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Der Orient · 1844-11-12 · 46 (12.11.1844) · p. Spalte 721-722

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
46 (12.11.1844)
Date
1844-11-12
Page
Spalte 721-722 (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Wische Geschichte und Literatur. M 40* Leipzig, den 12. November 1844. Inhalt. Studien. Zur Kenntniß des jüd. Hellenismus. II. Preis der Weisheit, ein in griechischer Sprache abgefaßtes Lehrgedicht. Von Dr. I. Fürst. — Erwiderung auf Dr. Holdheirn's Frage: Was lehrt das rabb. Judenthum über den Eid? Von R. Kirchheim. — Liter. Analekten. Ein griech. Wort in einer Midraschstelle. Von Rabb. S. Brann. — Hebr.-proven^al. Volkslieder, mitgetheilt von 2t. Asher. —- Liter. Nachrichten und Miscellen. Bemerkungen zu Dr. Schlesingers Einleitung in den JÄarim. Erklärung des Wortes „demus“ Von Dr. Jakob Goldenthal. — Berichtigung. Literarische Ankündigungen» Zur Kenntniß des Mischen Hellenismus. II. Preis der Weisheit, ein in griechischer Sprache abgefaßtes Lehrgedicht ans den Jahren 145 — 117 v. Chr. Mt der Regierung des Ptolernäus Physkon (145 v. Chr.) begann für die Juden Egyptens eine traurige und düstere Zeit einzubrechen; dieser König konnte nicht vergessen, daß ein Theil der Juden sich seinem Regierungsantritte zu Gunsten der Wittwe und der Söhne seines Vorgängers, des Ptol. P hi lometor *), widersteht haben. Dieser König war es, von welchem die Sage erzählt^), daß er die alexandrinische Judenschaft in dem großen Cirkus von 500 trunken gemachten Elephanten habe zertreten lassen wollen * 2 3 4). Ein jüdischhellenistischer Dichter jener Zeit ist 'durch diesen politischen Druck seiner Brüder veranlaßt worden, unter der Hülle der uralten Geschichte seines Volkes, das Verhältniß der Juden zu den Egyptern seiner Zeit mit düstern Farben darzustellen, und er schrieb das Lehrgedicht: Preis der Weisheit, oder wie man es gewöhnlich nennt: die Weisheit Salomo's. Um seine Glaubensbrüder zu trösten, malte der Dichter die göttlichen Strafen gegen die alten Egypter poetisch aus*), wob manche Beziehung von dem momentanen Druck unter dem t) Jos. contra Ap. II. 5, 2) 3. Buch der Makkabäer. Nur muß dort die Stelle nach Josef emendirt werden. 3) Josef in einer nur noch in Rusin's Übersetzung erhaltenen Stelle gegen Apion II. 5. 4) Weisheit, von Kap. 9 an. erwähnten Ptolernäus Physkyn (eise ein5), und indem er voll Rachegesühls, daß ein göttliches Gericht dereinst das egyptische Volk bestrafen werde, sich äußerte6), wagte er es doch kaum in einer andern minder versteckten Form auszusprechen, so sehr er die politisch gebeugten Brüder aufrichten wollte. „Schlechter als die Männer von Sodom 7), sagt der Dichter, handeln die Egypter gegen die Juden; ihr Fremdmhaß ist stärker; jene habe die Unbekannten blos nicht ausgenommen und ihren Haß gleich anfangs den Fremden gezeigt, sie also wenigstens nicht getäuscht, während die Egypter die Juden mit Festlichkeiten empfangen (unter den ersten Ptolemäern) und gleiche Rechte gegeben, jetzt aber sie schmählich täuschen'" und solche scharfe Reden suchte der Dichter, so klar ihr Sinn auch ist, in der unverfänglichen Form der alten Geschichte der Juden in Egypten vorzutragen. —- Aber nicht blos der politische, sondern auch der religiöse Zustand der' egyptischen Juden um jene Zeit war ein trübseliger, so daß sie eines Trostes und einer Belehrung wohl bedurften. Das griechische Heidenthum, welches damals das Judenthum fast schon über 150 Jahre eng umschlossen hatte, der heitere Hellenismus, welcher zum Gegenstand seiner Angriffe seit lange schon das Judenthum gemacht, der durch seine Ausfälle gegen jüdische Sitten, vorzüglich aber durch die Verbreitung seiner Weltanschauung auf die . Denkweise des Judaismus so tief eingewirkt, daß man fast gar nicht merkte, wie schon der Gebrauch der griechischen Sprache ihre Nationalität immer mehr herabgedrückt, hatten um jene Zeit bereits viele antinationale Parteiungen herangebildet, die von dem ursprünglichen Judenthume sich immer mehr entfernten. Manche hul- 5) Idid. Kap. 6. 6) ibid. 19, 15—21. Vgl, 3, 8; 5, 16 ff. 7) Ibid. 19, 13-17. 46

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