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Der Orient · 1844-08-27 · 35 (27.8.1844) · p. Spalte 545-546

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
35 (27.8.1844)
Date
1844-08-27
Page
Spalte 545-546 (sequence 1)
Language
German
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Meraturblatt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für Wische Geschichte und Literatur. m 35. Leipzig, den 27. August 1844. Inhalt. Studien.^ Das ethische Element im jüdischen Rechte. Von Dr. Wolfgang Wessely. (Fortsetzung.) — Ater. Analekten. Anzahl der hebräischen heiligen Schriften. Die jüdisch-hellenistische Richtung und die judäisch-nationale bei der Feststellung des Kanons. — Kritiken. Kurze Anzeigen. Blatter der Erinnerung von Dr. Kley. Anzezeigt von L. S. — Literarische Ankündigungen. Das ethische Element im jüdischen Rechte. Von Wolfgang Wessely, Doktor der Rechte und der Philosophie, israelitischer Religionslehrer in Prag, Mitglied der historisch-theologischen Gesellschaft zu Leipzig. (Fortsetzung.) Von jener strengen Geschiedenheit, in der das Weib bei den orientalischen Völkern gehalten wird, von jenem argwöhnischen Geiste, der ihre Lage im übrigen Orient so drückend macht, findet sich bei den Hebräern kaum eine Spur. Auf den engen Kreis des Hauses zunächst hingewiesen"', hat die Eifersucht des Hebräers sie doch nicht in die verschlossenen Räume eines Harems gebannt, und ihr auch nicht die Theilnahme an den Ereignissen des öffentlichen Lebens verweigert. Dem vom Schtachtfelde heimkehrenden Helden kamen Frauenchöre mit hellklingendem Spiel im fröhlichen Tanz entgegen 34); Frauen sind es, die das Lob des Helden bringen, und sie sind es wieder, die seinen Tod in Klageliedern beweinen"); und die biblischen Frauen wie Mirjam, Iaol, Debora, Ester und Judit lassen nicht zweifeln, daß Frauen auch in die Stürme des Krieges sich wagen dursten, und selbst der strenge Ernst des richterlichen Berufs sie vom Richteramte nicht ausgeschlossen hatte. Man hat gegen den sittlichen Gehalt der jüdischen Ehe die ihr ursprüngliche Eingehungsweise geltend gemacht. Daß 33) Sprüche 31. 34) Genes. XV,-20. I Sam. XV111, 6. 35) Ieremia IX, l6. die Ehe bei den Hebräern nicht aus dem Begriff sittlicher Liebe hervorgegangen, sagte man, gehe auch aus ihrer ursprünglichen Cingehungsweise hervor, die wie bei den meisten Völkern des Alterthums in einem Kauf bestand — Einem Kaufe aber liege nicht die sittliche Idee der Liebe zu Grunde. Wo das Weib gekauft wird, da ist die Frau nicht die Gleiche des Mannes, sondern die erworbene, die seiner Disposition unterworfene. Aber auch diese Behauptung, daß die Ehe bei den Hebräern durch Kauf geschlossen worden sei, gehört zu den allgemein angenommenen, oft wiederholten, aber niemals erwiesenen, und daher irrigen Hypothesen. — So viel Gewicht auch Michaelis, und mit ihm viele Andere, auf einzelne Stellen und Erzählungen der Schrift, als: Gen. XXIX. XXXIV, 12; Exod. XXIi. 15, 16; Deut. XXI! 29 und Hosea III, 1. 2 und auf die bei der Eheschließung der Hebräer vorkommenden Ausdrücke rup, Dp1?, ““iHD legen, so läßt sich doch daraus ebensowenig wie aus der allgemeinen Verbreitung, welche die Sitte der Kaufehe im Alterthum gefunden haben soll"), auf eine gleiche Eingehungsweise bei den Hebräern schließen. Jakob diente freilich 14 Jahre um die .Töchter des Laban; aber aus ihrer Klage, daß ihr Vater sie wie Fremde behandelt und verkauft habe"), geht deutlich hervor, daß der Verkauf der Töchter nicht die gewöhnliche Form st'ir die Eingehung der Ehe gewesen. — Zu dem hohen Kaufpreis und Brautschatz, den Sichem den Brüdern der von ihm entehrten Dina angeboten, hat ihn, wie aus den klaren Worten der Schrift nicht zu verkennen ist, die leidenschaftliche 36) Schon Aristoteles zählt sie unter die alten, einfältigen und barbarischen Gesetzen: Tovg yä# aQ%ciiov$ vopovg Uav chtlovg slvca xai ßaQßttQixovg (Arist. polit. 2, 8). 37) Genes. XXXI, 15. 38) Genes. XXXIV, 12. 35

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