Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 52 (24.12.1844)
- Date
- 1844-12-24
- Page
- Spalte 817-818 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Wische Geschichte und Frteratur. J\fa AA, Leipzig, den 24. December 1844« Inhalt. Kritiken. Die Frankfurter Gutachtensammlung über die Beschneidung, beurtheilt vom Rabbiner S. Süßkind. (Fortsetzung.) — Kurze Anzeigen. Geiger's Lehrbuch zur Sprache der Mischna. Angezeigt von Gratz. Zweiter Artikel. — Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karaer. (Schluß.) Die Namen der Karaitischen Lehrer. Literatur der Karaer. Der h^ Kodex. — Literarische Ankündigungen. Die religiöse Geltung der Befchneidrmg. Kritik der in Frankfurt am Main in diesem Jahre erschienenen .Gutachtensammlung der Rabbinen. Vom Standpunkte des Rechts beurtheilt. Von S. SiifMrrd, Rabbiner in Weilsburg. (Fortsetzung.) R. Auerbach in Darmstadt gesteht zwar, daß der Jude nicht erst durch eine Weihe, sondern vermöge seiner Abstammung Glied des Bundes am Sinai sei, aber es sei und bleibe doch immer die Beschneidung die „notwendigste sakram en ta lisch e Handlung für den Juden". Was mag das Frankfurter Rabbinat wohl bei diesem christelnden Ausdruche gedacht haben! Hätte doch Herr A. seine nagelneue Entdeckung jüdischer Sakramente — es gab eine Zeit, und diese ist noch nicht sehr lange verflossen, in welcher die einfältigen Land-Juden selbst das Wort Sakrament aus leicht zu errathenden Gründen sich auszusprechen scheuten — etwas näher beschrieben! Hätte er doch wenigstens die neu t est amentlich en Stellen angezogen, aus denen der sakramental!sche Charakter der Beschneidung auch für die Juden vielleicht gefolgert werden könnte! Man muß beim Lesen dieser rabbinischen Responsen das neue Testament ja ohnehin ebenso zur Hand haben wie Talmud und Poskim, das Nachschlagen hätte dann wenig Mühe verursacht. Ferner , da die Beschneidung die n o t h w e n d i g st e, so muß es doch auch noch Eine, vielleicht auch noch mehrere, n 0 t h w e n d i g e sakramentalische Handlungen geben. Welche Handlungen von Herrn A. mit diesen Charakter beehrt werden, das zu erfahren, wird der wiffensbegierige Leser wohl sich gedulden müssen, bis es dem Herrn A. beliebt, in einer vielleicht bald erscheinenden zweiten Auflage seines edirten Religionslehrbuches sich des Weiteren darüber vernehmen zu lassen. R. Bamberg er in Worms. Das Unterlassen der Beschneidung erscheint ihm als natürliche Folge der von dem Reformverein „beabsichtigten Trennung, Abfalls und Aufgebung des ganzen positiven Judentums". „Wenn der Verein sich", erklärt Herr B. auf Manche wohl unerwartete Weise, „auf den Standpunkt des Judenthums gestellt und mit wissenschaftlichen Waffen Gesetze, Satzungen oder Dogmen bekämpft hätte; so würde er nicht btos Erklärungen der Gegner, sondern einen mit Ruhe und Würde geführten Kamps auf wissenschaftlichem Boden hervorgerufen haben". Herr B. tritt hierdurch förmlich aus dem Kreise blindgläubiger Zeloten heraus, indem er anerkennt, daß man Gesetze, Satzungen und Dogmen wissenschaftlich bekämpfen und doch auf dem Standpunkte des Judenthums stehen könne. Ein Grundsatz, der bekanntlich Gegenstand der Breslauer Gutachten ist, der auch in der vorliegenden Sammlung von manchem wissenschaftlich sein wollenden Rabbinen geläugnet wird. Den Anhängern des R.-V's. sei die h. Schrift nicht von Gott offenbartes Wort, sie stünden somit durch nichts in dem Judenthume und seien daher als Abtrünnige zu betrachten, die nichts mit dem Judenthume gemein hätten. Dieselbe Folge treffe den, der die Beschneidung an seinem Sohne nicht vollziehen lasse, da in dieser Unterlassung die erste faktische Anerkennung der Principien des Reform-Vereins öffentlich beurkundet würden. „Ebenso ist das Individuum, an dem der Akt der Beschneidung nicht vollzogen worden, ausge- 62