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Der Orient · 1844-08-13 · Heft 33 (13.8.1844) · p. Seite 256

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 33 (13.8.1844)
Date
1844-08-13
Page
Seite 256 (sequence 15)
Language
German
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— 256 — bene Grundursachen wirksam, die nicht so leicht in eine Maffe zusammenfließen. Daher sind noch nicht bei allen Klaffen dieselben Sitten und Gebräuche vorherrschend , und die Gesellschaft kann noch nicht denselben Grundtypus an sich tragen. Doch lasset uns Zeit. — Man hat uns Juden bis nun weder durch strenge Maaßregeln zur Bildung ungehalten, noch durch Vortheile und Vorrechte angezogen. Alles, was wir bis jetzt geworden, haben wir dem eigenen Streben zu verdanken .... Jdeffen geht nicht blos für Odessa, sondern für alle, dem russischen Seepter unterworfenen Juden die Morgenröthe einer bessern Zukunft auf. In der großen Seele des gerechten Nikolai erstand der lichte Gedanke: durch eine mit der Zeit im Einklänge stehende, auf die unerschütterlichen Grundpfeiler: Religion und Sittlichkeit ruhende Bildung, die Juden aus ihrer niedrigen Lage zu erheben und sie allen denen zu nähern, die Leben und Thatkraft erhalten, die im Uebermaaße dem leuchtenden Throne des russischen Herrschers entfließen. Der Allerhöchste Befehl vom 22. Juni 1842, Schulen für die jüdische Jugend zu errichten, und die Berufung einer Kommission gelehrter Juden-'um die wohlthätigen Absichten der Regierung in Bezug ihrer Heranbildung zu unterstützen, erfüllt alle Herzen mit Entzückung und geben uns die Hoffnung, daß wir damit auch unsere bürgerliche Stellung im Staate wieder verbessert sehen. Es sei uns hier erlaubt, die innige Versicherung auszudrücken, daß die Juden, die zu allen Zeiten und in allen Reichen, nachdem sie die Früchte der Wissenschaften genossen, die frühere Treue ihrer Monarchen bewahrt, auch in Rußland den Erwartungen ihres großen Kaisers entsprechen, und sich seiner väterlichen Sorge würdig zeigen werden. Ohne Zweifel gehört auch zu den von der weisen Regierung für die Regeneration meiner Glaubensgenossen vorzunehmcnden Maaßregeln, die Anstellung gebildeter Rabbiner und Prediger, nur hoffentlich wird in dieser Beziehung die Gemeinde Odeffa's nicht die letzte sein. Dann erst werden wir mit voller Zuversicht das Anschließen aller einzelnen Theile der jüdischen Bevölkerung Odessas zu einem Ganzen erwarten können, und dann erst wird anstatt des gegenwärtig schwankenden Charakters ein einziger, beständiger Grundtypus die Gesammtmasse charakterisiren. Denn wer kann der Kraft der Rede wiederstehen, wenn sie dem Orte und den Umständen angepaßt aus reinem Herzen fließt? Wer wird nicht hingezogen vom Beispiele des Volksoberhauples, wenn es begeistert vom lebendigen Gottesworte, das es in seiner Tiefe ergründet, die von der Religion gebotenen Vorschriften nicht überschreitet? .... Dann wird die Gemeinde Odeffa's in der That den altern Städten zum Muster dienen, und die uns früher gestellte Frage, ob die Früchte der Schule der dargebrachten Opfer würdig waren, findet von selbst ihre Lösung. Perfonalchronik und Miseellen. In Heinr. Simon's preuß. Staatsrecht (Breslau, Aderholz 1844) findet sich im ersten Bande Ausführliches über das Verhältniß der Juden in Preußen. ¥ * * In Kassel, wo die Juden nach dem Gesetze emancipm sind, hat sich doch ein Judenbekehrungsverein für's Inland gebildet. — Da bleibt doch wenigstens das Geld im Lande. Auch in Magdeburg wurde wegen der Lebensrettung des Königs von Preußen ein Dank-Gottesdienst in der Synagoge abgehalten, wobei der dortige Rabbiner Philippson me Rede hielt. Gräßliche Mord that aus Judenhaß. Im Dorfe Stein bei Mosbach im Badischen, wurde der 12 Jahre alte jüd. Knabe Hirsch Maas, ein schwächliches Kind, von einem Christenknaben methodisch todtgeschlagen. * * In Korb, Oberarms Neckarsulm im Würtembergifchen, ist, da der bisherige israelit. Lehrer Löwenstein anderswohin versetzt worden, aus Mangel an jüdischen Schulamt s k a n d i d a t e n einstweilen ein christlicher Lehrer cmgtstellt worden. Rechenschaftsbericht des berliner Kultur- Vereins für das Jahr 1843. Am 1. Januar L843 war laut Abschluß der Rechnung, Bestand in Bank-Obligationen 900 Thlr., in Staatsschuldscheinen 200 Thlr., und baar 50 Thlr. 26 Sgr. 8 Pf» Hierzu kamen im Jahre 1843 1 Beiträge der Mitglieder und Eintrittsgelder 9t2 Thlr. 5 Sgr. 2. Zinsen von Staatsschuldschein 4 I. 5 Thlr. 7Sgr> 6 Pf. 3. Für emkassirte Bank-Obligation 100 Thlr. ZiOn derselben 25 Sgr. 100 Thlr. 25 Sgr. Summa 2269 Thlr. 4 Sgr. 2 Pf. — Ausgaben fanden Statt im Jahre 1843: 1. Unterstützungen an Künstler 117 Thlr. 2. Unterstützungen an Gelehrten: u) baar 220 Thlr. b) durch Ankauf ihm Schriften 33 Thlr. 18 Sgr. Zusammen 253 Thlr. 18 Sgr. 3. Kosten der angekauften Bücher zur Verlosung und für die Bibliothek 124 Thlr. 11 Sgr. 6 Pf. 4. Gehalt und Gratifikation an den Boten 59 Thlr. 5. für Miethe, Heizung und Erleuchtung des Sitzungslokals 61 Thlr. 18 Sgr. 6 f\< 6. für verschiedene Ausgaben, als Bibliothekspinde, Mappen, Stempel und Druckkosten der öffentlichen Anzeigen 83 Thlr. 14 Sgr. 7. für einkafsirte Banko - Obligation (viile Einnahme sub 3) 100 Thlr. Zusammen Ausgaben 699 Thlr. 2 Sgr. und Banko-Obligatinn 100 Thlr. folglich blieb gestand am 31December 1843 baar 370 Thlr.2 Sgr., in'Banko- Obligation 800 Thlr., und in Staatsschuldscheinen 300 Thlr. Summa 2269 Thlr. 4 Sgr. 2 Pf. Verlag von E. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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