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Der Orient · 1845-04-16 · Heft 16 (16.4.1845) · p. Seite 132

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 16 (16.4.1845)
Date
1845-04-16
Page
Seite 132 (sequence 23)
Language
German
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132 Verständigung, gemeinsame Schritte zu thun, um zu retten aus der ZerfallenheiL, was in unserer geistigen Gesammtentwicketung, was in unserm deutscher Leben fortbestehen kann, und offen zu entsagen dem, was in uns offenbar ist. — Zn diesem Sinne sind wir zusammengetreten im Gefühl unserer Berechtigung, die Nothwendigkeit einer Umgestaltung offen und bestimmt auszusprechen, einer'Berechtigung, die wir in Anspruch nehmen und nehmen dürfen, da unsere heiligsten Interessen dringend gefährdet sind; aber auch in dem Bewußtsein, daß wir nicht die. Berufenen sind, diese Umgestaltung auszuführen. Darum wollen wir uns zunächst der Zustimmung unserer deuschen Glaubensbrüder versichern und mit diesen gemeinsam eine Synode berufen, um diejenige Gestaltung des Judenthums festzustellen, die dem Leben unserer Zeit und der Empfindung unseresHerzens entspricht.— Wir wollen Glauben, wir wollen: positive Religion; wir wollen: Judenthum. Wir hatten fest an dem Geist der heiligen Schrift, die wir als Zeugniß göttlicher Offenbarung anerkennen, .von welcher der Geist unserer Väter erleuchtet wurde. Wir halten fest an Allem, was zu einer wahrhaften, im Geiste unserer Religion wurzelnden Gottesverehrung gehört.. Wir hatten fest an der Ueberzeugung, daß die Gotteslehre des Judenthums die ewig wahre sei, und an der Verheißung, daß diese Gotteserkenntniß dereinst zum Eigenlhume der gesummten Menschheit werden wird. — Aber wir wollen die heilige Schrift auffassen nach ihrem göttlichen Geiste; wir können nicht mehr unsere göttliche Freiheit der Zwingherrschast des todten Buchstaben opfern. Wir können nicht mehr beten mit wahrhaftem Munde, um ein irdisches Messiasreich, das uns aus dem Vakerlande, dem wir mit allen Wanden der Liebe anhangen, wie aus einer Fremde heimsühren soll, in unserer Urväter Heimathland. Wir können nicht mehr Gebote beobachten, die keinen geistigen Halt in uns haben und nicht einen Codex als unveränderliches Gesetzbuch anerkennen, der das Wesen und die Aufgabe des Heidenthums bestehen läßt, in unnachsichtigen Formen und Vorschriften, die einer längst vergangenen und für immer verschwundenen Zeit ihren Ursprung verdanken. — Durchdrungen von dem heiligen Inhalt unserer Religion, können wir sie in der angeerbten Form nicht erhalten, geschweige denn vererben auf unsere Nachkommen und so zwischen die Gräber unserer Vorväter und die Wiegen unserer Kinder hingestellr, durchzittert uns der Johannes-Aufruf der Zeit, als die letzten eines geachteten Erbes in der veralteten Form, auch die ersten zu sein, welche mit unerschütterlichem Muthe, mit inniger Verbrüderung durch Wort und That den Grundstein des neuen Bundes legen für uns und die Geschlechter die nach uns kommen. — Nicht aber wollen wir uns hiermit losreißen von der Genossenschaft, der wir angehören; in Liebe und Duldung reichen wir vielmehr die Bruderhand Allen und auch den Andersdenkenden unserer Glaubensgenossen. Wir wollen keinen Riß in unserer Einigkeit. Euch aber, Ihr Gleichgesinnten, fordern wir voll. Zuversicht auf, zur innigsten Vereinigung auf Wahrhaftigkeit nach Innen, auf Schonung nach Außen, auf Ausdauer im Kampfe mit Andern und auf Treue gegen uns selbst. Und so ergeht denn unser Aufruf an Euch,, deutsche Glaubensbrüder nah und fern: „„daß Ihr mit Namen Euch zu uns gesellt und mit Wort und That uns Beistand und Hilfe zusichert, damit wir in großer Zahl gemeinsam eine Synode berufen, die das Judenthum in diejenige Form erneuere und festsetze, in welcher es in uns und unfern Kindern fortzuleben fähig und würdig ift"". Perforralchronik und Miseellen. Nähere Begründung einesjüngst gemachten Vorschlages. Vor einigen Tagen sandte ich dem Orient einige Zeilen des Inhalts zu, es wäre zu wünschen, daß,die Jahresberichte aller deutschen Handwerkervereine für die Juden fortan in einem den jüdischen Interessen gewidmeten öffentlichen Blatte gesammelt erscheinen möchten. Dadurch würden nicht allein an vielen, zumal kleineren Orten die Kosten des Druckes der Berichte erspart, sondern diese selbst kamen so einer weit größeren Anzahl von Menschen zu Gesichte als es bisher der Fall war. Auch würde sich auf diese Weise ein Gesammtbild der Thätigkeit aller einzelnen Vereine konstruiren lassen. Wo indessen gedruckte Jahresberichte noch daneben fortbestehen, müßten sie, wie es bei Gymnasial- und andern Schulprogrammen üblich ist, unter den Vereinen ausgetautscht werden. Fürs erste wäre es erforderlich, daß die Namen aller Städte, in denen solche Vereine bestehen, alfabetisch geordnet, aufgeführt würden. Von Zeit zu Zeit ließen sich auch Zusammenstellungen nach Rubriken (Alter der Vereine, Kapitalvermögen, jährliche Einnahme und Ausgabe, Zahl der Unterstützten k.) veranstalten und der Unterzeichnete würde sich gern alle halbe Jahre einer solchen Arbeit für den Orient unterziehen, wenn ihm das Material, dazu gedruckt oder deutlich geschrieben, durch Vermittelung der Redaktion des Orient unter der Aufschrift: Für E. C. in Hamburg rechtzeitig zugesandt würde. ~ E. C. Belgie n. Vermittelst eines am 31. Decbr. 1844 erlassenen Gesetzes hat der König der Belgier dem Hrn. Jonas Goldschmidt (geb. zu Ehrenbreitenstem bei Koblenz am 14. Oktbr. 1804), gegenwärtig Leutnant und Zahlmeister (Ueutenunt-otllejei-pa^eur) im 7. Belg. Linienregimentc die gewöhnliche Naturalisation ertheilt. So' weit wäre Herr Goldschmidt in seinem eigentlichen Vaterlande nicht gekommen. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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