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Der Orient · 1844-11-05 · 45 (5.11.1844) · p. Spalte 707-708

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
45 (5.11.1844)
Date
1844-11-05
Page
Spalte 707-708 (sequence 2)
Language
German
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Studien. Das Schaukeln beim Talmudstudium und beim Beten. 708 707 I. Das Schaukeln der Juden beim Studium des Talmuds und beim Gebete. Diese Sitte (oder Unsitte) ist unter den Juden sehr alt und eben so verbreitet; wir finden sie im Innern von Arabien sowohl als in Spanien, in Marokko sowohl als in Deutschland. Es scheint diese Sitte eine allgemeine orientalische zu sein, denn daselbst finden wir sie nach den Berichten der Reisenden z. B. Niebhur und Ker Porter heute noch unter den Muhammedanern. Fragen wir nach dem Ursprung dieser Sitte , so können wir über diese wie manche andere nichts Bestimmtes sagen, und es scheint, daß man schon vor Jahrhunderten nicht mehr den Grund dieser Gewohnheit kannte, sondern sie pflanzte sich fort, wir manche andere Sitte, von Geschlecht zu Geschlecht, und das spätere Geschlecht berief sich auf das vorhergehende. 1) Das Schaukeln beim Studium, des Gesetzes. Die älteste m i ch L j ü d i sch e Quelle über diese Sitte ist ein Ausspruch M u h a m m e d 's, welcher im K a m u s aufbewahrt ist. „Seid nicht — so lautet dieser Ausspruch — wie die Juden, die, wenn sie die Lora Lesen, mit dem Kopfe nicken und mit den Schultern schütteln"»). Züdischerseits ist unserer Ansicht nach die talmudische Stelle (Sabbat Bl. 104 a „die Lehre wurde gegeben mit Schaukeln des Kopfes") („WH.") mm riJlW") der älteste Beleg für diese Sitte 2). In Spa n rem war diese Sitte im 12. Jahrhundert allgemein, wie wir aus folgender Stelle des Kusari sehen. ' Der König der Chazaren fragt den Meister, warum sich die Juden bei dem Lesen des Hebräischen schaukeln? und der Meister bestrebt sich eine aus der Natur der Sache hergenommene Antwort darauf zu finden, welches ihm aber nicht gelingt. Man ersieht nun aber auch aus seiner Antwort, daß schon vor ihm Leute darüber nachgedacht haben. „Einige behaupten — dieses sind Jehuda Ha-Lewi's Worte — sdie Ursache des Schaukelns W um die natürliche Wärme zu erregen. Ich bin aber der Meinung, daß es ursprünglich deshalb geschah, weil Viele von einem Buche Gebrauch machenmußten, und Jeder, um hineinzusehen, sich oster hin- und Herneigen müßte, weil das Buch auf der Erde lag. Dieses war die ursprüngliche Ursache, nachher ist es allgemeiner Gebrauch geworden, weil es Einer von dem Andern gesehen hat und wie dies in der Natur des Menschen häufig vorkommt, daß Einer dem Andern nachahmt" ^). Daß die 1) Hammer-Purgstall in den Wiener Jahrbüchern der Literatur. B. 54. S. 73. Nr. 100. \ 2) Naschi erklärt diese Stelle mit den Worten nmu rrw HUyi und es will uns bedünken, als wenn diese Stelle demselben nicht ganz klar gewesen wäre. 3) Wir setzen auch die hebräischen Worte hierher: D'yjmnD nn^> jnnn iniN km * - n 2 n ion*? rroyn nxnpn Dmrpn ’pDn mnn Tyn 113p •o tidk - innn idn O'33 Nipb 1Ä3' TO 'ODO [p] NTO "!)3D ’U’NI Sitte des Schaukeln auch heutL noch in Persien üblich ist, erfahren wir aus Ker Port er's Reise. „Denn außer der schnellen Bewegung ihrer Lippen — dies sind die Worte des berühmten Reisenden — halten sie ihren Körper in einer stets schaukelnden Bewegung; ohne diese kabbalistische Bewegung, glaubt der Perser unmöglich etwas lernen zu können" 4). Der Ausdruck „kabbalistische Bewegung" ist nur von demselben gebraucht, um das Unbekannte anzudeuten. 2) Schaukeln beim Gebete. Auch diese Sitte ist eben so alt als bekannt, und hat sich in allen Synagogen wo „die Kultur, die alle Welt bedeckt" noch nicht eingedrungen ist, bis zur Stunde erhalten. Auch dies war erst bloße Sitte und dann findet es sich in gewissen Midraschim (die aber jetzt in dieser Fassung sich nicht mehr finden) und wird daselbst besonders empfohlen. Dies ist nach der talmudischen Sitte, alles an Bibelstellen anzulehnen, auch an eine Bibelstelle angelehnt worden und zwar an das bekannte (Psalm 35, 10) rünONH miO^y to, welches hier wörtlich genommen ist s). Dieses Schaukeln hatten alle Juden gemeinschaftlich, jedoch mit dem Unterschied, daß die marokkanischen Luden und wahrscheinlich alle a si a t is ch e n und afrikanischen Juden sich von der linken zur rechten Seite schaukeln, während sich die polnischen Juden von vorne nach hinten bewegen 6). Dieses einfache Schaukeln hat sich später bei den Chasidim bis zum Klopsen, Klatschen und allerlei Sprüngen gesteigert, und wie wir von Niebuhr?) erfahren, so ist das Klopfen mit den Händen auch bei den Armeniern in ihrem Gottesdienste üblich. Die Sprünge und Tänze der Ssufis in ihren Gebeten haben nriN ~idd by nnr> in m^y Dm imprro nnnd dhd mwyriD "inn b -poim imsD rn nt mnym *030 Ton nan nou Nim nw mmn ]^yb ny bin nw p nriNi mii^Non rinon m mm pmo oDDm monn1?) mm dt.-uD mNnm nibnonn \)dd jhjd idnd mp) — d~n vn ^ddd Nin id'nd pni« jw-w (;d - Dy }D'D O 4) Bibliothek der wichtigsten Reisebeschreibungen. Weimar 1823. B. 35, S. 416. 5) Im Manhig (MO) S. 10 b lesen wir: 'tlNLOl -)ON^ by rfera iony yjyA dhn mw am ca .mrnom nsna om mjD pi * nnoNn mioay bi Vergl. übrigens Ialkut Psalm zu dieser Stelle. Die chaldäische Uebersetzung giebt diese Stelle wörtlich und weiß nichts von dieser talmudischen Anspielung. Kimchi kennt, wie viele andere frühere Gelehrte, ebenfalls diese Erklärung, und findet dieselbe zwar an und für sich gut aber nicht passend für die Bibelstelle. Da Kimchi's Kommentar zu den Psalmen bei den n6ru HiNnpO sich nicht findet und ohne dies nicht häufig ist, so mögen seine Worte hier ein Plätzchen finden. rpin nsw yry-nn ’niDsy ssrpD;n- * rmoNn msyte osnn iniN vi's pi iman nn iki nN"iin? nbonn ruran 3idi ' pr^'D p NVv bn.in DDnn mm jn "N3 .p.iDsn pjj?3 ij U’n ^>3N itnTsn Nin 1) Reisebeschreibung 11, S. 171.

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