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Der Orient · 1845-04-16 · 16 (16.4.1845) · p. Spalte 253-254

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
16 (16.4.1845)
Date
1845-04-16
Page
Spalte 253-254 (sequence 7)
Language
German
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253 Studien. Literarische Analekten. 254 riesweges-ausschließt. Der gelehrte Verfasser wird sich ein Verdienst' erwerben, wenn er diese Lücke ausfüllt- und dadurch nicht nur den Studien ein neues Gebiet eröffnen, sondern seinen Amts u. Studien - Genossen einen Sinn für Methode und wissenschaftliche Forschung einflößen, wie er dort noch gänzlich vermißt wird. Was wir hier vor uns haben, ist erst so zu sagen eine Einleitung zur Einleitung, und, wenn der Vfr. seinem Versprechen genügen will, so dürften dem vorliegenden Hefte noch sehr viele Nachfolgen, ehe das Thema erschöpft sein dürfte. Wir bed entern, daß dasselbe uns nicht einen vollständigen Plan darbietet, wie der Vfr. das Thema durchzuarbeiten gedenke, so daß wir vorläufig uns außer Stande befinden, anzugeben, was nach demselben noch zu erwarten sein dürste. Aus demselben Grunde könnenwir auch noch - gar kein' Urthcil über das Geleistete haben, so lange nicht ein bedeutenderer Theil der Gesammtarbeit erschienen ist. Dennoch verfehlen wir nicht, sofort die Aufmerksamkeit auf das begonnene Werk hinzulenken, weil das eben erschienene Heft auch außer dem Zusammenhänge mit dem Ganzen, dessen Theil es bildet, großen Fleiß beurkundet, und vieles unter bestimmte Kategorien bringt, so daß das Material allem den Srudirenden in manchen Beziehungen willkommen sein muß, selbst wenn sie, wie wir selbst, den Grundanflchtm des Verfassers nicht beipflichten. Der Gesichtspunkt, von welchem der Vfr. das Gebiet des Talmuds überschaut, ist der der alten Lraditionslehre, wie solche seit Maimuni, unverändert im Rabbinismus feststeht. Die Traditiöü ist' ihm das Wort Gottes, wie solches in den heiligen Schriften ausgesprochen und in der von Gott selbst dem Mose, und von diesem und seinen Nachfolgern bis einschließlich auf die Nabbinen herab, vermöge ihres Amtes, mündlich fortgepflanzten Erklärung enthalten ist, und die im Talmud endlich auch niedergeschrieben worden.— Sein Streben geht nur fürs Erste dahin, die Tradition als solche geschichtlich nachzuweisen, und die Gesetze ihrer weitern Entwickelung, sowohl in Beziehung auf Satzungen als auch in Betreff der Methode, in welcher sie in-den Schulen und Synagogen gelehrt und zur Erwartung und Erhaltung des religiösen Sinnes befruchtet worden, darzustellen. (Fortsetzung folgt.) Literarische Analekten In Betreff des angeregten Plagiats von- Farissol (Orient Nr. 1) theilt uns der gelehrte Herr H. Michael in Hamburg, folgendes zur Berichtigung mit. „Nach meiner Meinung. ist F. von der Anschuldigung des Plagiats frei zu sprechen; denn es ist mehr als wahrscheinlich, daß ursprünglich seine Schrift nur die Polemik gegen das Ehristenthum enthalten hat und' keineswegs aus drei- Th'eilen bestand. So besitze ich auch eine sehr alte italienische Handschrift, die nur 74 Kapitel enthält —am Schluffe-sind in derselben noch 24 Kapit. hinzugefügt, von einem andern, mir unbekannten Autor —die Abschreiber fügten auf diese Weise noch vieles von ähnlichen Schriften hinzu, die sie geradezur Hand hatten, und theilten daher auch diese Schrift in drei Th eile. Die Zusätze in'dem Werke Magen Abot entstanden auch auf diese Weise. Die Verschiedenheit der Handschriften dieser. Schrift, bestätigen meine Meinung; denn ich besitze noch zwei Abschriften, eine deutsche, in der sich allein die Eintheilung in drei Theile vorflndet und auch im klebrigen ganz mit Ihrer Angabe im „Orient" übereinstimmt und eine sehr schöne sefardische, die in 74 Kapit. alles Das enthält, was sich tri der d e u t s ch e n in den zwei ersten Theilen befindet. In dieser sind auch viele verbesserten Lesearten und die Auszüge ausDurans (nicht d'Orans)„Bogen und Schild" (Keschet und Magen) vollständig und korrekt — nach dieser Handschrift habe ich auch bereits genannte Schrift Duran's emendirt —; sie enthält ferner den Kommentar zu Ier. 52, 14 von R. Saadja b. Maimun Jbn-Danon (lebte in Granada A. 5245, wie es aus dem R.G.A. Peer ha-Dor Nr. 225 hervorgeht) Wir ergreifen diese Veranlassung, - diesen würdigen Gelehrten aufzufordern, den Katalog seiner, dem Vernehmen nach, aus 15 00 Handschriften bestehenden Bibliothek zu veröffentlichen. Die von den christlichen Gelehrten angefertigten Kataloge rc. sind, weil sie nur dürftige Kenntnisse der rabbimschen Sprache und Literatur hatten , nur mit der größten Vorsicht zu benutzen. Titel und Epigraph sind bei diesen die Hauptmomente, welche hervorgehoben werden, der richtige Inhalt und die vielen Notizen, die das Lesen einer ganzen Schrift ergeben, bleiben uns daher nicht selten verborgen. Irrthümer, die durch das unrichtige Lesen und falsche Auffassung entstanden, sind unzählig, und wo sich einmal ein Fehler emgeschlichen hat, da ging er von einem zum andern über. Noch nie besaß aber ein jüdischer Gelehrter eine solche Bibliothek wie Hr. M., der noch zugleich gründliche Kenntniß des Rabbinischen mit einem literarischen, wissenschaftlichen Streben-vereintund nur ein solcher- Gelehrte kann brauchbares-Matetial liefern, dessen man sich mit Sicherheit und Vertäffigkeit bei literarischen Arbeiten bedienen kann. Herr Mist glücklich im Sammeln von Handschriften, glücklich durch den Besitz der hierauf zu verwendenten Mittel, möge er daher'auch der Mit- und Nachwelt das nicht vorenthalten, was sie rechtlich beanspruchen kann, und der Wissenschaft mit der Herausgabe seines Katalogs einen Dienst erweisen, den man jetzt mehr als sonst zu würdigen versteht. Frankfurt a. M. K—m.

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