Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 41 (8.10.1844)
- Date
- 1844-10-08
- Page
- Spalte 653-654 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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653 Kritiken. Kurze Anzeigen. 654 In einer Grabschrist *) üuf dem jüdischen Gottesacker zu Wien (deren Abschrift ich der Güte des Herausgebers des Parchon'schen Lexikons verdanke) wird gesagt: jibeh mDT .p'Ä non rw piu tp ‘»wd hbd nmn Nun wissen wir aus der allgemeinen Geschichte, daß unter Leopold L. der Feldherr Montecucoli am 13. August 1663 den türkischen Großvezier Ahmed Kiuprili bei St. Gotthard geschlagen und am 10. August 1664 den Sieg davon getragen. Jene Horden, welche unter den Juden zu Ungarisch - Brod solche schreckliche Verwüstungen angerichtet, waren demnach österreichische Soldaten, welche Juni — Juli (non) 1663 gegen die Türken'zu Felde zogen. Da aber die Eroberung Osen's schon 1668 (pV? ribn) erfolgte, so ist die Angabe des Jahres Yen auf der Wiener Grabschrist allerdings noch nicht erklärt. Jedenfalls darf es uns nicht wundern, daß die Juden in Ofen gefangen wurden, da sie keine Freunde Leopold 1. sein konnten, der sie aus Wien nach Ungarn verwiesen und sie gewiß nicht sonderlich Lust hatten, den Sieg des genannten Kaisers zu unterstützen. Ink. Kurze Anzeige«. 63) Predigten und Gelegenheitsreden von Dr. Mendel Heß. Zweite Sammlung. Hersfeld, 1843. Verlag von F. Schuster, gr. 8. 205 S. Der Verfasser dieser Predigten, durch seine amtliche Stellung als Großherz. Weimarscher Landrabbiner, wie durch sinne rZeitschrift „der Israelit des 19. Jahrhunderts", dem Publikum als ein freisinniger, dem Fortschritt und der Reform zugethaner Gottesgelahrter hinlänglich bekannt, legt auch in dieser zweiten Sammlung, wie in der ersten, die 1839 erschien, den erfreulichen Beweis ab, daß er entschieden dieser Richtung treu geblieben ist, und die Gabe, die er bietet, wird den Gleichgesinnten dieser Tendenz gewiß eine willkommene sein. Es ist dem Ref. irgendwo zum.Vorwurfe gemacht worden, daß er bei der Wahl seiner Themata weniger das national - jüdische als vielmehr das menschlichreligiöse Element festgehalten und seinen Zuhörern zu Gern üth geführt habe; ein Vorwurf, den er selbst als wohlbegründet gern unterschreibt, den er aber keinesweges als Tadel betrachten kann. Von seinem Standpunkte und seiner Auf- •*) „Es ist die Grabschrift des nwü 7] 2 DiTDN pDI# von dem unter andern Lobeserhebungen gesagt wird: •»“robn nirw* ^dd nS , b&otsnp xwymp/is? ml .... Yn ’üisnrb mro p’ddd nvi , D^pn nnpbi pirr6 /D’pirn m pN ^pp , mrnen te bäN nn^nrmn n e d n lepn Twy naiai , 2wn mp1? bwoi avuD ]dn: npn rpn , inan no^en irm faffungsweise aus kann Ref. mit der Auswahl in dieser Sammlung sich nicht einverstanden erklären , da unter den 9 Predigten, welche sie enthält, fast alle das nationale Element ausschließlich vorwalten lassen. Innerhalb dieser Auffassung hingegen werden - sie den Erwartungen wohl entsprechen, die man zu machen berechtigt ist; denn überall wird auf das Eine gedrungen, was noth ist, auf erleuchtete Frömmigkeit und Heiligung des Lebens, und diese Grundbedingung durch adcirirre Stellen aus der Schrift, dem Midrasch und Sohar wiederholentlich eingeschärft. — Außer den 9 Predigten sind noch 2 Konsirmationsreden, eine Rede zur Einführung eines Schullehrers, so wie eine andere zur Einweihung des Gotteshauses in St. Lengöfcld gegeben. Sämmtliche Vorträge zeichnen sich durch eine Kürze und Einfachheit aus, die der Wirkung, die sie beim Lesen Hervorbringen, wo nicht, wie beim Hörer, der lebendige Vortrag und die Persönlichkeit des Redners Mitwirken, Eintrag thun und es bedauern lassen, daß des Guten, in welchem andere Produktionen dieser Gattung in Ausführung und rhetorischem Schmucke zu viel thun, hier fast zu wenig gefunden wird; medium tenuere beati. Der Druck ist sehr splendid; sehr störend sind indeß die vielen Druckfehler, namentlich in den hebr. Citaten, die in den Berichtigungen am Schluffe nicht nachgetragen sind und für den unkundigen Leser sehr oft unverständlich werden müssen. — Trotz der kleinen Anzahl der Vorträge haben wir doch ein Jnhaltsverzeichniß derselben nur ungern vermißt. — Wir scheiden von dem Verf. mit dem Wunsche, ihn bald wieder auf diesem oder ähnlichem Wege begegnen zu können. K. 64) Neue Croquis aus Ungarn. Band I und 11. Leipzig, 1844. Druck von I. B. Hirschfeld. Wenn dieses Buch in diesem Blatte besprochen wird, so rührt dies nicht blos daher, daß der Verfasser den ungarischen Juden ein Kapitel gewidmet — das den Lesern aus einer Ser früher» Nummern des Orients bekannt sein wird — als vielmehr, daß der ungarische Adel, der in seiner Überspanntheit mit Hohn auf das Volk herabsieht und die Reste eines Feudalsystems aus der Geschichte nicht ausmerzen will, daß dieser, sage ich, in den neuen Ooquis uns genau, wenn auch bisweilen von einem einseitigen Standpnnkte aus, geschildert wird. Der Adel ist die Centralmacht des Magyarenthums, zugleich aber der Hemmschuh in dem Vorschreiten und der Civilisation des ungarischen Volkes. Er ist ein privilegirter Staat im Staate, sein ganzes Wesen besteht aus alten Privilegien und er kann daher auch nur Privilegien crtheilen, kann es nur zur Ertheilung von Koncessionen bringen, nie aber Jemanden in den Besitz der vollen Freiheit setzen. Wenn die Emancipation der ungarischen Juden auf diesem Reichstage nicht durchgegangen, so ist dies — außer dem Verschulden der ungarischen Juden selbst, die in Preß bürg, dem Landtagssitze, die Spitze des Fanatismus repräsen-