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Der Orient · 1844-11-26 · 48 (26.11.1844) · p. Spalte 765-766

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
48 (26.11.1844)
Date
1844-11-26
Page
Spalte 765-766 (sequence 7)
Language
German
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765 Studien. I. Trigland's Abhandlung über die Karäer. 768 und ungelehrtere Bruder, mit Uebergchung des Anan, Rektor wurde, wohl nicht ohne vieles Geld erkauft haben. Denn von den Lagen der Ismaeliten regierten die Rektoren nicht so, wie es ihnen zukomme und sich für sie schickte, sondern sie verschafften sich die Herrschaft wie Tributpflichtige von den Königen', nach R. David's Geständmß. Aus die vierte Beschuldigung, daß der Traum von der Erscheinung des Elias eine Erdichtung gewesen sei, entgegnen sie 1) daß es nichts Ungewöhnliches oder Wunderbares sei, einen Traum zu haben und ihn den''Seinigen zu erzählen z 2) daß schon vorder Gesetzgebung'gesagt worden sei (Hiob 33, 15 —18), Gott erinnere durch Träume die Sünder und mahne sie zur Buße; von Sünde sei aber Anan nicht frei gewesen, schon deshalb, weil er vielleicht zur Erlangung der Rektoratswürde seine Lehre mit der Lehre derer, die die Menschen zur Uebertretung des Gesetzes verführten (Mal. 2. 8) d^-h. mit der der Rabbaniten, zu sehr vermischt habe; 3) geben die Rabbaniten vor, daß ihre Weisen unter dem zweiten Tempel, wachend den Elias gesehen haben, was dem Worte Gottes widerspricht, warum also soll man nicht glauben, daß er Anan im Traume erschienen ist, da dies mit dem Gesetze übereinstimmt? Wenn übrigens die Gegner den Anhängern Anan's den Namen von Uebriggebliebenen aus der Nachkomm enschaftZadok's und Baithos nennen, so bekennen sie hiermit, daß die Lehre dieser älter ist als Anan. R. Jefet der Karäer nennt jenen König Abuzaasar und giebt die Nachfolger des Anan an von R. Saul bis auf N. Abraham, Sohn des Isaak Ha-Bozer. Die Reihenfolge ihrer Lehrer führen die Karäer bis auf die Propheten hinaus, und sogar noch weiter, daher ihnen N. Abraham Ben David ganz mit Unrecht vorwirst, daß sie nicht wie die Rabbaniten eine fortlaufende Reihe ihrer Lehrer und Häupter in der Gefangenschaft, Md somit eine Perpetuirlichkeit ihrer Tradition, vorzeigen könnten. Die Karäer behaupten vielmehr, es sei bei ihnen Sitte, daß die Reihenfolge der Familien auf die Haut eines Fisches, welche sich sehr lange halte, ausgeschrieben werde, und es liege 'diese Haut in Cairo, wo der Sitz der Vorsteher der karaitischen Sekte seit der Zerstörung Jerufalem'ö sei. Und allerdings ist Egypten immer von vielen Juden bevölkert gewesen, R. Schal. Ben Jerucham, der sechste Nachfolger des Anan, hat ein sehr schönes und gelehrtes Gedicht geschrieben, welches ich handschriftlich besitze, worin er den Talmud einer sehr scharfen Kritik unterwirft; er hat es namentlich gegen R. Saadja Ha-Gaon. Rektor der Schule zu Sora im Jahre 891, verfaßt, dessen Schüler Schalmon einst gewesen ist. Seitdem nun durch diesen Anan die Karäer und ihre Lehre eine Starke erhielten, haben sie nicht mit tn Jerusalem, wohin Anan mit seinen Anhängern aus Babylon wänderte, sich behauptet, sondern auch überall hin sich ausgebreirer, so daß keine Gegend der alten Welt ist, wohin diese Sekte nicht ebenso wie die Rabbanitischen Juden, gedrungen