Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1845)
- Date
- 1845-05-14
- Page
- Seite 153 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechster Jahrgang. Berichte, Studie» und Kritiken für Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr» Mische Geschichte und Literatur. Heraus gegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, undzwar an jedem Dienstag regelmäßig. »r. Julias Fürst. Jt£3®. Leipzig, den 14. Mai 1845. .Inhalt. Deut s ch l a n d. F r a n k f u r t a. . M. Rabb, Stein als Rigorist. Die Verhandlungen über die jüd Strattinae Kr oto sch in. Uneinigkeit der Vereine. Gemeindeleben. H am bürg. Vermischte Nachrichten. Aus O b.ersch l e si e n Selbstbekenntniß der Otthodorie. Frankfurt a. M. Erklärung gegen die jüd. Hierarchen. — Die ersten Regungen einer deutsch-jüdischen Kirche. Fortsetzung der Aktenstücke. — Vorschläge für die nächste Rabbiner-Versammlung in Frankfurt a. °M. — und Miscellen. Frankfurt. Berlin. — LB. d. Qr. - ' / . ' ^erionaicyronlk Deutschland. 1 Frankfurt a.'M., 1. Mai. . Bor einigen Taj gen tarn ein ehrlicher Landmann aus K— g zu wir, um bei mir eine in NldD>< einschlägiges^ zu machen. Dem Grundsätze gemäß, daß es, besonders feit Aufhebung der Semicha, jedem.gesetzeskundigen Jsraei liten zu steht, über Gesetzesftageu Allökuust zu ertheilen, j willfahrte ich dem Manne nnb gab ihn: den gewünschj fccit Bescheid, konnte jedoch nicht, umhin, die Frage an ihn zu richten, warrnn er sich eben an rnich, einen Privatmann, der in den Augen jedes DD und Di Di)) als ,,Laie" gelten müsse, und nicht vielmehr an.den hiesigen R a b b in e r gewendet habe. Der Landmann sagte, das habe er nicht r r s k i r en wollen. Ich verstand den Mann nicht und glaubte da hinter eine orthodoxfanatische /Schliche, zu kommen. . Aber wie großwar mein Beftemden, als mir der bescheidene Mann ans weiteres Befragen gestand, daß ' man in K—g Hrn. Stein als einen allzugroßen D^NQ fürchte. Kürzlich sei ein K—ger Mann Vdn gewesen und habe an Hrn. Stein die kasuistische Frage richten lassen : ob er, dex Leidtragende, am z w e i t c n der sieben Trauertage nach- Worms reisen dürfe, nur dort ein unaufschiebsiches Geschäft (n'JDNn DDD ro^D) ju verrichten, welches ihm, dem Familienvater , einen Profit von chm 50 fl. ab werfe. Bekanntlich genügt täglich ein . einstündiges Sitzen auf der Erde. in - Gegenwart von DvorüD selbst, den strengsten talmudischen Anforderungen. Allein unstr überstrenger Rabbiner erlaubte zwar dem Manne, die Reife und das Geschäft zu machen, legte ihm jedoch, wie mir mein Landmann berichtete, auf, nach seiner Zurückkunft die ganze siebentägige Traue'rceremonie wieder von neuem zu beginnen — eine Auflage, deren gewissenhafte Befolgung dem armen Manne durch die zehntägige Unthätigkeit (2 Tage rvvsttt und 8 Tage li^Dk) sehr ansehnlichen Schaden znfügte, und die übrigens mit dem Ausspruche des—-.in dieser 'Hinsicht doch sicherlich nicht allzu laxen „Jore Dea" (§. 380, §. 5 und 6) in direktem Widerspruche steht. — Haben Sie die Güte, Herr Redakteur, dieses Faktum in ihrem Blatte mitzutheilen und auf etwa an Sie ergehende Anfrage den Namen des Einsenders zu. nennen. . . Wkergenthetm, 1. Mai, Was h eißL Perfidie? Das will ich Ihnen nicht erklären, sondern folgende Geschichte erzählen: Irr der Sitzung der würtembergischen Deputirtenkammer vom 15. April stellten die HH. Abgeordneten von Scheur l e n rmd H o l z i n g e r den Antrag: Man möge den israelitischen Znchthaussträfsingen die Milde augedeiheu lassen, sie an ihrem Sabbat nicht zur Arbeit auzuhalten. Hierauf erwiederte der Justizminister, Geh.-Rath von P ries er: ,,dies geschehe-allerdings; die israelitische Oberkirchen beh ord e aber habe sich für Beibehaltung der Hausordnungen erklärt" — worauf die HH. Abgeordneten v. Scheurlen und v. Hornstein warm für Menschenliebe und ReligiöflLät das Wort ergriffen und namentlich 20