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Der Orient · 1844-08-13 · 33 (13.8.1844) · p. Spalte 525-526

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
33 (13.8.1844)
Date
1844-08-13
Page
Spalte 525-526 (sequence 7)
Language
German
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525 Kritiken. Kurze Anzeigen. 526 Kurze Anzeigen. 54) Ezechiel, kommentirt von I. Ieitteles und übersetzt von M. E. Stern. Nebst Raschi's Kommentar, einer Uebersetzung der in demselben vorkommenden Fremdwörter und einer Einleitung von Iehuda Lob Ben- Seeb.' Wien, 1842. Gr. 8. v. Schmid und Busch. (Hebräischer Titel.) Dieses Buch bildet einen Lheil der v. Schmid'schen Bibetausgabe, welche den masoretischen Text, eine deutsche Uebersetzung, einen Kommentar (iwa), Raschi und die Erklärung der Fremdwörter enthalt. Die v. Schmid'schen Bibelausgaben haben, weil die Uebersetzung mir hebräischer Schrift umschrieben und der Kommentar hebräisch geschrieben ist, an der deutschen Bildung vieler österreichischer Juden und an deren richtigerer Sprachanschauung einen beträchtlichen Antheil. Bon diesem Gesichtspunkte aus wollen auch diese Uebersetzungen und Kommentare beurtheilt werden, obwohl die Stern'sche Uebersetzung Ezechicl's zu den bessern gehört. Es darf uns daher nicht befremden, daß weder Zunz's scharfsinnige Forschung über Ezechiel noch unseres Fürst's Sprachanschauung, der immer mehr — wenn auch nicht offene Anerkennung zu Theil wird, hier angetroffen werden. — Was die Erklärung der Fremdwörter in Raschi betrifft, so wäre es an der Zeit, sie nicht mit solcher Willkür zu behandeln. Hr. Landau in Prag hat sich unstreitig durch den zur Bibel und zum Talmud viel Verdienst um die Erklärung der sogenannten {$2 erworben z nur ist die Setzung bald eines spanischen, bald eines italienischen rc. Wortes nicht der richtige Weg. Man muß vielmehr alle Wörter auf eine attscanzösische oder provenmalische Form zurückführen, wodurch für das in unserer Zeit mit Eifer betriebene Studium der romanischen Sprachen eine reiche Ausbeute entstehen und die Erläuterung selbst an Klarheit gewinnen würde. Ich will einige Beispiele geben. Ez. 1, 3 ist RH’HDltf'H weder ital. distrazione noch sranz. distraetion, sondern distrezd. Es ist das Verhältnis des später» rnaison zu maiso (vergl. Diez, Grammatik der roman. Sprachen 1, 281). Ez. 1, 13 ist ts/Sn&D nicht splendeur, sondern plendeur, sowie aus üfiaöfiog fpcm. pasmo und aus epistola franz. epitre entstanden ist. Ez. 1, 18 ist in Io für lor, wie no und vo für nos und vos abgekürzt (Diez, i, 87). Ez. 4, 9 muß gelesen werden epieltra au$ tat. und ital. spelta, wie span, tierra aus terra, ital. viene und span, vien aus venit. Ez. 4, 6 ist in (angoisse) § in^ übergegangen, wie jol aus yccvXog oder gaulus. Ez. 6, 10 ist demenier, indem viele altfranz. Verba auf ier endigen (Diez II, 192). Ez. 14, 4 ist nicht me aires, sondern rnis iras; 14, 21 ist vi'tfD'l das alte Particip rernas, nicht remes (demeurer, welches dort angegeben wird, heißt nie übrig bleiben. Ez. 14, 3 kann nicht übersetzt werden „ich Ließ micherbitten", sondern es wird hier, dem Hebr. parallel, die passivische Form im Franz, gegeben. ist das alte Particip repondut— tz. In 'yb^ü'b ist der altfranz. und proven<;al. Artikel Io. Ink. 5») 'lyxn oder: Hofagent Maier, der Jude des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Volksschrift für Israeliten verfaßt von Simon Krämer, Lehrer an der israelitisch-deutschen Schule zu Altenmuhr. Nördlingen, 1844. 16. C. H. Beck'sche Buchhandlung. Mit wahrem Vergnügen gehe ich an die Anzeige dieser trefflichen Schrift für unsere Jugend. Dieser Zweig unserer Wolksliteratur ist noch so kahl, daß jeder Bearbeiter dieses Zweiges Unterstützung und Aufmunterung verdient. Es ist diese Schrift aber auch für Erwachsene, die sich ein anschauliches Bild vom Leben eines wahren Juden des 19. Iahrh. verschaffen wollen, höchst interessant. In der Person des Hofagenten Maier sehen wir einen Mann, der ein sanftes jüdisch-religiöses Leben führt, seinem Glauben die Vortheile der Welt opfert und — was der Hauptpunkt ist — der mit deutscher Bildung und Gesittung innig vertraut ist. Das Familienleben dieses Israeliten wird mit einer solchen Anmuth und Einfachheit geschildert, häusliche Feste wie Brit- Mila und Chanuka - Fest werden so anziehend dargestellt, daß diese Schrift nachhaltiger als alle Religionsbücher auf das empfängliche Gemüth der Jugend wirken muß. . Zugleich wird der junge Leser mit mehren trefflichen Volksschriften, z. B. mit den „Stufengesä'ngen" von Stein, dem „Andachtsbüchlein" von Formstecher, und durch die eingestreuten hebr. Gedichte mit dem Werthe der hebr. Sprache bekannt gemacht. Ich wünsche von Herzen, daß Hr. Krämer ferner für die Lektüre unserer Jugend sorge, und daß die Herren Rabbiner und Lehrer diesen gewandten Jugendschriftsteller kräftig unterstützen mögen. Soll unsere Literatur gedeihen, so müssen Einige geistig, Andere materiell Mitwirken. 56) Les Matinecs du Samedi , livre d’education morale et religieuse, ä i’usage de la Jeunesse Israelite. Par G. Ben Levi, Ancien Membre du Comite communal des Ecoles Israelites de Paris. Avec une Prelace, par S. Cahen, Redacteur des Archives Israelites de Frances. Paris, 1842. 8. Au Bureau des Archives Israel. de France, Rue Pavee, Nr. 1, au Marals. Tome 1 et II. Diese Schrift wurde bereits von mehren französischen Journalen günstig beurtheilt und wir können in das Lob nur einstimmen. Mannigfaltigkeit des Stoffes, eine anziehende Darstellung, eine mit Takt äusgeführte Auswahl und novellistische Bearbeitung der jüd. Geschichte zeichnen sie aus. Die werthvollsten geschichtlichen Bearbeitungen giebt das „Sabbath - Blatt" in deutschen Uebersetzungen, die Hr. Jacobson in Kempen für seine „Bibliothek" vielleicht benutzen könnte.

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