Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1845)
- Date
- 1845-02-12
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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51 28. Jan. um 1. Uhr entschlief hier sanft nach langen Leiden der allgemein geachtete Juwelier Samuel Friedeberg in seinem 65 Lebensjahre und dem 40. der glücklichsten Ehe. Der Verblichene war fast gegen 15 Jahre Mitvorsteher des für die Leipziger Hauptmessen gegründeten Tempels, und seiner Milde und ^inemWohlthätigkeitssmne ist cs zuzuschreiben, daß dieser Gottesdienst in Leipzig einen gedeihlichen und ersprießlichen Fortgang genommen. Ueberhaupt wird ihm manche stille Thräne der Dankbarkeit und der Liebe nachweinen; sein stilles langjähriges Wohlthun, seine Freundlichkeit gegen alle Bedrängte, die ihn ansprachen, hat ihm in vielen Herzeil eine dauernde Erinnerung geschaffen. Er kam hierher ans Petersburg, wo er früher gewohnt und das achtbarste Mitglied der Gemeinde war, zu einer Zeit als durch die russische Barbarei die Israeliten diese Hauptstadt verlassen mußten, und iu seiner hiesigen neuen Hcimath .war er ebenfalls das achtbarste Mitglied der hiesigen Gemeinde, der alles Gute gern förderte und reichlich die Armuth unterstützte. Sanfte Ruhe stiller Asche! Berlin/ 1. Febr. Die Vorträge des Dr. Stern machen ein ungewöhnliches Aufsehen. Jüdische und christliche Zuhörer vereinigen ihre Stimmen zu einem Urtheile voll Beifall über eine Rednergabe, die den Gegenstand durch so lebensvolle Bilder erklärt, ttnb die so blühenden Ausdrucke zur Vermittlung einer gesteigerten Theilnahme findet. Freilich darf man manche Redensart nicht analysiren wollen, wie z. B. die ,,daß das Judenthum bis zur Reformation Luthers gleich Pompeji und Hereulanmn unter der Asche verschüttet gelegen habe", wodurch alte jene literarische Größe, alle jene riesenhafte wissenschaftliche Thätigkeit, welche die Juden im Mittelalter darzeigen, geleugnet wird. Freilich nmß mail ein Auge zudrücken, werrn der Redner in der ,,Aufgabe des heutigen Judenthums" mit dem Christcnthume liebäugelt, und freilich muß man nicht zu strenge still wollen, wenn man den Redner sein Judenthum oft vergessen sieht, nm sich auf einem voll aller Traditio:: unabhängigen Gebiete der kahlen Sittlichkeit zu bewegen. Doch die Sprache des Hrn. St. ist so einnehmend und bestechlich, daß ullter den Hu::derten von Zuhörern gewiß nur wenige sind, deren jüdisches Innere manchen Einzelheiten widerstrebt. Bei denr allgemeinen Beifall, den diese Vorträge haben, dürfen wir wohl Hoffell, sic auch bald gedruckt der Oesfentlichkeit übergeben zu sehen, und dann lnag der fernstehellde Leser mit mehr Unparteilichkeit , und weniger ans persönlich nahen Verhältnisse:: entspringendem Borurtheil das Haltbare uild Unhaltbare prüfen. In unsrer großen Synagoge werden wir bald einen Sängerchor unter Leitung des Kvlnponisten Herrll Heinemann haben. Zwar besteht schon seit einigen Jahren ein sogenannter Chor aus 3 oder 4 Sängern neben dem greisen Vorbeter; aber es ist nicht sowohl ein Sängerchor, als vielmehr ein HilfSkorps fürder: altersschwachen Chasan, und ist-nur die alte Zusammensetzung von Ehasan , Singer und Baß ms Zeitgemäßere 'übertragen. — Lieber die Wiedereröffnung der von Dr. Stern verlassener: Schule hört inan endlich etwas Gewisses. Ein als Manuskript gedruckter Schnlplan sagt uns, daß Herr Horwitz sich an die Spitze der neuen Allstatt stellen wird , und daß angesehene, theils durch Frömmigkeit, theils durch Bildung ausgezeichnete Männer die Protektioll übernehmen. Möge sie unter dem Schutze dieser Herren, und vor Allem unter dem Schutze des Herrn gedeihen. Es möge auch dem Direktor, den Protektoren und vorzüglich den Familienvätern ein größeres Maaß von Geduld verleihet:, als die BerlinerInden gewöhnlich haben, wenn für jüdische Interessen thätig gestrebt werden soll. Eine jüdische Schule in Berlin muß aus der: Kampf mit Schwierigkeiten gefaßt sein, die Vorsteher desselben müssen sich früh ulit Ausdauer waffncn, wenr: ihr Muth nicht von den gewöhnlich ill de:: erster: Jahre:: hereinbrechcndcn Verlegenheiten überwältigt werde:: soll. Einer: großen Theil der Bürgschaft des baldiger: Flores hat die Regierung schon den jüdischer: Schulen dadurch ei:twe::det, daß sie, recht wie man sich's gegen die unterdrückte Minorität erlaubt, die Arrfnahme christlicher Kinder verbot. Zur Zeit, wo Jost noch als Schulmann hier wirkte, drückte dieses mittelalterliche Verbot die jüdischen Schulen noch nicht. — Die Feier deS hundertjährigen Geburtstages des um die deutsche Schule so hoch verdienten Pestalozzi war hier unter Leitung Diester Wegs sehr festlich. Dieser war auch so rücksichtsvoll, bei dem Festmahle für eine Tafel sorgen zu lassen, a:: der nur solche Speisen servirt wurden, deren Genuß nach jüdischeil: Ritus erlaubt ist, damit auch jüdische Lehrer an der Feier Theil nehrnen mögen. Wirklich wäre:: auch nrehre Gemeindelehrer und Privatlehrer zugegc::. Königsberg, 2. Febr. Es wäre ei:: Wunder, wen:: bei dem politisch-regen Leber: in unserer Provinz die große Zeitfrage der Judenemancipatior: unbesprochen undunerörtert gebliebe:: sein sollte; aber dieses Wunder geschieht nicht :u:d die Judenclnancipation ist jetzt gerade der Gegenstand vielfacher Besprechung. Unter verschiedenen alldem: Petitio::ell, welche vor: der: Vertretern unserer Stadtkornmune im Bewußtsein ihrer Berechtigung den: bevorstehenden Landtage vorgelegt werden sollen, ist auch eine um völlige Emaneipation der Inden, was uns nm so weniger befremdet, als auch auf den: rheinischen Landlage diese Art Petition vo:: vielen Seiten her vorgelegt wird. Unser Magistrat wollte sich gerade bei dieser Petition mit Len Stadtverordnete:: nicht einigen, nnb es enspannen sich darallS einige Mishelligkeiten, zumal da der Magistrat keine Gründe angegeben. Die Stadtverordnete!! verharren bei ihrer Petition. Zum Verständlüß der Leser des Orients, und zur Belehrung für Ge-