wäreobgleich sie nicht in sö großer Zahl vorhanden ist, nicht dieselben Reichthüme'r und dieselbe Macht besitzt. Wenn 'ihnen dieses letztere die Nabbanen vorwerfen, indem sie mit der Menge ihrer Schüler prahlen, so antworten die Karäer so, daß sie nicht unwichtige Ursachen dieser geringen Zahl angeben, es durchaus läugnen, daß nach der Menge der Anhänger die Wahrheit zu bestimmen sei, und zuletzt zeigen, daß ihre Anzahl nicht so gering seü wie gewöhnlich geglaubt wird. So der Verfasser des Buches Chilluk und R. Kaleb. Als Ursachen, weshalb sie an Zahl den Rabbaniten nachstehen, lassen sich vorzüglich drei angeben. Die erste liegt in der Beschaffenheit ihrer Lehre. Sie neigten sich nämlich von jeher in der Erklärung der Gebote, wie vorhin bei R. Schammai bemerkt wurde, zu einer strengeren Auffassung hin, Hillel dagegen zu einer laxeren, und da diese dem Fleische angenehmer ist und alle Menschen von Natur die Beschränkung hassen, so konnte es nicht anders kommen, als daß sie weit mehr Anhänger fand. Die zweite war eine unbcdachtsame, aus ihrem Rigorismus erzeugte, zu weite Ausdehnung der verbotnen Verwandtschaftsgrade bei der Eheschließung, welche bewirkte, daß während den Rabbaniten im Oriente sogar die Polygamie erlaubt war, den Karäern einmal sogar Weiber fehlten, mit denen sie sich verbinden dursten,, worüber wir oben gesprochen haben. Die dritte ist der Haß, das Unrecht und die beständige Verfolgung, die sie von den Rabbaniten zu erleiden haben. Hierdurch mußte ihre Zahl bedeutend vermindert werden. Doch haben jene nicht verhindern können, daß sie sich in Asien, Afrika und Europa ausbreiteten. Asien hegt sie in Judäa und Jerusalem, welche Gegend sie allen andern vorziehen, daher sie mm/HD ON? heißen; ferner leben sie in Damaskus, Bagdad und in dem übrigen Assyrien und Cbaldäa. Moses Beschizi hat sie hier besucht, um die Ursache und die Zeit, wo das Schisma angefangen hat, zu. erforschen. Daß sie Arabien und die Türkei bewohnen, geht.schon daraus hervor, daß mehrere und zwar die ältesten ihrer Bücher, zuerst arabisch geschrieben wurden; ihr Aufenthalt zu Mekka zur Zeit Muhammed's kann aber daraus vermuthet, wenn auch nicht sicher -erschloffen werden, weil ihre Lehrer schon vor 5 Jahrhunderten die Stelle Dan. 11, 31 auf den Muha'mmedanismus deuteten, wie auch Jbn-Esra zu der Stelle bemerkt. Käräische Synagogen fand R. Binjamin aus Tudela zu Damaskus und Askä'lom In Afrika bewohnten sie Alexandrien. Moses Beschizi erzählt, daß, als er -dahin kam, die Rabbaniten nicht nur das Andenken an den großen Urheber ihrer Traditionen, R. Simeon Ben Schelach, der sich dorthin während Janna'üs Verfolgung geflüchtet hatte, bewahrten, sondern auch ein Gebäude zeigten, das jetzt eine Moschee ist, wo er zu beten und sogar Opfer 'zu bringen pflegte. Enthalt diese Nachricht wirklich Wahrheit, so haben wir für einen zweiten Tempel außer dem des Onias, der den Gelehrten bisher noch unbekannt gewesen ist. Die meisten egyptischen Karäer wohnen aber in der Stadt Kahira. In Europa ist ihr vorzüglichster Wohnsitz Konstantinopel, wo auch Binjamin von Tudela eine Synagoge von ihnen vorfand, dort wohnen ihre berühmtesten Lehrer, dort sind auch einige Bücher von ihnen gedruckt worden, und wie

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