mit ihnen sogleich ihre Einkleidung, die sie im Laufe der Zeiten erhalten harten, weil sein ceromonielles Leben seine ganze Begriffswelt so in Beschlag genommen hatte, daß er die traditionelle Auslegung in den zu erklärenden Worten immer wieder zu finden glaubte, und so zu keiner Objektivität gelangen konnte. Auch bei unserer Uebersetzung, die auf den ersten Blick rechtgläubige Juden als Verfasser zu erkennen giebt, finden sich *) Der erste Theil dieser Abhandlung, Entstehung, Alter Vaterland und Einfluß der Uebersetzung befindet sich in G eiger's, Zeitschr. s. j. Theol« V. S. 174. ff. daher die genannten Elemente; doch tritt hier noch ein neues Element hinzu, daserst recht den Charakter derselben bestimmt. Zur Entstehung unserer Uebersetzung gab, wie wir dies bereits angegeben haben, die Unkenntniß des hebräischen Textes beim Volke Veranlassung, dieser mußte daher in der chaldäischen Sprache, der den damaligen Juden verständlichen und geläufigen, wiedergegeben werden. Zweckte nun die ganze Institution des Bibelvorlesens dahin ab, den Israeliten zu erbauen und ihn auf seine religiöse Pflichten aufmerksam zu machen, so ging ein solcher Zweck gänzlich verloren, wenn nicht die chaldäische Uebersetzung solche Momente der Erbauung und Belehrung, die der Zeit und der damaligen Lage des Volks entsprachen, in sich aufnahm, d. h. wenn sie nicht die Tradition in sich verarbeitete. Diese ist es hauptsächlich, die aus unsere Version influirte und deren Charakter wir weiterhin näher bestimmen muffen. Wo diese nicht einwirkte, ist die Uebersetzung wörtlich treu, einfach und von einer gründlichen und lebendigen Tradition über die Wortbedeutung unterstützt, trifft meist glücklich den Wortsinn, ohne dem chaldäischen Sprachgenius etwas zu vergeben. Diesem und der Deutlichkeit zu gefallen, werden oft die tropischen Bedeutungen des Originals aufgelöst, Worte eingeschoben, oder sonstige Veränderungen vorgenommen, die zum Theil noch weiter unten besprochen werden. Im Einzelnen das Gesagte nachzuweism, ist sowohl überflüssig, da dem bereits von Win er *) und ßujjatto*) Genüge geleistet worden, als auch oft mit weniger Sicherheit zu bewerkstelligen, da es doch am Ende dem subjektiven Urtheile anheim fallen muß, ob der richtige Sinn getroffen worden ist, und tot euxitu tot sensus. Deshalb ist auch von Wmer unserer Uebersetzung 1) de Qnkeloso etc. §. 7. sqq. 2) Oheb Ger S. 1 ffg. 22