Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1844)
- Date
- 1844-10-15
- Page
- Seite 321 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für > ei» Jahr ist 5 Lhlr. r Mn abonnirtbei allen! M Postämtern und allen solid. Buchhand- . lnngm auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. M42. Leipzig, den 15. Oktober 1844. Inhalt. Ueber die Synagogalreformenin Frankfurt a. M. — Entwickelung der Gebete. Der Gebrauch btt deutschen oder hebräischen Sprache. — Deutschland. Frankfurt a. M. Das Wechselrecht in Beziehung auf die Juden. Historische Entwickelung. M. Friedland. Synagogenverbesserung. Daß Nabbinat zu Stettin. Der Rabbinismus in der Statistik. — Oesterreich. Prag. Ueber die Vernachlässigung des Böhmischen. — LB. d. Or. stlebcr die Synagogal - Reformen zu Frankfurt a. M. (von K—m) Die von allen größeren Gemeinden Israels zur Erweckung I und Belebung des religiösen Sinnes verlangte Reform des 1 Gütlichen Gottesdienstes, ist in unserer Gemeinde unter der S Leitung des R.'s Stein endlich zum Durchbruch gekommen. § Der reiche Antikentempet unserer schätzbaren Liturgie mußte bisher Werthgeschätzte hergeben, um dem Neuen zu machen, und die alten Kostbarkeiten wurden in ein Licht gesetzt und in einer neuen Ordnung ausgestellt, bas Altes und Neues, werthvolle Gebilde der Vorzeit mit § Eckum der Gegenwart nebeneinander stehen. Die beiden § Extreme, welche lieber den morschen Bau des Iudenthums ' seinem gänzlichen Verfall hingehen lassen, ehe sie das kleinste j Ovfer zu seiner .Erhaltung bringen, sind diesen Reformen!ß Wlich entgegengetreren. Der für die alte Synagogalpoesie h begeisterte, dem die „ciklopischen Bauten und die perikleischen tz Kunstwerke" Thränen entlocken, betrachtet jedes ausgeschiedene - Kunstwerk als ein kannibalisches Wüthen gegen unsere nationa- Atterthümer. Auf der andern Seite hingegen will man selbst den wohlklingenden Hymnus rund die leichte blühende l ^va(^e ber täglichen Gebete, formell und materiell nicht mehr ^c^cn lassen. Zwischen diesen beiden Extremen steht der ge- I suube praktische Volkssinn, der für die geistige Anforderung £ ^bgenwart eine Reform der Liturgie verlangt, die aber die hebräische Sprache, den Lebensnerv des Iudenthums, nicht aus der Synagoge bannen, und alle Gebete, die das zweilausendjährige Herkommen heiligte, nicht leichtsinuig hingeben sollen. Und gerade, weil unser Stein zum Th eil aus diese Grundsätze hin reformirte, erfreut sich das Gotteshaus einer zahlreichen Versammlung und viele, die dem Iudenthum ganz entfremdet waren, wallen jetzt freudig in den Tempel des Herrn, um in Chören das Lob des Einzigen zu besingen. Da die hiesige Syn.- Reform wahrscheinlich auch in andern Gemeinden Nachahmung finden wird, so wollen wir über ihre Vorzüge und Mängel treu und wahr berichten, damit die Spreu von dem Waizen gesondert, das Heilige von dem Unheiligen'gereinigt werden könne. Wir glauben jedoch zuvor einige gedrängte Worte über unsere Liturgie im Allgemeinen voranschicken zu müssen. In der ersten Tempelgemeinde finden sich keine Spuren, die aus tägliche, pflichtmäßige Gebete schließen lassen; daher auch nach Maimuni, der das tägliche Beten für mosaisch hielt, die Form, Zahl und Zeit der Gebete rabbinisch ist (H. Tesü. 1). Der Opferdienst war bev öffentliche Kultus, der h au sli che aber war eine willkürliche Ergießung des frommen Gemüthes, je nach der EingcbungdesMoments, in Psalmen und Hymnen. Die ersten Spuren der täglichen dreimaligen Gebete sinden wir bei Daniel (6, 2), die vielleicht im Exil nach einer geregelten Liturgie allgemein ein geführt waren, jfo wie auch eine Synagoge des Daniel im Talmud erwähnt ist (Erubin 21 a). Bei der zweitenTempelgemeinde zeugt die große Menge der 42