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Der Orient · 1844-10-01 · Heft 40 (1.10.1844) · p. Seite 312

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 40 (1.10.1844)
Date
1844-10-01
Page
Seite 312 (sequence 15)
Language
German
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312 um eines so geringen Nutzens willen, als der ist, seine Eitel-, keit zu befriedigen, es vermag, das Heiligste, den Glauben an einen Gott, von sich zu stoßen, wozu wird der fähig sein, wenn ihm ein größerer bestimmter Vortheil winkt! K. Zu den größten Verbrechen. L. Die Erfahrung hat dies leider bestätigt. Sie trugen kein Bedenken ein ganzes Volk zu verleumden, sobald sie ihren Menschenhaß dadurch befriedigen zu können glaubten. Ihnen ähnlich, gab es Juden und es giebt ihrer lcider noch, die nach ihrem Uebertritte zu einer andern Religion, als die größten Feinde ihrer frühern Religionsbrüder auftraten, auch wenn sie sonst mit allen Kräften für Juden und Judenthum wirkten. Unser Vers spricht auch über sie, die wahrlich den Gottesleugnern nicht nachstehen, ein zwar sehr hartes, aber wahres Urtheil.. K. Sie sind ein Graul mit ihrem Wesen. L. Da ist keiner, der Gutes thue, keiner der aus wahrhaft edler Gesinnung das Edle vollbringt. Wohl siehst du., daß auch hie und da ein Ruhmsüchtiger des Guten ■ viel stiftet, daß er reichlich Almosen spendet unter die Armen, daß er öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten mit großen Summen beschenkt. Doch nur in welcher, Absicht? K. Um Aufsehen zu erregen, um bewundert zu werden. L. Also welche Gesinnung leitet ihn hierbei nicht? K. Andern dadurch wohlzuthun. L. Dies ist nur Mittel zu seinem Zweck. Zufällig aber ists, daß sie edle sind. Würden andre noch mehr seinen Zweck fördern, dann scheuet er sich gewiß nicht, sie anzuwenden, sollte auch das Wohl Vieler darunter leiden. So, meine Kinder, kann der Mensch in dem sonst edlen Streben nach Ehre ausarten; darum wachet über euer Herz, daß es das rechte Maaß nie überschreite. — O, daß diese Unterredung eine Gesinnung in euch weckte und belebte, welche kräftiget, wenn es gilt zu widerstehen den Lockungen eines irdischen Vortheils, auf daß ihr der Lugend treu bleibet, die nur aus edler Gesinnung entspringt; auf daß ihr festhaltet an dem Heiligen, an der Religion eurer Väter, die um jeden irdischen Gewinn euch zu rheuer sein muß; a f daß ihr stark seid auch den heftigsten Versuchungen zum Laster zu widerstehen. F. Cohn. Personalchronik und Miseeüen. Tschechin na. Der Zufall hat einem Judenfeinde aus dem 47. Jahrhundert einen schlimmen Streich gespielt. In den „wundersamen Prophezeihungen für die vornehmsten Staaten Europa's" wollte man einen prophetischen Vers auf das Attentat finden, und zwar lautet der Vers: Tandem seeptra gerit, qui stemmatis ultimus erit: Israel infandum scelus audet, inorte pianduni. Der Prophet aus dem 17. Jahrhundert hielt wahrscheinlich die Israeliten für Czechen; für Deutsch e will man die Juden noch im 19. Jahrhundert nicht anerkennen. Ghi llany's Verleger,.Hr. S chräg, hat den Hrn. Oberbibliothekar durch einen anerkennungswürdigen Fortschritt beschämt. Die gemeine Schrift: das Judenthum und die Kritik, wollte Hr. Schräg nicht mehr in Verlag nehmen. Gewiß, war Hr. Schräg das erste Opfer der Ghillany'schen „Menschenopfer," indem Hr. Gh. über Mangel an Absatz seiner 800 Seiten starken Schrift klagt. Synagogen - Einweihungen. (Monatsbericht). Im Monat August haben einige Einweihungen von Synagogen Statt gefunden. Den 9. Aug. wurde in einem Dorse Oestrich, unweit Jserlohe, eine Synagoge von dem Rabbiner Sutro, der einmal für die Orthodoxie eine Lanze gebrochen, und von dem Kantor Löwenberg eingewoiht. Den 16. und 17. Aug. wurde zu Lauser s w eiler im Kreise Simmern, in der Gegend, wo, wie ich glaube, einmal eine israelitische Schulzeitung gestorben, von Rabb. Auerbach in Bonn eingeweiht. — Den 23. und 24. Aug. weihete die kleine christliche Behörde eine Synagoge zu Neuwied ein; die Juden haben das Ihrige gethan und haben sich gefreut. — Preuß en h in t er Ungarn. Während deutsche Blätter von der Absicht des preußischen Kabinets reden, demnächst ihr Judengesetz zu proklamiren,. in welchem-der Wust der Gesetzgebung für die verschiedenen Provinzen, Kreise rc. wohl etwas entfernt werden, aber wiederum die Pforten des Staatsdienstes den Juden verschlossen bleiben sollen, hat der ungarische Reichstag in seinen Cirkularsitzungen vom 6. 7. und 9. September zwar ebenfalls die von der Kommission vorgeschlagene Gleichstellung nicht angenommen, dagegen folgende Zugeständnisse gemacht: 1) Abschaffung der Toleranztaxe. 2) Erlaubniß auch in den Vergstädten zu wohnen. 3) Erlaubniß in allen königlichen Freistädten, Grundbesitz zu erwerben. 4) Betreibung aller Künste und Wissenschaften. 5) Befähigung zur Advokatur, zum Apothekenbesitze und zum Jngenieurfache. 6) Erlaubniß zur -Betreibung des Handels und der Handwerke, auch mit nichtjüdischen Gehilfen. 7) Errichtung eines Central-Rabbiner-Seminars mPesth. Ueber äsopische Fabeln in aramäischer Spraj ch e findet sich.(von Ink) eine Notiz nebst Proben von dneselben im'Intelligenz-Blatt zur Hallischen Literatur-Zeitung, Nr. 58. — Die Uebersetzung der ersten Makamen des §achkemoni von Dr. I. Kämpf wird bald ausgcgeben werden. Verlag von C. L..Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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