Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-12-03 · 49 (3.12.1844) · p. Spalte 769-770

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
49 (3.12.1844)
Date
1844-12-03
Page
Spalte 769-770 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9890798-9890850--3805-3530844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Literatnrblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. JVi 40* Leipzig, den 3. December . 1^44* I n halt. Kurze Anzeigen. Herzfeld. Goldberg. Zille. Feitel. Stern. — Studien. Liter. Analekten. Ein seltenes Gedicht von R. Moses Hammon. Mitgetheilt von L. Dukes. — Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karaer. (Forts.) Die hauptsächlichsten Streitpunkte, die zwischen den Rabbaniten und den Karaern obwalten. Ueber die Sitten der Karaer. — Literarische Ankündigungen. Kurze Anzeigen. 65) Das Deutsche in der Liturgie der Braunschweiger Synagoge, eingeführt noch unter dem seligen Landesrabbiner S. L. Egers von Dr. Herzfeld, jetzigem Landesrabbiner. Braunschwcig, 1844. 8. F. Vieweg u. Sohn. Dem Titel nach zu schließen, existirt für die Liturgie der Braunschweiger Synagoge auch ein hebräischer Theil, zu welchem vorliegender nur die Ergänzung ist, da es nicht denkbar, daß die alten Rirualformen in Siddur, Machasor, Iozerot, Kinnot, Maarabot rc. unverändert beibehalten worden sind, Weil es sonst an Zeit für einen deutschen Theil gefehlt haben würde, indem der hebräische allein schon anUeberfülle leidet. Ist es aber wahr, daß ein hebräischer Theil der Braunschweiger Liturgie existirt, sei es daß er einen Auszug der erwähnten Ritualbücher bildet, oder aus einer Mischung von alten und neuen Formen hervorgegangen, so läßt sich dieser zweite Theil, der doch nur die Ausfüllung und Ergänzung deffelben bildet, in seinen liturgischen Bezügen kaum beurtheilen, da ein Stückwerk doch nie richtig beurtheilt werden kann. So tauge daher der hebräische Theil nicht in seiner Ganzheit gedruckt, oder wenn er gedruckt, nicht zur Besprechung vorliegt, kann natürlich meine Anzeige hier nur eine unkritische und oberflächliche sein, woran aber den Lesern gar nichts liegen kann. Außer dem Mangel eines hebräischen Theiles hat mich die Erwähnung auf dem Titelblatte, daß dieser deutsche Theil der Liturgie noch unter dem sel. Egers eingeführt wurde, befremdet, da es fast scheinen könnte, als wolle Hr. H. damit gleichsam die Legalität deffelben ansprechen, was doch wahrlich nicht nöthig ist, da jeder Rabbiner und Nichtrabbiner das Recht hat, Liturgieen einzuführen, wenn nur die Urbestandtheile der rfcrun HttD beinhalten werden und die betreffenden Gemeinden mit deren Einführung zufrieden sind. Das Ritual war zu allen Zeiten, die urthümlichen Theile abgerechnet, so wandelbar und wechselnd, daß der kleinste Rabbiner nicht einmal einer Entschuldigung nöthig hat, wenn er für den Bedarf seiner Gemeinde eigene Formen einführt. Wer kennt nicht z. B. die Ehrfurcht und die hohe Achtung, in welcher das mny YID für den Sühnetag bei uns steht, und doch war dieses nicht nur für verschiedene Länder und Gegenden ganz verschieden, sondern selbst in Bezug auf die Zeit des Recitirens wichen die Gemeinden von einander ab, je nachdem das Bedürfniß und das Muster sie leitete. „Was ihr (aus Bagdad) mir schreibt, sagt Haji Gaon (citirt bei Isaak Jbn Mut in seinen Halachot. S. Geigers Ztschr. V, S. 398), daß es bei euch Gebrauch ist, das mDy TiD sowohl im Frühgebet (Schacharit) als auch zu Musaf zu reeitiren, und daß ihr hingegen gesunden habet, daß R. 'Amram Gaon gesagt, daß man nur zu Musaf die 'Aboda-Ordnung recitirt, wie man etwa das Y1D zu Musaf des Neujahrfestes, so wisset, daß wir vorzüglich dem R: 'Amram folgen, denn zu seiner Zeit wurde es so in Neharde'a und Sora gehalten, daß man nämlich die ViD mny nur zu Musaf recitirte, sowie man diM nump V1D an Sabbaten, Festtagen, Halbseiertagen und Neumonden nur zu Musaf recitirt. Jedoch ist es Gebrauch zu Bagdad, weil sie den Gesang der rnDy YID sehr lieben, auch im Frühgebet ihn zu reeitiren und ein Herr Haji den David Gaon, welcher lange vor seinem Geonat-Amte in dieser Stadt Dajan war, konnte sie von dieser ihrer Gewohnheit nicht abbringen. Dieser Haji war der erste, welcher von der Reihe der Geonim in Bagdad lebte, und er war genöthigt der Gemeinde nachzugeben und nach deren Gebrauch zu handeln z die nach ihm dort angestellten Geonim haben auch davon schweigen müssen und ihr jetzt braucht nun auch nicht den Brauch eurer Väter zu ändern". Mit den Selichot war es in Be- 49

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.