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Der Orient · 1844-10-22 · Heft 43 (22.10.1844) · p. Seite 336

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 43 (22.10.1844)
Date
1844-10-22
Page
Seite 336 (sequence 15)
Language
German
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336 ten wird , wenn er überhaupt noch, nach der gütigen Verwendung Montesiore's und nach seinem Trost-- schreiben an die Grenzgemeinden zu uctheilen, zur Ausführung kommen wird; hierauf kam nun die Konskription und ihre oft tragischen Folgen , aber alles dieses verfehlt den Zweck, und die Regierung scheint dieses zu fühlen und sucht nach neuen Mitteln, die 2 Millionen Israeliten aus ihrer Stagnation zu reißen. Kalisch, 2. Oktbr. So eben verbreitet sich hier die Kunde, daß die Regierung entschlossen ist, dem Beispiele' Krakau's nachzuahmen und ein Gesetz zu erlassen, daß Niemand vor dem 30. Jahre.zu heirathen berechtigt sein soll, wenn er nicht die polnische Tracht abgelegt. Wie man sagt, soll dieses Gesetz noch viel strenger ausfallen, da es nicht im Charakter Rußlands liegt, etwas allmalig zu thun. Diese Maaßregel, so schmerzlich sie auch die Gewohnheit Vieler berühren würde, ist eine. wahrhaft civilisirende, und ein großer Theil wirdein solches Gesetz segnen. Aber eine andere Kunde, die man mit dieser verbreitet, ist' viel niederschlagender. Man sagt, daß die Juden aus Warschau nach der Vorstadt Praga gewiesen werden sollen, eine Maaßregel, welche schon früher bei der Polenherrschaft in Vorschlag gebracht worden ist, aber nie ausgeführt wurde. Rußland betrachtet Warschau schon so sehr als eine seiner Hauptstädte, daß es wie Petersburg, Kiew, Moskau u. s. w. darin keinen Juden "hatz^will, und diese Eznlirungen sind es^orzüglich, die Wirtin den Bestrebungen Rußlands befremdend finden. Personalchronik und Miseellen. Die neuen Erscheinungen. Als. der erste Lheil des Schem Ha-Gedolim vor 2 Jahren in Krotoschin von Ehajim PoUak'gedruckt wurde, haben bereits die Freunde der Wissenschaft es herzlich bedauert, daß das Werk in die Hände eines unwissenden Herausgebers gekommen; jetzt hat derselbe den Waad La-Chachamim in Franks, a. M. herausgegeben, und das Bedauern wird sich verdoppeln. Es wäre zu wünschen, daß bei der Herausgabe des Restes durch eine kundige Hand das verbessert würde, was die Unkunde Pollak's vernachläßigt. Möge bald die Zeit kommen, wo die Herausgabe hebräischer Schriftwerke nicht als Medium der Bettelei erschiene. Karl Nauw erk, den das Netz einer maaßlosen Kritik noch nicht umgarnt, spricht im 6. Hefte der „Berliner Blätter" für die Emancipation der Juden. Man kann also ein wahrer Freund des Volkes sein, kann für dessen Hebung kämpfen, und braucht-doch nicht mit Hrn Marcard, Ghillany und Kompagnie die Juden in den Staub zu drücken, oder ihnen einen Laufpaß aus Europa zu geben. Nur die Philister verweisen uns nach Palästina. Egyptisch-persische Antiquität. Die Lit.Gaz. vom 7. September will von einer in der Schatzkammer von Venedig befindlichen Vase wissen, welche eine zweisprachige Inschrift in egyptischen Hieroglyphen und in Keilschrift enthalten soll. Auf Letzterer hat man bereits den Namen Artaxerxes ausfindig gemacht. * . * Die Juden in Holland. In welch hohem Grade die Israeliten in Holland der Autonomie in ihren eigenen religiösen Angelegenheiten genießen, geht aus einem Beschlüße des Königs vom 8. Aug. d. I. hervor, der zur Vervollständigung der Verordnung vom 6. Juli 1817 dient, und demzufolge die Hauptkommission in Sachen der Israeliten so eingerichtet wird, daß bei solchen israelitischen Angelegenheiten, welche entweder blos die portugiesischen oder blos die deutschen Juden betreffen, ausschließlich die Mitglieder der Hauptkommission, welche der einen oder anderen Hauptsynagoge angehören, über dieselben verhandeln und falls die gesammte Kommission nicht die Ansicht der einen Hälfte zum Beschluß erhöbe, die Sache an den Kultmmister zur Beschließung gebracht werden müsse. * * . Paris. Von dem durch Prof. Fra nck in Paris redigirten philosophischen Wörterbuch ist kürzlich Band II. erschienen. * * Lands.b erg. Der Kaufmann Benny B u rch ardt zu Landsberg a. M. hat der Sonnenburger Synagoge einen schönen Vorhang vor der heiligen Lade geschenkt. * * * Rußland. Nach einem vom ruff. Kaiser bestätigten Gutachten des Reichsraths sollen Bet- und Schulhäuser der Juden, die sich in einer und derselben Straße mit den russisch-griechischen Kirchen befinden, 100 Klafter, und wenn sie in der anliegenden Straße belegen, 50 Klafter von deniselben entfernt sein. Bei dem Umbau der hölzernen Bet- und Schulhäuser soll eben darauf geachtet werden. Paris. In der Pariser Acaddes Sciences vom 16. Sptbr. wurde auch eine Abhandlung des trefflichen M)siologen Dr. Pappenheim in Breslau vorgelegt. Dort scheint der wackere Gelehrte mehr Anerkennung zu finden, als in seiner Heimath, wo man ihm sogar die Auszahlung des Gehalts für seine Mühewaltung bei dem physiologischen Institute verweigert. Verlag von E. L. Fritz s che. Druck von I. H. Nagel.

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