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Der Orient · 1845-03-12 · Heft 11 (12.3.1845) · p. Seite 88

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 11 (12.3.1845)
Date
1845-03-12
Page
Seite 88 (sequence 15)
Language
German
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88 stütze sich auf den Vorschlag der Vorsteher der hiesigen Synagoge; auch sei derselbe, seinem Begriffe nach, keinesweges unpassend. Eben so wenig aber möchte er sich für Weglassung der Worte: „meinem Gotte," entscheiden, weil dieselben die Innigkeit der Anrufung des höchsten Wesens bezeichne.. Auch habe nach der Bibel, Christus dieses Ausdrucks sich bedient. Herr M. In den Worten: „meinem Gott," liege seiner Ansicht nach, entfernt kein Partikularismus, vielmehr die Bezeichnung, daß der allgemeine Gott der des Schwörenden sei. Auch könne er die Behauptung nicht anerkennen, daß die Allmacht Gottes diejenige Eigenschaft sei, welche vor allen andern in der Eidesformel hervorgehoben werden müsse, da die Unendlichkeit Gottes die Hoheit des göttlichen Wesens vollständig bezeichne und aus dem für den Vorschlag des Hrn.O. angeführten Grunde auch andere Eigenschaften Gottes, in die Eidesformel aufzunehmen sein möchten. Herr L. Abgesehen von diesen Gründen, denen er vollkommen beitrete, lege er ein Gewicht darauf, daß die von ihm vorgeschlagene Aenderung der Formel den Wünschen und Ansichten der Vorsteher der hiesigen Iudenschaft entspreche, weshalb denn auch derselben, wenn keine Bedenken gegen die Sache selbst ein treten, der Vorzug zu geben sein werde. HerrF. Die vom Herrn v. vorgeschlagene Formulirung habe zwar den Vorzug des Wohlklanges; man könne aber unter den von dem vorigen Redner angeführten Umständen, darauf so viel Gewicht nicht legeiff, um von dem Vorschläge abzugehcn, der von der Iudenschaft selbst gemacht sei; um so weniger, da nach den Begriffen der Juden, die Eidesleistung allerdings den Charakter eines Gebets habe. Herr 6. Er gäbe dem Entwürfe vor den Aendcrungs- Anträgen deshalb den Vorzug, weil in Beziehung auf die Zuverlässigkeit der Eide viel mehr Gewicht auf die auszusprechende Eidesformel, als auf die übrigen hinzucretenden Förmlichkeiten zu legen sei. Es habe nun aber die in dem Entwürfe vorgelegte Formel durchaus nichts Absurdes, wogegen * bei der vom Herrn L. vorgeschtagenen Formel insofern ein Bedenken eintrete, als die Frage, ob sie genüge, bei der hiesigen Rabbiner-Versammlung zur Diskussion gekommen sei und sich hiernach die Besorgniß gelten mache, dasdie Sache zweifelhaft sei, und diese, statt der des Entwurfs, empfohlene Formel vielleicht von den ungebildeten Juden nicht für genügend angesehen werde. Herr L. Die Frage sei keinesweges als eine zweifelhafte in der Rabbiner-Versammlung zur Diskussion gekommen; es sei vielmehr die Rede davon gewesen, die Feststellung einerangemessenen Form, in welcher von den Juden die Eide abzuleisten seien, zu erwirken, und es hätten dabei die versammelten Rabbiner einstimmig sich ausgesprochen, daß der Eid eines Juden bei dem Namen Gottes, ohne alle weitere Ceremonie, verbindliche Kraft habe. Herr K. Von der Beibehaltung des Ansdruckes: „dem Gotte Israels," sei bei den eben erwähnten Berathungen gar keine Rede gewesen; man habe vielmehr den Namen Gottes m Allgemeinen, für genügend erklärt. Auch komme hinzu, daß viele Juden die Bezeichnung: „Israeliten" als richtig überhaupt nicht anerkennen. Herr F. bestätigte aus dem ihm vorliegenden Abdrucke der Protocolle der Rabbiner-Versammlung, daß ein Streit über den Inhalt der abgegebenen Erklärung durchaus nicht stattgefunden habe. HcrrO. erklärte, daß er zu der Aeußerung eines Bedenkens nur durch die Erwähnung einer in der Rabbiner-Versammlung über die in Rede stehende Frage, stattgehabten Diskussion sei veranlaßt worden. Der Vorschlag des Herrn!). wurde abgelehnt.. Der Antrag des Herrn I«. aber und mit diesen: der §. 2 selbst angenommen. (Fortsetzung folgt.) Perfonalchronik und Miseellen. B r a u n sch w ei g. Die Kreisdirektion zu Braun schweig hat auf Annullirung der Wahl des Herrn Helfft zum Stadtverordneten angetragen; indeß wird die Negierung auf diesen Antrag schwerlich eingehen. Posen. Der Ultramontanismus hat hier eine schändliche Lhat verübt. Zwei jüdische Mädchen wurden durch allerlei Verlockungen in ein Kloster gebracht und zur Lause angehalten. Ein katholischer Geistlicher °— der Hauptagent — hatte die Unverschämtheit, die gewaltsame Entführung als freiwilligen Uebertritt zu erklären. Solche eigenmächtige Eingriffe in die Rechte einer Konfession kann ein ultramontaner Priester sich erlauben. —- Stockholm. Der hiesige Constitutionelle meldet, daß der kürzlich in Stockholm verstorbeneBrukspatron Benedix, ein jüdischer Bnnkier, '10,000 Reichsthaler der Knaben, 5000 Ider Mädchenschule der israelitischen Gemeinde Stockholms vermacht habe. Das Journal des Dvbatö hat die Summe dieser Legate wieder eben so übertrieben, wie die Breslauer Zeitung es kürzlich mit einem von Salomon Heine bei seinen Lebzeiten den Bewohnern des Kirchdorfes Ottensen gemachten Geschenke that. Druck von I. H. Nagel, Verlag von C. L. F r i tz s ch e.

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