Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1845)
- Date
- 1845-04-09
- Page
- Seite 114 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Lord Landsdowne, daß sie ausdrücklich auch auf Irland ausgedehnt werde (für Schottland besteht ohnehin dieselbe Eidesformel nicht) und der Herzog v. Cambridge (Oheim der Königin und vormals Vicekönig von Hannover) prieö den Wohlthätigkeitssinn der englischen und die Sorge für das Armen- und Schulwesen von Seiten der hannoverschen Juden.. Mit besonderem Lobe erwähnte er seiner ,,Bekannten" Montefiore und (des jetzt in Paris weilenden) David Salomons. — Auch in Deutschland ist zwei Tage vorher (am 12. März) ein denkwürdiger Beschluß in Bezug aus die Judenemancipation gefaßt worden. Der zu Coblenz versammelte Landtag der preußischen Rheinprovinz hat nämlich abermals (wie 1843) mit großer Majorität das von den meisten und größten Städten der Rheinprovinz durch Petitionen und von vielen Abgeordneten durch gleichlautende Anträge unterstützte Gesuch um völlige Emaneipation der Juden dem Könige vorzulegen beschlossen. An den Ständen liegt es also ebenso wenig, wie an den christlichen Bürgern, wenn die Gleichstellung der Juden noch nicht stattfindet und die Juden wissen fortan wenigstens, daß sie die öffentliche Meinung nirgends mehr gegen sich (keine einzige Korporation hat eö gejvagt, einen für sie ungünstigen Antrag zu stellen), vielmehr an sehr zahlreichen Orten für sich haben und daß der Widerstand nur noch auS sehr trüber — sei es bigotter, oder frivoler, oder krämcrgeistiger Quelle — fließen kann und endlich wohl auch ein Ende nehmen wird. Sogleich nachdem jener Beschluß in der Stadt bekannt geworden, hat die jüdische Gemeinde in Coblenz dem neugegründeten rheinischen Provinzialbtiudeninstitttte 400Thlr., die durch freiwillige Beiträge unter den Juden znsammengebracht worden waren, zum Geschenk genmcht und am Freitage den 14. März Abends einen Dankgottesdienst in der Synagoge veranstaltet. Auch die Gemeinden zu Köln, Düsseldorf, Bonn re. werden ihre Freude gewiß, wie vor 2 Jahren, durch ähnliche Zeichen ihres frommen und wohlthätigen Sinnes kundgebeu. Schon am 4. März hatte derselbe Landtag beschlossen, daß die Juden zur Annahme von Familiennamen gehalten werden sollten.— Sehr begierig sind wir, wie die Entscheidung über die dem oft- und westpreußischen, dem brandenburgischen, dem poftnschen, dem sächsischen und dem westphälischen Landtage (dem letzteren .nachträglich noch aus Essen und Hamm) in großer Zahl von Korporationen und Abgeordneten empfohlenen Petitionen für die Juden ausfallen wird. — Sehr originell, wie gewöhnlich, aber auch sehr human lautete der Antrag des ehemaligen Holland. und nassauischen Bundestagsgesandten Freihcrrn tten Gagern (er ist auch als Freund des verstorbenen preußischen Ministers von Stein und als Schriftsteller im Fache der Geschichte und Politik bekannt) bei der ersten heffen-darmstädtischen Kammer: ,,Antrag des Freiherrn von Gagern an die erste hohe Kammer, von Seiten der Stände die Staatsregierung zur Vorlage eines Gesetzentwurfs zu veranlassen, der die bürgerlichen Rechte (der Juden) im doppelten Großherzogthum (Hessen und bei Rhein) regle, im Sinne des Art. 16 der Bundes- Akte verbessere, die beiden Rheiuseiten auch hier gleicher stelle und deutsche Lande den Verhältnissen und Merkmalen der Civilisation anderer großer europäischen Staaten näher bringe. Anlaß, Begründung und Zweck sind in den Ausdrücken oder Fassung des Antrags selbst guten Theils enthalten. Bei meiner Persönlichkeit waltet noch die Konsequenz vor, daß ich das Raajawesen im Orient so nachdrücklich verwerfe, ich Aehuliches hier im Westen so ungern sehen muß." — Hr. S. Stern hat seine achte und letzte Vorlesung am 22. März gehalten. E. C. Westphaleu, 28. März. Sicherem Vernehmen nach hat ein um das Judcnthum sich zu viel kümmernder Herr Dunkel w i tz in Westphalen den? Herrn Dr. G o t t h o l d S a lo m o n 5.0 Thaler zu den Vcrsammlungskosten der Rabbiner zur Disposition gestellt. Zugleich erfährt man, daß in den von Herrn Dunkelwitz bereisten Gemeinden Westphalens der Kultus des Neuen Hamburg. Tempels, namentlich das Gebet- und Gesangbuch desselben, eingeführt wird. — Die homiletische Literatur, von deren Erzeugnissen jährlich in Hamburg wenigstens einige (wie kürzlich die Predigt des Hru. Dr. Schwabacher beweist) zur Oeffentlichkeit gelangen, wird bald wieder einen namhaften Zuwachs erhalten , indem Herr Dr. Salomon eine Einladung zur Subskription auf eine Sammlung von Pedigten unter dem Titel: Der Berg des Herrn, Kanzelvorträge über den Dekalog, von Dr. Gotthold Salomon" hat ergehen lassen. Den Anhang zu dieser Sammlung bildet eine irr der Synagoge zu Braunschweig während der dortigen Rabbiner-Versammlung im Juni 1844 von den: Herausgeber gehaltene Predigt. Der Subskriptionspreis für das ganze Buch beträgt 3 Mark (1|. Thlr.), der spätere Ladenpreis 4 Mark (1H Thlr.). Stettin, 24. März. Von allen Seiten des preußischen Vaterlandes wird wohl die Kunde zu Ihnen gelangen , daß um die Emaucipatiou der Israeliten petitionirt wurde, und wenn man es Ihnen auch nicht zumutheu kann, alle diese Bittschreiben in Ihrem Blatte aufzunehmen, da sie doch nur das schon hundertmal Gesagte wiederholen, so erlaube ich mir doch die von hier den Ständen Pommerns und Rügens schon um deswillen zu ubermachen, weil von hier aus ohnehin so selten eine Kunde zu Ihnen gelangt. Das Bittschreibm lautet: Hohe Ständeversammtung des neunten pommerschen Provineiallandtages. Die tolerante und humane Behandlung, welcher w!r Bekenner der jüdischen Religion in dieser Provinz voll unseru christlichen Brüdern unö zu erfreuen haben, giekt