Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1845)
- Date
- 1845-03-05
- Page
- Seite 80 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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80 res Gewicht von der Judenschaft darauf sei gelegt worden, theils und besonders, weil dieselbe geglaubt habe, um so leichter zu dem gewünschten Resultate zu gelangen, wenn eine in einem andern deutschen Staate zur Anwendung kommende Eidesformel empfohlen werde. Nochmals sei jedoch dieser Gegenstand in der Versammlung der Rabbiner, welche im Laufe des vorigen Sommers allhier stattgefunden habe, zur Sprache gekommen, und es habe dieselbe die Frage einer gründlichen Untersuchung unterworfen, ob der Eid eines Juden, bei Anrufung des göttlichen Namens ohne weitere Form, volle gesesetzliche bindende Kraft habe, welche aber durch ein einstimmiges Ja entschieden sei*). Darin liege eine vollständige Garantie, daß zur Bündigkeit des Eides die Anrufung Gottes genüge, ohne den Zusatz des Gottes Israels. Aus demselben Grunde werde auch der Schluß der Eidesformel in dem Maße abgeändert werden können, als die Kommission solches zu §. 11 für die dort gedachten Eide vorgeschlagen habe. (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miseelle». Prag. Prag soll mit Gas erleuchtet werden; indessen sollen Hradschin (das königliche Schloß) und die Judenstadt eine Ausnahme machen. Das erscheint uns durchaus konsequent; denn wozu anders, als zu einem grellen Kontraste, würde es nützen, wenn man auch das lebendig konservirte, leibhaftige Mittelalter mit tageshellem Lichte umgäbe? * * Br es la u. Auf die alberne und wohl von einem Feinde Gerger's ausgeheckte Mittheilung der Elberfelder Zeitung, daß die Breslauer jüdischen Reformer, Geiger an ihrer Spitze, sich der neuen deutsch-katholischen Kirche, die fälschlich zu einer deutschen freien Kirche gestempelt wird, anschließen würden, hat Geiger ebendaselbst mit einem entschiedenen Widerspruche und mit Hervorhebung des specisischen Unterschiedes der jüdischen Religion von der christlichen geantwortet. - * m * Preußen. Am Schluffe der neuen preußischen Gewerbeordnung finden sich auch einige, die Juden besonders betreffende Bestimmungen. * * * Unna. Ein gewisser Rahlenbeck zu Unna in Westphalen hatte bestimmt, daß jährlich an seinem Todestage ein Geist¬ *) Wie glänzend rechtfertigt sich hier die Idee, welche die Rabbiner-Versammlung in's Leben gerufen hat! Wo dieselbe, von Theoremen entfernt, rein praktisch auftritt, da.Ist die Wirkung ihrer Beschlüsse ziemlich gesichert. sicher der drei verschiedenen in Unna vorhandenen Konfessionen (Protestanten, Katholiken und Juden) abwechselnd eine Rede an seinem Grabe halten und der jedesmalige Uebernehmer dieser Pflicht 10 Thlr. erhalten sollte. Da nun am 6. Januar d. I. die katholischen und protestantischen Ortsgeist- Lichen sich, dieser Funktion zu unterziehen weigerten, so hatte sie der jüdische Kantor übernommen, die 10 Thlr. aber den christlichen Armen geschenkt. London. Sir Moses Montefiore ist Obersheriff für die Grafschaft Kent geworden. * *> * Hannover. Oeffentliche Blätter enthalten jetzt das Schreiben, durch welches Herr Dr. N. Adler aus dem hannoverschen Unterthanenverbande entlassen wird, um das Rabbinat in London antreten zu können. (Vergl. d. v. N.) Aussee (Mähren). Das vakante Rabbinat in unserer Gemeinde hat bereits zu vielen Jntriguen Anlaß gegeben. Provisorisch hat der Sohn des verstorbenen Rabbiners das Rabbinat angetreten. Doch hoffen wir den Herrn L. Singer in Prag, der bereits, in Ihrem geehrten Blatte rühmlich erwähnt wurde, für uns gewinnen zu können- Für die zerfahrenen Verhältnisse unserer Gemeinde wäre diese Acauisition das beste Heilmittel. Lomnitz (Mähren). Ein gewisser I. in Loschitz hat alle künstlichen Spirngftdern in Bewegung gesetzt, um das hiesige Rabbinat zu erlangen. Diese Jntrigue hat von vornherein gegen ihn eingenommen, wenn es ihm vielleicht an gutem Willen nicht fehlen mag. Hr. Josef Weiße wird allem-Anscheine nach den Sieg davon tragen. Leider ist bei der Besetzung der mährischen Rabbinate von einem wahren Kampfe — worin Geld und Partei die Hauptagenten sind — die Rede. Frankfurt a. M. Hr. Dukes soll von der Synagogen-Versammlung aufgefordert worden sein, ein Werk über die jüdischen Gebete zu schreiben. * * Posen. Den Provinzialständm sind mehre Petitionen für die Emancipation eingereicht worden. Möge uns die Ständeversammlung bald Veranlassung geben, über den entsprechenden Erfolg der Petitionen zu berichten. Leipzig. Im Jahre 1945 werden sämmtliche deutsche Christen — nach Hrn. Pros. Huber in Berlin — bei dem jüdischen Monarchen um Emancipation petitioniren. Wir wollen sie ihnen im Voraus gewähren; mögen sie im Jahre 1845 ein Gleiches thun. ' » * Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.