Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1845)
- Date
- 1845-04-23
- Page
- Seite 135 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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135 Veranlassung zur Wahl seines Berufes eine andere gewesen sein sott, die Absicht nämlich, um so sich der Militärpflichtigkeit zu entziehen; doch wir glauben dem Hrn. Philothetes, denn Philothetes muß es wissen. Auch die von Herrn Phil, gerühmte Gerechtigkeit und Gewissenhaftigkeit unsrer Behörden bei Besetzung von Stellen ist nur zu sehr bekannt, als daß man daran zweifeln dürfte, überdies Hr. Philothetes sagte, und Hr. Philothetes muß es wissen. Dagegen kann ich nicht umhin, die gesunde Logik, die gereiste pädagogische Erfahrung und gründliche Kenntniß des Wesens der Volksschulen , sowie die stylistische Gewandheit und Korrektheit, die Kenntniß so vieler fremden Sprachen, die der Herr. Philoth. mit so..vielem Takt in seiner Korrespondenz entwickelt hat, zu bewundern, und ich bediene mich nur der scharfen logischen Argumente des Herrn Philoth., wenn ich behaupte, daß er gewiß auch ein Schüler unsrer von ihm so gerühmten Schule sein müsse und ist, ferner eine Schule zu den vorzüglichsten gehöre, die solche Korrespondenten aus sich hervorgehen sieht. Nur das Griechische und Französische scheint unser Herr pseudonymer Korrespondent au unsrer Hauptschule und vielleicht au gar keiner Schule gelernt zu haben; denn sonst würde er „Elite" und nicht „Elil" geschrieben, und sich „Philalellietes“ (d. h. Wahrheitsftcund) aber nicht Philothetes, das nichts bedeutet, unterschrieben haben. Aber derlei Sublimia gehören nicht für eine Volksschule; die mag wohl ein Graduirter wissen; das hindert aber nicht, ein Gelehrter zu fein; da man hier, wie bekannt, ein Gelehrter ist, wenn man recht schreiben und lesen kann. Herr Philothetes bleibt also immerhin ein Gelehrter , und wenn er nicht etwa schon ein Schulinspeki tor ist, sa soll er die erste vakante Jnspektorstelle erhal-! ten. — Zum Schlüsse noch eine kleine Erinnerung an j Sie, lieber Herr Philothetes! Thun Sie nicht so gar devot; denn selbst dein Fürsten des Orients gegenüber ziemt solche kleinliche Bescheidenheit nicht. Erinnern Sie sich, was von solcher Bescheidenheit ein großer deutscher Dichter sagt. — Censor castigatorque morum. Die ersten Regungen einer deutsch - jüdischen Kirche. v. Die unbestimmten Seiten der deutschjüdischen AerrHerungen. Wenn man die Phrasen des Programmes oder der Ansprache „an unsere jüdischen Glaubensbrüder" der Berliner deutschen Juden abzieht, wenn man die allgemeinen Wünsche und Hoffnungen und die Schilderungen des gegenwärtigen Zustandes des Judentums und der Ansprache wegläßt und zum Kern des Schreibens übergeht, so stellen sich folgende Punkte heraus, die man schon deshalb festhaltm muß, damit man nicht in lauter Unbestimmtheiten bleibe. In der Berliner Ansprache heißt es: „Wir wollen Glauben, wir wollen positive Religion, wir wollen Iudenthum," und wir wollen nun zusehen, was der Verein unter Glauben, positiver Religion und Iudenthum sich denkt, indem wir alles Positive in der Ansprache geordnet zusammenstellen und in Glaubensformeln umgießen: 1) Wir erkennen an, daß die heilige Schrift (die 24 Bücher) ein Zeugniß göttlicher Offenbarung ist, daß unsere Väter voll ihrem Geiste erleuchtet wurden, und an dem Geiste der heiligen Schrift halten wir auch fest. 2) Aber wir wollen die heilige Schrift nach ihrem göttlichen Geiste auffassen und nicht unsere Freiheit der Zwingherrschast des tobten Buchstaben in Dienst geben. 3) Wir wollen keine Gebote der heiligen Schrift beobachten, die keinen geistigen Halt in uns haben. 4) Wir wollen das Gesetzbuch (Pentateuch) nicht als unveränderlich gelten lassen, da es daS Wesen und die Aufgabe des Heidenthums bestehen läßt, und seine Vorschriften ihren Ursprung einer längst vergangenen für immer verschwundenen Zeit verdanken. 5) Wir halten fest an Allem, was zu einer wahrhaften im Geiste unserer Religion wurzelnden Gottesverehrung gehört, wenn auch deren Begründung nur durch die Tradition nachzuweisen ist. 6) Wir halten fest an der Ueberzengung, daß die GotteSlehre des Judeuthums die ewig wahre sei, und an der Verheißung, daß diese GotteSerkcnntniß dereinst zum Eigenthume der gestimmten Menschheit werden wird. Dieses sind die einzigen positiven Lehren oder Glaubenssätze des Berliner Programms, und sie erscheinen immer noch so unbestimmt und ungeordnet, daß der Verein wohl bald die Nothwendigkeit einsehcn wird, ein deutsch-jüdisches Glaubensbekenntniß in ausgedehnter Form abzufaffen. DaS Aufschüben eines Vekenntmß - Entwurfs bis zum Zusammentritt einer Synode heißt der ganzen Anregung den Untergang bereiten, wie überhaupt, das Aufschieben zum Verderb des Vereins ist. Meine Aufforderung geht daher an die? Männer der Kommission, mit der Abfassung-eines ausführlichen Glaubensbekenntnisses den Anfang zu machen , um einer spätern Synode sodann noch manche Abänderungen zu gestatten, wie überhaupt diese Gegenstände erst vielfach durchgeprüft werden müssen. Ein .Theolog, Der sich zur deutsch-jüdischen Kirche zählt.