Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1844)
- Date
- 1844-10-15
- Page
- Seite 328 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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328 Verkehrenden mehrtägigen Feste bereiten, mögen sie, wie sie wollen und können, selbst zu beseitigen suchen. Wt. Friedland, 25. Sptbr. Zn der Nacht zum 11. dieses M. verzehrte ein von mehcern bis jetzt noch unentdeckten Dieben angelegtes Feuer das Almemar der hiesigen Synagoge. Wenn dies auch der Gemeinde hier einigen Schaden verursacht hat, so haben wir doch so viel dadurch gewonnen, daß das in der Mitte der Synagoge bis jetzt gewesene Almemar nun mit Genehmigung unseres würdigen Rabbiners, Dr. Frankel, vor die heilige Lade gerückt werden soll, wodurch viel Störung beim Gottesdienst vermieden wird. — Von einem Mitglied e unserer Gemeinde wurde vor Kurzem eine in Stettin geschriebene Gesetzrolle hergebracht, um sie der Synagoge als Geschenk zu übergeben; der dortige Rabbiner hat sie angeblich durchgesehen und korrekt gefunden, indessen hat unser Rabbiner sie gesehen und 32 Fehler darin gefunden, so daß man mit Recht gegen die Urtheile jenes Rabbiners mistrauisch wird. In Bezug auf die statistische Tabelle des Hrn. Jolowicz hat es hier befremdet, daß ec unserer Stadt keinen Rabbiner gegeben, wahrend die Städte Hammerstein und Landek, die nie Rabbiner hatten, mit solchen beschenkt wurden. Wir wußten nicht, daß auch die Statistik animos und parteilich schreibt. — - O e st e r r ei ch. Prsrg, 2. Oktbr. (Ueber die Vernachlässigung des Böhmischen.) So liebreich die Juden von den Czechen ausgefordert wurden, die Landessprache bei sich heimisch zu machen, so nachdrücklich ein Artikel in dieser Zeitschrift in Nr. 36 auf den mannigfachen Nutzen der Anwendung dieser Sprache hinzielet, so ist dennoch bisher nicht das Geringste geschehen, was nur im Entferntesten einer Annäherung an das slawische Element ähneln möchte.— Man lobt im Allgemeinen die Idee, und scheut die Realifirung sogar im Einzelnen, größtentheils aus Mangel an Sinn für diese Sprache, aber auch aus elenden Motiven. — Nebst vielen andern seichten Einwendungen glaubt man, dem Interesse des Staates entgegen zu handeln, wenn man sich auf eine Spanne mit dem Volke nähert, man glaubt, es «sei besser das hübsche aus Belohnungen recht geduldig harrende stille Kind zu spielen, das sich durch Frömmigkeit und Bescheidenheit von den übrigen lebhaften Jungens auszeichnet, es sei nicht rathsam, meint man, da ohnehin die Regierung — rc. O Knechtheit, in welchen frommen Gestalten vermagst du dich zu zeigen! — Als die Hefe des hiesigen christlichen Pöbels von Männern aus der Hefe der Menschheit gegen die Juden zur Gewalthätigkeit aufgemuntert wurde, da waren hundert Hände bereit, diese „skandalösen Unternehmungen der Czechen" nach allen Windrichtungen zu verbreiten, und der Israelit, der diese Berichte nun gedruckt las, hatte seine innige Freude daran, wie derb das böhmische Volk^ charakterisirt wurde, ohne zu erwägen, in welche Kategorie von Menschen er sich selber stellt, wenn er alle diese Unterschiedmachereien von seiner und der Christen Seite dem Volke zuschreibt. — Das Volk ist ein ruhiger Spiegel, welcher die Strahlen zurückwirft, die er von der Sonne empfangt, und es iß sehr zu bedauern, wenn weder Jude noch Christ die subtilen Triebfedern einer durchgreifenden Verfassung, wie die unserige, nicht genau durchschaut. — Der Judenhaß ist bei uns berechnete Sache, und gehört eben so gut zum Gleichgewicht des Staates, wie die stehende Kriegsmacht, und diesem humanen Staatsprincipe will der Jude ^nicht einmal —- die Kenntniß. der Landessprache entgegen setzen? — Wohl ist Böhmen nicht Ungarn, aber einmal laßt sich der Geist der Völker nicht aus ewig in Fesseln schlagen, und wenn er einst — selbst eine Ewigkeit nach sinnlichen Begriffen ist endlich — nach dem Verhältnisse seines zusammengepreßten Zustandes aufschellö, dann wehe dem, was ihm im Wege steht. — Und vollends! bietet die Kenntniß der Landessprache der Gegenwart keinen geistigen und pekuniären Nutzen? — Diejenigen, die die Gegenwart für die einzige Weide des Auges und der Tasche betrachten; deren Blick nicht den Zeitraum einiger Jahrhunderte umfaßt, die mögen wenigstens die Früchte der Gegenwart genießen, nicht aber in ihrer Lethargie, blos dem materiellsten Egoismus huldigend, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vergessen. — Freilich, die Sache hat Schwierigkeiten. Wieviele Lektionengeber im Französischen, Italienischen und Englischen würden brodlos werden, wenn dem Juden einmal der gescheidte Gedanke einfiele, statt so vielen ausländischen Krams seine Landessprache zu lernen! — Und dann, wir sind es nun einmal gewöhnt, und das ist die größte Schwierigkeit: Wir werden nicht dazu gezwungen! Ich wende mich an die, deren Standpunkt sie zur Realifirung dieser Idee befähigt, an die Großen, die es im edlen Sinne des Wortes sind, und an diejenigen, die es mit dem Unterrichte der Jugend zu thun Huben, und erinnere blos, daß die Ausstreuung des Guten immer an der Zeit sei, und nie zu früh geschehen kann. Jg. S — f. Druck von I. H. Naget. Verlag von C. L. Fritzsche.