Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 8 (19.2.1845)
- Date
- 1845-02-19
- Page
- Spalte 125-126 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/8555529-9897698-9897707--3916-3531066- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
125 Studien. Benennungen für die Operation der Beschneidung 128 Dennoch hat Dr. -Terquem (Guide du Posthetomiste.ou Mohel avec l’expose d’un nouveau procede pour ie second acte de l’operation religieuse des Israelites dite Circoneision. Metz et Paris. 1843. p. 11—13') eine wissenschaftlichere Benennung (une deuornination plus scientifique) dafür erfinden zu müssen geglaubt, und hierzu das Sßoi't: Posthetomie (von rj notfrr] die Vorhaut und ts^vüj ich schneide), Vorhautschn itt, gewählt. Diese Namenbildung iss indeß keineswegs gelungen, da xb^vblv schneiden überhaupt bedeutet, und man demnach eine jede andere, von Chirurgen geübte, Vorhautoperation, als z. B. das Spalten der Vorhaut durch einen Einschnitt — incisio praeputii, das Ausschneiden eines Lheils der Vorhaut exeisio partis praeputii, u. s. w. mit dem Worte: PostbaLomie belegen konnte, wahrend die ceremonielle Beschneidung in der Abtragung der Vorhaut in ihrer ganzen Peripherie besieht, ein Verfahren, welches durch das von Herodot, Diodor) Strabo, Philo und A. gebrauchte Wort: nsgLzofirj (von rund herum abschneiden) viel genauer bezeichnet wird. — Noch weniger kann daher auch der, von dem, um die in Rede stehende Operation vielvcrdienten, 0r. Bergsohn (m. f. dies Literaturbl. 1843. N>o. 23. S. 361) vorgeschlagene, Name: Akroposthiotoiuic ganz paffend erscheinen, indem bei diesem noch hinzukömmt, daß das allerdings beim Hippokrates, Aristoteles, Diodor und A. vorkommende Wort: ä%Q emo 6 fr La, eigentlich nur den hervorragenden Theil der Borhaut (rd Tcoofririq 7cqov%ov summa s. prominentior praeputii pars), nicht die ganze Vorhaut bedeutet *)$ diese indeß bei der Beschneidung soweit über die Eichel hervorgezogm wird, daß durch den Schnitt (-pnn) von der äußern Lamelle derselben gewöhnlich Alles, von der Lamina interna aber mehr, als der im Normalzustände prominirende Theil hinweggenommen wird. — Will man nun einmal den Namen: Pcritomie mit einem andern vertauschrn, so mag man statt desselben das biblische Wort: Milah (rb'ü), oder, klingt dieses etwa Manchem nicht wissenschaftlich genug, die, wenn gleich längere, doch wenigstens umfassendere Bezeichnung: Posthioperitomie (von zo noofriov und TtsQizsftvcö), Vorhau 1 b e s ch n e i d u n g nehmen, welche ich hiermit in Vorschlag bringe, ohne jedoch zu erwarten, daß sie jene ältere Benennung der blutigen Weihe zum Judenthum jemals zu verdrängen im Stande sein wird. — Bei dem allgemeinen Interesse, welches die soeben in onomastischer Hinsicht besprochene Operation jetzt mit Recht erregt hat, kann ich diese Gelegenheit nicht vorüber gehen lassen, ohne an eine, wie es scheint, nur wenig'oder gar nicht beachtete, höchst wackere Arbeit über dieselbe von einem, wie *) Man vergl. Oeconomia Hippocratis, alphabeti serie, distincta Ant. Foesio Mediomatrico medico authore. Francofurdi a. 1588 p. 24. und d. Thesaurus Graecae lingiiae ab Henrico Stephano eonstr. Kd. Hase, Fix et Tafel. Vol. prim, Fase V. p. 1332). ich höre, schon leider seit mehreren Jahren zu den Vätern Heimgegangenen Glaubensgenossen, dem Dr. PH. Wolfers, zu erinnern, welche folgenden Titel führt: „Die Beschneidung der Juden. Eine Anweisung für Beschneider, Acrzte und Wundarzte, sich mit dem Ganzen der Weihe bekannt zu machen und selbst die Handlung nach Jndicationen kunstgemäß und nach gesetzlichen Vorschriften vorzunehmen. Don vr. Ph. Wolfers, praktischem Arzte, Wundarzte und Geburtshelfer zu Lemförden u. s. w. Hannover, Helwiegsche Buchhandlung 1831 8.*) Man findet in derselben schon Vieles gründlich abgehandelt, was erst in den letzten zwei Jahren, so viel mir bekannt, ohne Nennung von Wolfers, durch Schriften Anderer allgemeiner zur Sprache gebracht ist. Ausführlicher, als selbst Terquem (a. a. O.) **), zählt Wolfers die Krankheitszustände, welche einen Aufschub der Beschneidung über die vom Gesetz vorgeschriebene Zeit hinaus nothwendig machen, so wie auch die unangenehmen Vorfälle auf, welche bei der bisher üblichen Methode, die verrichten, statrsinden können. Weit nachdrücklicher, als später Collin. (Die Beschneidung der Israeliten Und ihr Nachbehandlung. Leipzig. 1842. 8. S. 21.) U. 2L dringt derselbe auf Abschaffung des offenbar nachtheiligen Aussaugens der Wunde (n^ß) und verlangt selbst schon die Führung von Beschneidungslisten ***), welche bekanntlich erst neuerdings vr. Bergson wieder mehrfach in Anregung gebracht hat. — Wolfenbüttel. vr. Benjamin Frank. *) Ein wohlgelungmer Auszug dieser 56 Seiten starken und 12 Gr. kostenden Schrift ist in Pierev’s allgem. medic. Zeitung v. Jahre 1831 Nro. 32 enthalten. Derselbe Vers, hatte auch schon früher einen kleineren Aufsatz über die Beschneidung in Henke's Zeitschreit für die Staatsarzneikunde 1825. 1. S. 205 mitgetheilt. **) Das von diesem statt des Einreißens des noch nicht mit abgetragenen Theits der innern Vorhautlamelle mittelst der zugespitzten Daumennagel angeratheneEinschneiden desselben mit einem besonders 'zu diesem Zwecke konstruirten Instrumente (Posthetome mobile) ist nicht „un nouveau procdde." überhaupt, sondern ein in der Chirurgie längst bekanntes Verfahren, welches mit einer einfachen oder besser mit einer knieförmig gebogenen Scheere verrichtet werden kann. — Beiläufig erwähnt, wurde übrigens jenes Einreißen schon im vorigen Jahrhundert, namentlich von Nichtjuden, sehr getadelt. Ich verweise hier u. A. nur auf PH. Chr. Kirchner's jüdisches Cmemoniel u. s. w. herausgeg. von Jungendres. Nürnberg 1726, S. 161. **') Unter den von W. ausgestellten, trefflichen polizeilichen Maaßregeln lesen wir auch die folgende. „16) AlleMohelim sollen Tabellen in der Landessprache, mit Bemerkung Alles dessen führen, was auf eine jede vorgenommene Beschneidung wesentlich Bezug hat, und eine Abschrift derselben, mit Bemerkung der Art und Weise, wie der Mohel operirt und das Blut stillt, zu Ende eines jeden Jahres den betreffenden Regierungen ein senden "