Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1844)
- Date
- 1844-12-10
- Page
- Seite 385 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2360092-2360310-2360361--4738-3530854- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
üafter Flii Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Mlr. Mnabonnirtbei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. AW» Leipzig, den 10. December 1844» Inhalt. Deutschland. Breslau. Rothschilds Güterkauf. .Die jüd. Rittergutsbesitzer. O b e r sch l esi e n. Die Unniaßigkeit der MäßigkeUsprediger gegen die Juden. Meiningen. Das Judenreglement. Köln. Legislativer Fortschritt. Ein jüd. Kassenrendant. Hamburg. Die Judenfrage in Norwegen. Hamburg. Nekrolog des Dr. Gerson. Gleiwitz. Replik. Leipzig. Verordnung in der Beschneidungsfrage. — Oesterreich. Wien. Nekrolog des Hrn. Todesko. Ungarisch-Brod. Areaukratie. Jüdische Kurgaste in Luy ätsch o Witz. Hr. W. Frankel. Aktenstücke. Danksagung. Schulwesen. Hr. I. Pollak. — Schweden und Norwegen. Christi an ia. Das Klägliche in der Judenfrage. — Offenes Antwortschreiben an Hrn. M. A. Stern, vonDr. M. Gut mann, Distriktsrabbiner. (Fortsetzung). — BL. d. Or. Deutschland. Bveslenr, 1. Decbr. Der Ankauf der drei bedeutenden oberschlesischen Herrschaften Schillersdorf, Ld erb erg und H ult sch in von Seiten der Rothschild Aschen Familie für die Summe von 800,000 Thaler, hat dem stets regen Neid gegen die Israeliten wieder einige neue Nahrung gegeben, und da derselbe in Prcixi keinen Boden der Thätigkeit hat, so sucht er die öffentliche Meinung zu berücken, vorgebend, daß das Mze oberschlefifch - christliche Ritterthum in Gefahr sei, von den schlesischen Juden weggedrangt zu werden. Seit dem Edikte von 1812 haben bereits Juden in Oberschlesien Güter gekauft; das Gesetz, welches ihnen dieses natürliche Recht wiedergegeben, hat in den alteren preußischen Provinzen, wo dieses Gesetz Geltung hat und ähnliche Güterkäuse von Juden gemacht wurden, nie einen Hattpunkt gefunden, sich über jüdische Ritterguts- Hesiher zu beklagen. Kein Jude hat bis jetzt weder durch Hartherzigkeit gegen Roboter, noch durch Ungefälligkeit gegen die freien Bauern, durch Geiz gegen Pachter, durch Verbreitung des Branntwein-Giftes Anlaß zur Klage gegeben, und die Verlegenheit der Neider mußte zu allgemeinen Sahen und Phrasen greifen, um die jüdischen Gutsbesitzer zu schmähen. Dasselbe ist auch von den chrenwerthen jüdischen Besitzern der Herrschaften Zülz, Tröbing und Tost der Fall, deren Besitzer zwar oft geschmäht, die sogar unter allerlei Vorwanden beim vnige und seinen Dienern angeschwärzt wurden, aber es noch Niemandem gelungen ist, auch nur das Geringste diesen Ehrenmännern nachzusagen und zu beweisen. Der Neid ist ärgerlich darüber, daß der jüdische Besitzer der Herrschaft Tost diese für fast eine halbe Million gekauft, daß Freiherr von Rothschild fast eine Million für die drei Besitzungen südlich nahe an der österreichischen Grenze gegeben, ja daß diese letztern der Anfang eines großartigen Fideikommisses werden sollen; denn wenn die Israeliten auch Güter kaufen dürfen, wenn man ihnen auch großmüthig die Bürgerrechte einräumt, so ist es doch unerhört, daß sie solche Geldsummen besitzen und es wagen sollen was mehr als bürgerlich ist zu wagen und gar durch Fideikommisse ihre Familien zu verewigen. Aber warum sott der Bürger es nicht wagen, wenn das Junkerthum welk und alt, wenn die großen Ritterherrn durch Spiel und Verschwendung sich zu Grunde richten, warum soll der jüdische Bürger nicht die Stelle vertreten dürfen? Man hat ausgesprengt, daß Hr. von Rothschild zu Schillecsdorf seine Sommerresidenz nehmen will und daß er deshalb darauf beharrt, daß die Kosel-Oderbergerbahn hinter Schillersdorf in die Ferdinands-Nordbahn einmünden soll, obgleich früher beschlossen war, daß diese Einmündung in Oderberg statisinden solle; allein das ist eine Unwahrheit und um so weniger nur denklich, als er weder in Schillersdorf noch in Oderberg wohnen wird. Es haben übrigens viele schon gegen die jüdischen Rittergutsbesitzer und die etwa entstehenden jüdischen Majorate geschrieben, aber ohne den geringsten Erfolg, well 50