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Der Orient · 1845-05-28 · Heft 22 (28.5.1845) · p. Seite 176

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 22 (28.5.1845)
Date
1845-05-28
Page
Seite 176 (sequence 15)
Language
German
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- 176 - ttgen Werkes folgend, wollen wir dafür nach Kräften bemüht sein, um alsdann in um. so größerer Anzahl gemeinsam beipflichten zn können«.- Wir fügen am Schluffe den treugemeint'en Herzenswunsch hinzu, daß die hohen deutschen Regierungen sich endlich berufen fühlen möchten, die Kirchengemeinschaft ihrer jüdischen Unterthanen, welche denen der übrigen Mächte-Europas an Intelligenz und Fortschritt gewiß nicht nachstehen, rechtlich anzuerkenncn und diese in ihre nachdrücklichste Beschützung zu nehmen. Wo nach wir zu verharren rc. tc.. Lissa, (Provinz Posen) (Folgen die Unterschriften.) den 6. Mai 1845." XVI. Berichtigung. (Vergl. No. XIV.) Zn Nr. 132 der Deutschen Allgemeinen Zeitung hat ein Correspondent aus Berlin die am 8. d. M hier stattgefundene Generalversammlung der Genossenschaft zur Reform des Judenthums mit unverkennbar hämischer Feindseligkeit besprochen; dafür zeugen eine Menge der von ihm gebrauchten Ausdrücke und Wendungen. Ueber die unwürdige Auffassung der Sache mit demselben zu rechten, hieße Wein in einen Graben schütten, da der Correspondent zu den Leuten zu gehören scheint, welche die Heiligkeit einer aus dem innersten Bedürfnisse und der redlichsten Absicht hervorgegangenen religiösen Bewegung nicht zu fassen vermögen, also auch nicht die Pflicht begreifen, sie „wenigstens" parteilos zu besprechen. Was mir aber nothwendig obliegt, da ich der Berichterstatter in erwähnter Generalversammlung war, an der Correspondenz ernstlich zu rügen, ist, daß der Schreiber derselben so keck war, den Inhalt meines Berichts zu entstellen und Angaben zu referiren, die durchaus nicht so, wie er sie mittheilt, oder gav nicht darin vorkamen. Nur Einiges der Art will ich hier bezeichnen. Ich führte in der Einleitung meines Berich s den Ausspruch des Hrn. Dr. ZttNZ (aus dessen „Die gottesbienstlichen Vorträge der Juden") an: „Reform ist das Moment der jüngsten Generation, deren Aufgabe es ist, in der politischen Stellung, in der Wissenschaft, und der durch beide bedingten religiösen Form das wahrhaft Zeitgemäße zur Herrschaft zu erheben" rc Ferner sagte ich, es sei als der einzig richtige Weg zur Reformirung des Judenthums der erkannt worden, daß das Volk erst deutlich die längst gefühlten Bedürfnisse kund geben und zeigen müsse, wo und inwieweit ihm eine Umgestaltung seiner Religion noth thue, damit alsdann die Lösung der Aufgabe durch berufene Männer geschehen könne; worauf ich hinzusehte, daß der gelehrte Oberrabbiner Hr. Dr. Frankel in Dresden sich ebenfalls in diesem Sinne erklärt habe, und zum Beweise mehrere Stellen aus dessen Aufsatz , Ueber Reformen im Judenthume" (siehe dessen Zeitschrift, Aprilheft 1844) mittheitte. Was macht nun der Correspondent hieraus? Er sagt, ich hatte rnitgetheilt, daß die beiden genannten Herren sich ausdrücklich der Sache dieser (unserer) Reform günstig gezeigt. Derselbe knüpft hieran sogar eine Auffoderung, daß sich Hr. Dr« Frankel öffentlich darüber erklären möge, ob das Gesagte wahr sei; dies ist allerdings nur die richtige Consequenz in dem unwürdigen Verfahren gewisser Leute, die, nachdem sie eine fruchtlose Denunciation bei unfern Behördern versuchten, nun auch bestrebt sind, uns bei achtbaren Männern, eben so grund- und rechtlos, zu denunciren! Noch sagt der gedachte Artikel, es sei von mir mitgetheilt worden, daß der Cultusminister dem Dr. Stern die gnädigsten Eröffnungen gemacht, während ich diesen Letztern hierbei durchaus gar nicht genannt habe. — Doch genug über dm hinlänglich charakterisirten Correspondenten; wer mit so unehrlichen Waffen kämpft, richtet sich selbst. Berlin, am 14. Mai 1845. Ludwig Lefser. (D. A. Z.) PerforralchrorrLk und Miseellen. Zur Emancipationsfrage in Preußen. In der siebenundzwanzigsten Sitzung (13. April) legte die Petitionskommission der Versammlung zu Posen einen neuen Vorschlag vor, dem zufolge alle Juden, die im Heere gedient oder eine Gymnasial-Erziehung genossen hätten, vollständig emancipirt werden und der Unterschied zwischen naturalisirten und nichtnaturalisirten Juden aufhören sollte. — Am 24. April (42. und 43. Plenarsitzung) berieth der brandenburgische Landtag über 3 Petitionen, von denen 2 die völlige Emancipation der Inden, die dritte die Wiederherstellung des Edikts vom 11. März 1812 beantragten. Die Majorität des Landtages entschied sich für die Erneuerung des Edikts. Die Mehrheit soll aus 48 Stimmen bestanden haben. Ein großes Verdienst um dieses Resultat soll sich der in der Niederlausitz begüterte (auch im Kön. Sachsen domizilirte), seit mehreren Jahren als lyrischer und dramatischer Dichter bekannte Fürst (zu) Lynar erworben habe, der sich auch bei einer vom Geh. Commerzienrath Mayer (dem bekannten Seidenfabrikanten) in Veranlassung jenes Beschlusses gegebenen Festmahle einsand. Gesetzgebung. Eine Ministerialentschließung an die k. Reg. von Unterfrankeu und Aschaffenburg erklärt, daß das Schutzgeld an die Gemeindekasse keine Reallast, sondern eine aus früheren Zeiten herrührende persönliche Abgabe und mit dem §. 2 des Edikts vom 10 Juni 1813 (welches gleiche Gemeinderechte der Juden neben gleicher Verbindlichkeit vorschreibt) unverträglich sei. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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