Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1845)
- Date
- 1845-01-22
- Page
- Seite 36 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 36 — als zu dieser Sammlung gehörig und ihr entnommen ansprechen. Namentlich, geschehe dieß in Betreff der Nr. 57, der bekannten Uebersetzung des .4don-OIam: „d es Weltalls. Herr." Dieses Lied ist dort unter den der H e inem annschen Sammlung entnommenen aufgesührt; eine sachkundige' Redaktion aber hätte wissen können, daß dieses Lied früher als H. Sammlung (1819) schon 1813, und zuerst im dritten Stück.der von mir in Berlin zu jener Zeit herausgegebenen religiösen Wochenschrift *), erschien, woher es auch H. ververmuthlich genommen; sie hätte, dies abgerechnet, aus meinem Gesangbuche, wo ich meine eignen Arbeiten, um nicht ' Andere zu beeinträchtigen,/ mit einem * bezeichnte, erfahren können, daß es mein Eigenthum ist, welches mir unangefochten auch verbleiben soll. — Wenn man sich jetzt noch die ordentlichste Mühe giebt, die Verfasser der alten , praktisch fast werthlos gewordenen Gedichte (Pi u tim) zu enträthseln und aus dem Dunkel ihre Zeit an's Tageslicht zu. fördern, wie sollten wir uns, absichtlich cbcc aus Fahrlässigkeit, gegen Mit- und Nachwelt so versündigen, die. neuesten Quellen nicht kennen zu wollen, Namen-und Fakta in Dunkel zu hüllen und Spezialitäten zu verschweigen, die späterhin nothwcndkg Lükken und un gehoffte Schwierigkeiten schaffen, müssen? Schreibt man überhaupt so Geschichte des Tages, wie sie hier und da zu lesen ist, auch unter uns? **) — 3) Werden in derselben Vorrede die Melodieen meiner Sammlung nicht btos.verschwiegen, sondern wahrhaft geächtet; diese aber sind in noch größerer Anzahl als selbst die Gesänge, ja, fast alle in das neue Gesangbuch des Tempels übertragen; . indem man der Gemeinde wohl den Text, nicht aber die Melodieen, die den Gottesdienst so erhebend machten, vorenthalten zu dürfen glaubte.. Es wurden demnach, um die Melodieen zu erhalten, denselben neue Texte unterlegt, wogegen an und für sich nicht zu klagen wäre, was aber in der Art und Weise, wie es geschah, völlig regelwidrig und tadelnswerth genannt werden muß. Es steht wohl ohne Widerspruch fest, daß bei Volksliedern überhaupt, bei Choralgesängen aber besonders, Worte und Melodieen. eine unzertrennliche Einheit bilden und von ihrem Ursprünge an behalten, daß demnach die Anfänge der Lieder, zu denen ursprünglich die Melodie gesetzt ist, die wahre, einzige Bezeichnung für dieselbe sind und sein müssen; diese Anfangsworte sind der Name, Charakter, die Farbe und Physiognomie der Melodieen, sind gleichsam der Reisepaß und Kreditbrief-derselben, an welchem Jeder sie sogleich erkennen, wodurch jede Nachbildung erst sich legitimiren mag. Auf solche^Weise haben in der christlichen Hymnologie Lieder durch ihre Melodieen das Weltbürgerrecht, ja, *) Erbauungen, oder Gottes Werk und Wort von Kle!y und. Güns bürg;. Berlin 1813 und 1814. Maurersche Buchhandlung. Zwei Jahrgänge in 4 Bänden. *’) Man sehe beispielsweise den Artikel über die Einweihung des neuen Tempels zu Hamburg im Journal des Debates vom I4ten Sept. 1844. Verlag von C. L. Fritzsche. Unsterblichkeit, sich errungen^; und wenn tausend Lieder zu solchen Melodieen nachgedichtet würdensie müßten alle tausend um. recipirt zu werden , die Anfangsworte des ursprünglichen Textes (Original) an der Stirne tragen. Wem würde es wohl einsaUen, die Melodieen von: „Nun danket alle Gott", Wie groß ist des Allmächtigen Güte" „Wie sch ön leuchtet der Morgenstern" nach den ihnen untergelegten oder nachgebildeten Liedern zu bezeichnen, falls diese Lieder aus irgend einem Grunde in einem christlichen Gesangbuche fehlem sollten? Solches ist hier aber geschehen. Wenn auch nicht so weltverbreitet, haben doch die.Melodieen zu meiner Liedersammlung verhältnißmaßig in dem engern Kreise der Gemeinde und der Schule durch den vieljährigen Gebrauch in die Herzen so sich eingesungen und mit dem Texte so identisicirt, daß man Lieder , wie :. „Aus des Herzens tiefstem Grunde", „Herr, nur dir allein vertrauen", „Du,, den alle Wesen ehren" u. s. w. nur zu nennen braucht , um ihre Melodieen verständlichst damit auszudrücken. Jetzt indeß führen dieselben Melodieen die Bezeichnung: „Ach des Lebens Blüthen falten", „Nein , o Vater! nicht betrüben", „Du, Allvater, dessen Milde" und so viele anderer Lieder, die selten, oder nie gesungen,, von Niemanden gekannt, sondern jenen nur nachgebildet sind. Als wenn dieses Verfahren sich selbst jede Rechtfertigung ersparen wollte, sind z. V. Nr. 182 und 183, 366 und 369 u. m. a. so hinter einander gestellt, daß die letzteren als die ursprünglichen aus meiner Sammlung nach, den ersteren, welche darnach gebildet wurden, bezeichnet stehen. In Rücksicht auf die Gemeinde läßt sich, dies Verfahren schwer begreifen; aber fragen möchte man: was hatten die unschuldigen Melodieen verbrochen, daß sie gezwungen wurden, wie Bastarde gleichsam, shrer Herkunft sich zu schämen, ihren rechten Namen und legitimen Ursprung zu verleugnen, um sich, die wohlgekannten, als Fremdlinge in die Gemeinde eiirführen zu Uaffen? Ich meine: für die tausendfache Erhebung , die sie den gottinnigen Gemüthern so viele Jahre bereitet hatten und fortwährend bereiten, wofür ihnen sonst nicht der Geringste als Lohn zu Theil ward, hätte man ihnen in Gottes Namen ihr Heimathsrecht auf eignen Namen, - nicht Duldung auf fremden, gönnen sollen. Jnsofort, als Wort und Melodie zusammen erst das Lied bilden, wären auch die dort aus H eine m a n n angeführten Gesänge, die sich hier ebenfalls in meiner Sammlung finden, dieser eher als Quelle zu vindieiren gewesen, da sie ohne die von mir entnommenen Melodieen nicht gesungen werden könnten, wie zur Zeit geschieht. 4) Ist in der oben angeführten „kurzgefaßten Geschichte u. s. w. bei dem einzigen meiner Lieder, dessen Erwähnung geschieht (S. 74),, bn Name des Componisten unrichtig angegeben. Das Halleluj a für des 18. Oktober nämlich ist nicht, wie es dort heißt, von Zelter, sondern von Bernh ard Anselm Weber in Musik gesetzt". — _I j i Druck von I. H. Nagel.