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Der Orient · 1845-05-07 · 19 (7.5.1845) · p. Spalte 289-290

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
19 (7.5.1845)
Date
1845-05-07
Page
Spalte 289-290 (sequence 1)
Language
German
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MeratrrrblatL des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. JVi AO» Leipzig, den 7. Mai - 184Ä» Inhalt. Studien. Analekten. 1. Jüdisch-deutsche Volkspoesi'e. 2. Die Aufschrist des 3. Ps. Von Rabb. Dr. S. Mayer ln Hechingen. — Lehrt die Bibel einen persönlichen Messias? Von Dr. I. Kampf. (Forts.) — Kritiken. Kurze Anzeigen. Blüthen rabbinischer Weisheit von Dr. H. Jolowicz. Selbftanzeige des Vers. — Die Frankfurter Gutachtensammlung über die Beschneidung, beurtheilt vom Rabbiner S. Süßkind. (Fortsetzung.) — Ankündigungen. Aualekten. 1. Jüdisch - deutsche Volkspoesic. Ihre Aufforderungen um Beiträge zur Literatur der jüdisch-deutschen Poesie sind nicht ohne Erfolg geblieben, und auch ich kann Ihnen einige Miltheilungen machen. Der poetische Kunstsinn, der sich in den biblischen Schriften so lieblich und majestätisch ausgesprochen hat, erlosch allmälig bei den Israeliten, theils in Folge den philosophischen und theologischen Studien, theils, in Folge des entsetzlichen Elends, in welchem sie unaufhörlich schmachten mußten, und theils in Folge des spekulativen Handelsgeistes, der, durch die Nolh erzeugt und fortgesetzt, alles Denken in Anspruch nahm. Der tiefe Ernst, der ihr ganzes Leben durchdrang, erlaubte ihnen nicht die Beschäftigung mit poetischen Spielereien, so daß nur einzelne Individuen, wenn sie von einem unwiderstehlichen Drange angeregt waren, der Poesie sich Hingaben. Es war jedoch keine wahre Poesie, sondern nur eine Zusammenstellung von gereimten Versen, gewöhnlich ohne Versmaaß; denn die klassische Poesie war den Israeliten unbekannt, eine hebräische Poesie in der heiligen Schrift wurde nicht vermuthet, und auch die deutsche Poesie hat sich ja erst in der neuern Zeit entwickelt. Nur Vorsänger und Spaßmacher machten Reime, die aber schon wegen der Persönlichkeit der Verfasser nicht zu Ansehen kommen konnten, denn jene standen im Rufe, daß sie . an fixen Ideen leiden, und diese genoffen ohnedies wegen ihres gemeinen Gewerbes keine Achtung. Man pflegte daher auf solche Reimdichter das Wortspiel anzuwenden: *>nn hto pnrn (Chullin 95, ist, und noch jetzt wird sehr selten bei den Israeliten ein poetischer Sinn wahrgenommen. Gleichwohl haben die Reimdichter nicht unbedeutenden Einfluß geübt, denn ihre in jüdischen Lettern gedruckten Schriften wurden vom Volke gerne gelesen, das auf diesem Wege nicht nur mit israelitischen Geschichten, sondern auch mit Erzählungen von wahren oder erdichteten Begebenheiten anderer Völker bekannt wurde. Zu diesen Dichtern oder Sängern gehörte besonders Iosel Witz e nha use n *), welcher der erste Israelit war, der eine jüdisch-deutsche Uebersetzung der heiligen Schrift zu Amsterdam (1679) herausgegeben hat **). Er hörte immer von König Artus-Hof sprechen, und ruhte nicht, bis er ein Buch fand, in welchem er diese Geschichte las, und die er in Reime stellte: Ein schön Maase von König Artis Hof, wie er sich in seinem Königreich hat thun fuhren, und was er hat gehat vor Manieren. Und von dem berühmten Ritter Meduwilt, dem streitbaren Held gar schon in Reim gestellt. Wann ihr wert drinnen leyen, wert sich euer Herz erfreuen, Ihr möcht es leyen oder singen, wie ihr wölt, es kost euch als ein Geld, doch hat es an sich die Lugend, daß die zarte Jugend alzeit lustig is, und was sie so singendich leyen, gedenken sie gewiß, und behalten eS eine lange Zeit in Acht, drum ach Hab ich es also gemacht: denn es ret gar schön und züchtig, man kann ach draus lernen, richtig reden und sprechen zu allen Zeiten, bei Herrn und Fürsten und Edelleuttn. Kauft geschwind, daß ihr sollt 8oeÜ6 sein, zu kommen inNres isroel hinein, Lalb in unfern Lagen, drauf wollen wir Amen sagen. Wir zweifeln zwar sehr, ob diese gereimte Geschichte vermögend war, irgend einen Israeliten in das heilige Land *) Dictus ita est a patria, urbe scilicet in Kessia inferioi'i sita. Wolfii ßibliotli. hebr. J, pag. 505. **) 1b. 11, pag* 453. Hujus puto esse rp)' ftp1? collectio Josephi, opus adfectum hominis recentissimi, R. Jos. fil. Alexandri, Synagogae GeJnhusanae reetoris ect. Hi, pag. 384. 19

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