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Der Orient · 1844-08-27 · Heft 35 (27.8.1844) · p. Seite 272

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 35 (27.8.1844)
Date
1844-08-27
Page
Seite 272 (sequence 15)
Language
German
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272 Juden, und zählen diejenigen Beschränkungen auf, welchen der Jude unterliegen soll. Art. 15 und 16 gestatten den Juden den Betrieb einer Handlung nur mit Erlaubnis) der Regierung. Nach Art. 15 scheint es, als wenn schon diejenigen sich melden und einer Prüfung unterwerfen sollten, welche sich der Kaufmannschaft nur widmen wollen, also beim Antritt der Lehrzeit, welches zu weit führen dürfte. Der Ausschuß glaubt, daß die Art. 15 und 16 zusammenzunehmen seien, und daß der wesentliche Sinn durch folgende Fassung klarer ausgedrückt werden könnte: Juden dürfen die Kaufmannschaft nur mit besonderer Erlaubniß Herzoglicher Landesregierung betreiben, welche zur Etablirung eines neuen, oder zur Uebernahme eines bestehenden Handelsgeschäftes nur dann ertheilt werden kann, wenn a) der Nachsuchende die Kaufmannschaft in einer Handlung von gutem Rufe, oder in einem öffentlichen Handlungsinstitut erlernt hat, Zeugnisse über diese Lehrzeit und sein Wohlverhalten beibringt, und hierdurch oder in einer auf Verlangen der Landesregierung anzuordnenden Prüfung die erforderliche Befähigung zum sachgemäßen Betrieb des zu übernehmenden Geschäftes beurkundet, b) den Nachweis über den zum Geschäft erforderlichen eigenthümlichen Fond von mindestens 1000 fl. rhein., je nach dem Umfang des Geschäftes, beibringt, und c) das Staatsbürgerrecht erlangt. ■ Es wird nach dieser Fassung die Beschränkung selbst in bestimmtem Ausdruck an die Spitze gestellt, und dann erst Verordnung über die Voraussetzungen der zu ertheilenden Erlaubniß getroffen, welche letzteren sich aus das wirklich zu begründende Geschäft erstrecken und die Vorbereitung dazu als beendigt annehmen. Den Vermögensnachweis hat der Ausschuß auf ein Minimum von 1000 fl. herabgesetzt, weil dies zu einem geringen Geschäft ausreichen, und in der höheren Summe eine allzugroße Beschränkung gefunden werden dürfte. Dagegen begnügt die vorgeschlagene Fassung nicht mit der bloßen Qualisication zum Staatsbürgerrecht, wie der Entwurf, sondern erfordert wirkliche Erlangung desselben. Art. 17. Der Ausschuß glaubt aus den zweckmäßigen Bestimmungen dieses Artikels nur Anlaß zu dem Antrag neh- " men zu müssen, daß die Koncessionen nach gleichmäßigen Grundsätzen sowohl rücksichtlich der Zeit als auch, rücksichrlich bestimmter Bezirke regulirt werden möchten, weil die bestehenden Koneessionen in beiderlei Beziehungen sehr ungleich sind. (Fortsetzung folgt.) Perfonalchronik und Miseellen. Paris. Hier macht ein neues Trauerspiel in fünfAkten, genannt Diegarias, von V. Svjour, sehr viel Aufsehen. Die.- garias, der mächtige Minister Heinrichs des IV. von Kastilien, wird zuletzt als ^Jude erkannt. Das Stück spielt im 15. Jahrhundert in Sevilla. * * Aus Wü rtemberg. Im Jahre 1843 haben drei israelitische Gemeinden im Würtemb. zusammen 780 fl. Unterstützung zu Schulbauten aus der Staatskasse erhalten. Gewiß erfreulich. * * * Di e Fortsetzung Bruno B auer^s in der Juden frage. Im Augusthefte von Bauer's A. L.-Z. im dritten „Was ist der Gegenstand der Kritik" überschnellem Aufsatze, ist wiederum von der Judenfrage die Rede. Daß der Vers, seine Meinung nicht geändert, ist natürlich, jedoch ist das schon als Fortschritt zu betrachten, daß keine Persönlichkeiten mehr Vorkommen. Der neue i s r. Wiener Kalender. Dem Vernehmen nach soll auch in diesem Jahre des Jahrbuch höchst interessante Aufsätze enthalten. Ich werde, so bald ich ein Exemplar erhalten haben werde, wie in den frühem Jahren, eine ausführliche Anzeige darüber geben. Colberg. Die hiesige aus 19 Familien bestehende israel. Gemeinde, die sich erst seit 1812 hier ansiedeln durste, hat für 3300 Thlr. einen Bauplatz gekauft und den 7. Mi den Grundstein zu einer Synagoge gelegt. Die Feierlichkeiten waren wie allenthalben. i Unternehmungen. Hr. Dr. I. Barasch in W"-' karest hat vor c. 2 Monaten ein Dampfunternehmen zur Bildung der walachischen, moldauischen und orientalischen Juden, nämlich die Herausgabe eines 20bändigen Werkes, worin alle Weisheit enthalten sein soll, angekündigt. Hr. B. wird sich wohl schon überzeugt haben, daß man durch einen solchen riDDn nicht aufklärt und bildet, und M durch das Zuführen der Israeliten zur Volksbildung bewirkt. Briefkasten. 1. Hrn. M. G—n in Breslau: Ihre Korrespondr».' kann ich nicht aufnehmen, da sie nichts als Schimpft^ enthält und keine Spur von Widerlegung/ Berichte, Ruhe und Urbanität abgefaßt, werden mir willkommen 2. Hrn D. in G.-Kanischa: Ich ersuche Sie um ei>w> genauen Bericht über die Rabbiner-Versammlung in Ungarn, aber ohne Deklamationen, ohne fromme Betrachtungen, $¥l papiecvernichtende Weitschichtigkeit. Verlag von E. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nagel.

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