Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 5 (29.1.1845)
- Date
- 1845-01-29
- Page
- Spalte 65-66 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Meratnrbtalt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Mische Geschichte und Literatur. JVi A» Leipzig, den 29. Januar JL84U5* Inhalt. Kritiken. Kritische Annrerkungen zu den Protokollen der erste:: Rabbinerversammlung. (Fortsetzung.) — S t udien. Ueber Autorität und Erklärung der Bibel. Von M. Prager. — Die Frankfurter Gutachtensammlung über die Beschneidung, beurtheilt vom Rabbiner S. Süßkind. (Forts.) — Kurze Notizen und Miscellen. Ueber Farissols Plagiat. Von Steinschneider. — Geiger's Lehrbuch zur Sprache der Mischna. Angezeigt von G r a tz. Zweiter Artikel. (Fortsetzung.) — Kurze Anzeigen. Kley's Predigtskizzen. — Literar. Ankündigungen. Kritische Anmerkungen z u d e n Protokollen der ersten Rabbinerversammlung. (Fortsetzung^ Wollte eine Versammlung gegen diesen Weg selbst opponiren, so müßte hierüder vor allen Dingen der Beratung das Feld eröffnet werden, und es dürste nicht eine und nicht zwei Sitzungen genügen, um zu einem befriedigenden Ziel zu gelangen. Auch zeigt sich im Lauf der Besprechungen hin und wieder Schwankerl in Bezug auf diese Principien; die Einen wünschen und dringen mit Entschiedenheit darauf, sich zuvörderst über dieselben zu verständigen, die andern suchen. es zu vermeiden und brechen die Diskussion ab, sobald sie auf dieses Terrain gerät!). Offenbar ist es zum Nachtheil des Hauptgrundes, daß diese Sonderung gemacht wurde. Schon im Laufe dieser ersten Versammlung kamen Fragen zur Sprache, bei deren Beantwortung die Zuziehung auch anderer Gelehrten gewünscht wurde, und nur die Befürchtung, „es möchte dadurch ein Schatten auf die gegenwärtige Versammlung geworfen werden, als hätte sie nicht selbst die Kraft, dergleichen Gegenstände zu erledigen" (p. 31), gab den Ausschlag; eine Befürchtung, bei der offenbar Eitelkeit eine größere Rolle spielte als das wahre Intereffe für die Sache. Nach dem Wortlaut des Paragraphen sind nun zuläßig der berühmte Kreisrabbiner Borchard, zuläßig eine nicht geringe Zahl von „mit dem regelmäßigen Predigtamt Betrauten", die gewiß nie eine solche Autorität für sich in Anspruch nehmen, weil sie sich gar nicht zu den Theologen zählen. Bei manchen Predigern, die ursprünglich dem Lehrerstande angehören, ist die Zukunft zweifelhaft: Namen anzuführen, unterlasse ich hier absichtlich. Ausgeschlossen dagegen sind durch die gegenwärtige Fassung die noch lebenden Mitglieder des westphälischen Konsistoriums, — (gegen diese eine solche Pflicht der Pietät zu üben, hätte gerade in Braun schweig sehr nahe gelegen): lebte Israel Jacobson noch, er müßte ebenfalls auf die Zuhörergalerie sich begeben: ausgeschlossen ist der Präsident des französischen Konsistoriums, Hr. C r e m i e u x, und gewiß manche noch Lebende, die an dem großen Sanhedrin zu Paris im Jahre 1806 Theil genommen: ausgeschlossen eine Menge von Gelehrten und anderen namhaften Männern, deren Theilnahme eine solche Versammlung sich sonst zur Zierde nehmen würde, Leop. Dukes, Frensdorfs, Kley, Luzzatto, Landau, H. I. M i ch a e l, R e g g io, S t e i n h e i m, Stern I a c. Weil, Jost, Munk, Z u n z und wie viele Andere, namentlich in dem östlichen Deutschland oder gar in Polen und den angrenzenden Ländern! Welcher Schätze von Gelehrsamkeit und praktischer Weisheit hat die Versammlung sich da beraubt, und was hat sie dafür gewonnen? Eineungeschichtliche, fremdartige Theilung, wie sie nie in Israel existirt hat. *) *) Diese unhistorische Trennung in Geistliche und Laien, welche uns hier zum ersten Male offen entgegentritt, ist dem Tieferblickenden keineswegs eine zufällige, bewußtlose Erscheinung, sondern nur ein Glied in jener Reihe von hierarchischen Bestrebungen, wie sie in der jünger» Rabbrnerwelt immer häufiger austauchen. Ja, rs sei einmal deutlich ausgesprochen, was selbst viele Rabbiner mit Schmerzen anerkennen: Derselbe Weg, der-uns hinausführt aus den Banden des starren altern Rabbinerthums, soll, nach dem Willen der neuen Schule, wieder hinleiten unter die Fittige eines d u r ch S t a a t m a ch t unterstützten, abgesonderten 5