Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-11-19 · Heft 47 (19.11.1844) · p. Seite 368

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 47 (19.11.1844)
Date
1844-11-19
Page
Seite 368 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360310-2360358--4718-3530807
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

368 sich die bemittelte Klasse gegen die statutenmäßigen Kurl kosten im Spttale unterbracht zu werden wünscht. So I ist mit Hilfe guter und edler Männer, für die heiße Wünsche und innige Segnungen aus dem Herzen jedes Einwohners strömen, eine so nützliche bis jetzt vernachlaßigte Anstalt zum verjüngten Dasein ins Leben gerufen worden. Nun können wir auch für die Zukunft die angenehme Hoffnung hegen, daß die thatige Hand unseres menschenfreundlichen edeln Kreishauptmannes in unserer Mitte segenreich wirken werde. Daß die im Schlamme der Vocurtheile und des finstern Aberglaubens tief versunkene Gemeindeangelegenheiten wie die noch nicht gerügte bis jetzt verwahrloste Erziehung unserer Jugend, und die an der Tagesordnung höchst nöthige Verdrängung des für Staat und Synagoge schädlichen, als böse Seiche in Galizien wüthenden, unsere bessern Glaubensbrüder verdunkelnden Chassidismus in den Gedanken dieses aufgeklärten, erleuchteten Mannes die Revue passi'ren, und deren schnellmögliche Verbesserung werkthätigst zu unserm Heile und seinem gesegneten Andenken in der spaten Nachwelt ausgeführt werden mögen! — .n ......h. TV<angrreustadtl, 1. Novbr. Wenn irgend Jemand, so können wir mit Recht klagen: Wir hofften nach Licht und es kam Finstermß. Wem die Sonne der Gegenwart nicht hell genug leuchtet, der tostet sich mit dem fernen Schimmer der Zukunft; auch wir —; in der dichtesten Finsterniß noch immer lebend, trösteten uns bisher immer mit der Hoffnung, daß bald auch bei uns sich Licht verbreiten werde, sehen aber jetzt täglich mehr und mehr die Nichtigkeit unserer Hoffnung ein! —f „Es bleibe finster" ist der Wahlspruch unseres Rabbinats! „Zurück, zurück"! das Losungswort unseres Vorstandes! — Es ist hier von jeher Sitte, daß ein junger Theologe, wenn er heirathet, den nächstfolgenden Samstag in der großen Synagoge eine öffentliche Derascha oder Rede halt — was nichts als löblich, da dem angehenden Rabbinatskandidaten sonst kein Weg offen stehet, sowohl sich zum Rabbiner und Redner auszubilden, als auch seine Befähigung hierzu der Welt zu zeigen, um bald auf eine Stelle Anspruch machen zu können. — Vor 14 Tagen heirathete ein angehender Rabbinatskandidat die Tochter eines hiesigen Dajan's; der junge Mann machte darauf Anspruch, am Sabbat in der Synagoge einen öffentlichen Vortrag halten zu dürfen es wurde ihm erlaubt, am Sabbat des Morgens, aber vom Gemeindevorsteher — den der Rabbiner dazu beredete — verboten, und ihm das versagt, was bisher allen Andern seines Genre erlaubt war Auf sein dringendes Bitten wird ihm erlaubt, nächsten Sabbat in einer Synagoge zweiten Ranges aufrreten zu-dürfen, er freuet sich auf dieses Augeständ- Berlag von K. F r i tz s ch e> niß; man ist begierig den schon einmal untersagten Vortrag zu hören, der Samstag Vormittag ist da, das Auditorium bereits versammelt, der Redner will eben die Kanzel besteigen-da langt ein Befehl vorn Judenrichter an: der Kandidat darf die Kanzel durchaus nicht besteigen und falls er es wage, werde er ihn durch Gerichtsdiener von der Kanzel wegholen, das Publikum hinauslceiben und die Synagoge sperren lassen"!!! - Was glauben Sie, ist dieser Chikane Grund? @je* glauben es nicht, wenn ich's sage, und doch war km j anderer Grund, nicht einmal ein anderer Vorwand da, als der, daß dem jungen Manne der Ruf vorausgegangen, daß er ein guter Redner sei und auch etwas Deutsch wisse; der Rabbiner fürchtete nun, er könnte gefallen, und seine eignen Derascha's würden dadurch noch mehx an Werth verlieren *). Und doch hat der Rabbiner nichts mehr zu verlieren, da nur höchst Wenige in unserer ■ Gemeinde noch so albern sind, seinen geschmacklosen Deraschot Geschmack abzugewinnen! — Indessen von unserm sogtnannten Rabbiner sind wir es leider von jeher gewohnt; es wundert uns nur sehr, daß der Gemeindevorsteher (von einem Vorstande ist hier nicht zu sprechen) Hr. K. Latz ko, der ein verständiger, Bildung t Fortschritt liebender Mann ist, der Verstand genug hat. um auf eigenen Füßen stehen, und Kraft genug, i selbstständig handeln zu können, daß sich dieser vom Rabbiner gebrauchen läßt. —- Diese Rolle ist wahrlich für einen so verständigen und prakisch klugen Mann, m es Hr. Lahko ist, höchst entwürdigend, und möge er einsehen, daß es schöner ist, selbstständig zu gehen, eil! am Gangelbande geleitet zu werden. — ' . H—n. Ein ähnliches Stückchen von unserem Rabbiner i Hrn. Einhorn s. Orient Nr. 39. Personalchronik und Miseellen. Am 27. Septbr. 1844 am Sonnabend des Laubhütttiifestes wurde in Pflaumloch, Rabbinat Oberdorf, die Doppelfeier des Geburtstags unseres vielgeliebten Königs und die Grundsteinlegung zur neuen Synagoge festlich begangen. Hr. Rabb. Adler hielt eine sehr würdevolle Rede und hatte sich des ungetheittesten Beifalls zu erfreuen. Für die Juden zu Mogador. Für die unglücklichen Juden zu Mogador, welche bei der Stimmung dieju Stadt von Kabylenhorben so furchtbar viel gelitten, wir» gegenwärtig in London und Paris gesammelt. Hr. Roth schild in London hat 12,500 Fr. beigesteuert. Druck von I. H. Nage l.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.