Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 38 (17.9.1844)
- Date
- 1844-09-17
- Page
- Spalte 605-606 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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605 Kritiken. Kurze Anzeigen. Kalender und Jahrbuch von Busch. 606 buches ein, da er den wichtigsten und passendsten Theil desselben ausmacht. Mann könnte zwar die überflüssige Breite der mitgetheilten Aktenstücke, die verarbeitet sein müßten, sowie den losen Zusammenhang der oft chronikartig an einander gereihten Tatsachen tadeln, wenn nicht die befriedigende Lösung der Aufgaben eines Historikers so schwer wäre. Nach der zuverlässigsten Mittheilung muß (S. 7.) berichtigt werden, daß nicht auf die Verstellung des Dr. Wessely, sondern vermöge eines alten bestehenden Gesetzes Religionsvorträge für die jüdischen Hörer der Philosophie, eingeführt wurden. Allerdings ist der Doktor der Rechte hier nicht zu verkennen. 2) Ueber die ferneren Leistungen des Lemberger isr. Gemeindevorstandes, als Fortsetzung der gleichen Rubrik im vorigen Jahrgange. Eine überflüssige Mittheilung, da Alles aus den .jüd. Blättern bekannt ist und es in das Fach des Dr. Philippson gehört. 3) Neuere Fortschritte innerhalb der isr. Gemeinde zu Wien, als Forts, der dahin einschlagenden Artikel in den früheren Jahrgängen. Von I. Wer t h e im er. Von dieser historischen Arbeit kann man nicht ein Gleiches wie von der vorhergehenden sagen, da die Nachrichten über die jüdischen Verhältnisse in Wien in den jüd. Zeitschriften höchst selten erscheinen und die Wiener Gemeinde einen mächtigen Einfluß — durch die mit Wien im Verkehr stehenden Fremden—auf die meisten Gemeinden des österreichischen Kaiserstaates übt. Und nach den mitgetheilten Fortschritten der Wiener Gemeinde har die letztere auch ein wohlbegründes Recht, „als Muster und Antrieb zur Nachahmung zu dienen." Auch muß besonders hervorgehoben werden, daß Hr. Wertheimer, der uns hier mit den Fortschritten der Wiener- Gemeinde vertraut macht, Vielen zum Muster dienen möge, die es unter ihrer Würde erachten, über ähnliche Gegenstände zu berichten. Und doch hat der Jude so viel Rücksichten gegen Außen, die es ihm zur unerläßlichen Pflicht machen, jeden Fortschritt, auf welche Weise er sich äußere, vor die Oessentlichkeit zu bringen. 4) Pia desideria. Von demselben. Der erste fromme Wunsch ist die Gründung eines jüdischen Volksblattes und zugleich ein Verdammen der Gelehrsamkeit, mit der die jüd. Blätter bespickt sind. Hr. W. zeichnet drei Rubriken für das jüdische Volksblatt vor. Die Rubrik 1. har längst ihr Blatt, die Rubriken 2 und 3 werden von andern Blättern amgefüllt. Oder sollte es eine jüdische Naturgeschichte, oder speziell jüdische Entdeckungen und Erfindungen geben? Das Richtigste in diesem frommen Wunsche ist, daß die Neichen und Wohlhabenden ein solches Unternehmen fördern sollten, was aber noch lange ein pium desiderium bleiben wird. Was den Tadel der bestehenden Blätter anlangt, so frage ich blos, wo denn die Gelehrsamkeit, von der jeder Schritt in der Praxis geleitet wird, eine Stätte suchen soll, wenn nicht in den jüdischen Blättern. Uebrigens spiegeln die Archive« Israelites den Charakter der Franzosen ab, sowie die deutschen Blätter das Wesen des Deutschen reflektiren. Unter den übrigen frommen Wünschen. verdient der 5. (Verein für Alterthümer und Geschichte der Juden) am meisten Berücksichtigung und, wie ich hoffe, wird die Redakt. des Orients die Spalten dieser Blätter der nähern Besprechung zur Realisirung dieses frommen Wunsches willig öffnen. 5) Distichen. Von demselben. Ausgezeichnet durch eine schöne Diktion und melodischen Rythmus. 6) Ueber die Mißstimmung der jüdischen Feste. Von Abraham Kohn, Religionsweiser in Lemberg. Dieses Thema wurde zwar schon in der Geiger'schen Zeitschrift behandelt und trägt auch hier einen zu erbaulichen Charakter; doch kann es von reichem Erfolge in der religiösen Praxis sein. 7) Nachman Krochmal, von Dr. L. Zun z. Ein sehr werthvoller Beitrag. Wie uns hier der selige Krochmal vorgeführt wird, nöthlgt uns dessen Geist und Gemüth einerseits Bewunderung, anderseits wahre Verehrung ab. Ein Heller Lichtstreifen durch eine dichte Finsterniß. Merkwürdig ist ein in dieser Biographie mitgetheiltes Schreiben, .worin Krochmal seinen Aergcr über L e o's Hegelingen ausspricht. Wie viel deutsche Juden nehmen diesen lebhaften Antheil an den Revolutionen der deutschen Philosophie.! Auch wird uns das baldige Erscheinen des philosophischen Werkes Krochmal's von dem berühmten Biographen in Aussicht gestellt. 8) Der Segen der Armurh. Von Dr. G. Salomon. Ein sehr glücklicher Gedanke, dessen Ausführung aber sehr viel zu wünschen übrig läßt. Denn anstatt uns, wie in einem Ponorama eine Reihe großer Geister vorzuführen, die trotz materiellen Kampfes auf den Gipfel des Wissens gelangten, werden Jbn-Esra und Mendelssohn mit einer allzugroßen Ausführlichkeit behandelt und bekannte Dinge von ihnen erzählt. Uebrigens weiß auch die jüdische Kanzelberedsamkeit von der Wahrheit des Thema's. 9) Glühende Kohlen. Novelle von Moritz Barach (Jakob Merzroth.) Diese Novelle (?) steht der im vorigen Jahrgange des Jahrb. von Heller mitgetheilten sowohl in der Erfindung als Darstellung bedeutend nach» 10) Die Blutschuld. 11) i-p-j riD1?. Won Dr. M. Rappaport in Lemberg. 12) Orientalische Weisheit (Nach BenGabirol) von Dr.M. Leiteris. 13) Rabb. Dichtungen. Von L. Stein, Rabb. in Frankfurt am Main. Unter diesen Poesien nehmen Stein's die erste Stelle ein. Sie sind mehr heiter und zeichnen sich durch eine leichte, ungezwungene Versivikation aus. Uebrigens schließt die Bevorzugung Stein's den Werth der andern Gedichte nicht aus. 14) Weise Lehren aus dem Talmud und Midrasch, von Abr. Kohn u. s. w. Wenn diese Lehren blos die Talmudfresser überzeugen soll, daß die Talmude und Midraschim nicht so abgeschmackten und albernen Inhalts sind, wie sie so gern behaupten, so ist dies Grund genug zur Aufnahme der Lehren. 15) Des Zeitgeistes Preisfrage. Ein jüdisches Zeitbild vov M. E. Stern. Ein sehr launiges Gemälde, wenn auch der Vers nicht immer ganz rein und manche Bilder (wie „der Verklärung Kerzen") ungefällig sind. Reime, wie s ü h n en und R a b b i n e n, I h.r und Thür, eignen und l ä u g n e n müssen der österreichischen Aussprache, die Thüren zu Thieren macht, nachgesehen werden. 16) Zur Charakteristik des Judenthums, seiner Lehre und seiner Lehrer. Bon Dr. M.