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Der Orient · 1845-03-26 · Heft 13 (26.3.1845) · p. Seite 104

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 13 (26.3.1845)
Date
1845-03-26
Page
Seite 104 (sequence 15)
Language
German
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104 zu erkennen. So vielen Zeugen kann man nichts entgegnen und daß dessen Ernennung der allgemeine Wunsch, war, beweiset die Theilnahme sämmlicher Gemeindeglieder. Was den zweiten zu berichtigenden Punkt anbelangt: ,,Da ich dieses durch und durch morsche-Institut nächstens mit einer Philiypiea begrüßen werde, so will ich für heute bloS hervorheben , daß außer Wesse ly's Religionsbuch alles den Geist des vorigen Jahrhunderts athmet. Unsere Lehrer glauben dann in ihren Fächern fortschreiten zu müssen, wenn der Fortschritt von Oben geboten wirb". Schreiber dieses muß unser Institut gar nicht kennen oder vielmehr ganz gut; denn sein scharfer Blick hat wirklich die vielen Sprünge, die dieses alte Gebäude durchziehen, erspäht und würde vielleicht bewirken, daß wir bald ein neues Lokal bekämen, wenigstens muß er von einer Volksschule keinen klaren Begriff haben. Auch scheint demselben die Geschichte unseres Instituts, sein Entstehen re. unbekannt zu sein. fEiner meiner Freunde wird nächstens hierüder eine kleine Skizze einsenden.^ Um von den Leistungen unserer Schule zu sprechen, muß ich den Begriff einer Volksschule vorausschicken. Volksschule heißt jede Anstalt, worin die - Jugend in allem für das bürgerliche Leben am nothwendigsten zu Wissende unterwiesen, worin aber zugleich der Grund zur weiteren Ausbildung, zur Fähigmachung, höhere Anstalten besuchen zu können, gelegt wird. Daß diese Anstalt kein durch und durch morsches Institut sei, bewies ebenfalls die Rede des hochwürdigcn Domscholaster,, indem er selbe den übrigen christlichen- Lehranstalten gleich setzte und dahin verwies, welche angesehene Männer aus dieser Schule hervorgegangen. Eine solche Anstalt wo jährlich 700 bis 800 Schüler und Schülerinnen unterwiesen werden, deren Anzahl sich mit jedem Jahre steigert und von vielen Fremden besucht wird, dokuinentirt nicht ihre Morschheit oder ihren Verfall, vielmehr ihre anerkannte Brauchbarkeit. Eine solche Anstalt, deren austretende Schüler den besten Fortgang in der Technik, in den Gymnasien w. machen, athmet wahrlich nicht den Geist des vorigen finstern Jahrhunderts. Eine solche Anstalt, welche gleichsam als Mutter der andern im Lande sich befindlichen Schulen betrachtet wird , da deren Lehrer dieser Anstalt ihre Bildung und Vervollkommung zu verdanken haben, wie solche Anstalt, bei welcher ein Günz, ein Homberg, ein B e er, ein K l a b e r durch ihre Werke glänzten, von denen die beiden mittleren sich Dekorationen ihrer Verdienste halber allerhöchste!: Orts zu erfreuen hatten, und an welcher sich noch einige Literaten befinden, würde gewiß schon eine strenge Rüge von einer hohen k. k. Studienhofkommission erhalten haben, wenn sie den Erwartungen unserer weisen Regierung nicht entsprechen, und sich auch - nicht der: Besuch aller- Verlag von C. 2. Fritzsche. . höchsten und überhaupt hochgestellter Personen [fo wi neuerer Zeit Seine kaiserl. Hohheit, der durchlauchtigste Erzherzog Stephan, Seine kaisel. Hoheit, der durchlauchtigste Erzherzog Franz Carl mit S. Exeellenz des ehemaligen Oberstburggrafen C. Kotck re.fi erfreuet haben. Ich kann vielmehr behaupten, daß der Geist des allerhöchsten in Seligkeit ruhenden Gründers Kaisers Josephs II., also doch von: vorigen Jahrhunderte, unsere Anstalt umweht; denn jeder arbeitet in Seinem Geiste und bietet alle seineKräfte auf, um diesen hohen Willen zu erfüllen. . Auch huldigen unsere Lehrer dein Grundsätze: non mnlta. 86(1 mnllnin, indem sie unsere Jugend nicht zu Vielwisser, sondern zu verständigen Männern bilden; keine TrcibhauSPflänzchen, die bald vergehen, erziehen; vielmehr die Basis zur weiteren Vervollkommung für sie legen und auch selbst mit dem Zeitgeiste weiterschreitcn, indem sie in ihre Vorträge den Suceus von den, in der pädagogischen Welt bereits erschienenen und noch erscheinenden Werken aufnehmen, die selbst gemachte Erfahrung damit zweckmäßig verbinden und deren Resultat der ihnen anvertranten Jugend und den Jugendbildnern mittheilen. Auch ist unsere Regierung so weise und milde, daß sie den um das Beste der Jugend besorgten Lehrer nicht hindert, sondern vielmehr in diesem seinem Streben unterstützt ja sogar auffordert, jährlich beim Schulberichte außer den vorgeschriebenen Lehrbüchern auch die anden Ouellen anzugeben, die er in seinem Unterrichte benutzt. Und hierüber haben sich die hohen Behörden sehr günstig ausgesprochen und ihre Zufriedenheit schriftlich zu erkennen gegeben. Schließlich bin ich der Meinung, daß, um ein tüchtiger Jugendlehrer zu sein, man nicht graduirt sein muß. Vielmehr muß der Lehrer sein ganzes Wissen so sich eigen, ja zum zweiten Ich gemacht haben, daß derselbe mit Nutzen die Jugend untmveise und derselben Segen bringe. Was nützt ein Schatz, von Kenntnissen, wenn man ihn nicht anzuwenden weiß. Es wäre auch wünschenswerth, wenn Ausländer, Mälmer vom Fache beim Besuche unserer Hauptstadt auch diese Anstalt mit ihrer Gegenwart beehren möchten, wie es denn früher gar oft geschah, um sich von deren Leistungen persönlich zu üb erzeugen. Vertrauend Ihrer hochgelehrten wohlweisen Einsicht wage ich daher die Hoffnung zu nähren, daß diese meine Bemerkungerr die Wahrheitstreue und wie ich mir schmeichle, triftige Gründe in sich fassen, Jhro Wohlgeboren auch in Ihre überall als trefflich anerkannten Blätter aufzunehmen nicht abgeneigt sein, und es nicht unterlassen werden, eines so alten ehewürdigen Instituts sich freundlichst annehmen zu wollen. Pliilotlietes. Druck von I. H. Na-g e l.

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