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Der Orient · 1844-08-06 · 32 (6.8.1844) · p. Spalte 509-510

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Journal
Der Orient
Volume
1844
Issue
32 (6.8.1844)
Date
1844-08-06
Page
Spalte 509-510 (sequence 7)
Language
German
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509 Kritiken. Kurze Anzeigen. 51« Laut ver vor zwei Jahren aufgenommenen Bevölkerungs- Liste war die Gesammtzahl der Einwohner isr. Glaubens 809, und zwar: 1) Männer und Jünglinge über 14 Iahxe 303, 2) Weiber und Jungfrauen - - - 298, 3) Knaben unter 14 Jahren 108, 4) Mädchen - - - 100, Anzahl der Familien 150. Der Haüsir - und Nothhandel wird in den benachbarten Staaten immer mehr beschrankt, und im Lande allein können sich nicht Alle von diesem Betriebe ernähren. Darum widmen sich die Knaben, welche die Schule verlassen, großen Theils den ordentlichen Gewerben. Viele Jünglinge halten fich als Lehrer, Vorsänger und Handlungsdiener im Ausland auf. Viele sind in Nordamerika. Selbst mehre Mädchen befuhren die Wasserpfade, die in die neue Welt führen, wo sie sich mit Jünglingen israelitischen Glaubens aus Deutschland in den Stand der Ehe begaben. Doch ist die Auswanderungstust auch hier erkaltet. (Fortsetzung folgt.) Kurze Anzeigen. 52) nrw mN3n mtoy. Gelegenheitsgedicht zu Ehrendes Hrn. I. Jsler, als das 50jährige Bestehen der Jsler'- schen Schulanstalt gefeiert wurde. Von Schalom K o h e n. Hamburg, 1843. 8. Druck von I. I. Halberstadt. Die Gelegenheit, welche dieses Gedicht hervorrief, wurde im vorigen Jahrgange des Orients, S. 153—154 ausführlich besprochen. Was das Gedicht selbst anlangt, so besteht es aus 11 Sestinen, welche die Verdienste des Hrn. I. Jsler und dessen Feststchen in den religiösen Fluthungen würdigt. Der kräftige Hebräismus zeigt, daß der Sänger des *in -pj noch immer jugendlich-munter ist. 53) rP2fi pvin Gebete und Gesänge zum Gebrauche bei der öffentlichen Andacht der Israeliten. Oder: Bausteine zur Auferbauung eines veredelten Synagogendienstes. Erste Lieferung: Neujahr und Versöhnungstag. Herausgegeben von Leopold Stein. Erlangen, 1840. 8. Ferdinand Enke. Da das Recensions-Quinquennium uns noch die Anzeige dieses Buches gestattet, so wollen wir unsere Leser darauf aufmerksam machen. Die Meisterschaft des „Stufensängers" bewährt sich auch in diesen übersetzten und Originalgebeten. Zwar sind wir weit entfernt, dem deutschen Gottesdienst, der den Gebrauchter hebräischen Sprache ganz ausschließt, das Wort zu reden. 'Allein wo das Bedürfniß nach deutschen Gebeten sich zeigt, da sollte man doch wenigstens viele treffliche, aus reiner Liebesgluth zum Judenthum hervorgegangene hebr. Gebete in Prosa und Versen ins Deutsche übertragen, wie es Hr. Rabbiner Stein gethan, und solche Männer wie Hr. St. zur Abfassung von neuen Gebeten wählen. Wir leiten die Aufmerksamkeit unserer Leser besonders auf das Gedicht zur feierlichen Einleitung des Versöhnungstages (nach der herkömmlichen Melodie des Kol-Nidre, die auch in Noten gesetzt ist), das allein hinreichen würde, dem Verf. einen ruhmvollen Platz unter den religiösen Sängern der Juden zu sichern und können nicht umhin, dieses vortreffliche Gedicht ganz herzusctzen. Strophe 1. O Tag des Herrn! Du nahst — Und das Herz erbebt, Und Schauer fassen die Seele. Sie gedenket ihrer Missethat, Sie gedenket, daß ihr Richter naht Und zittert. — Sie bangt, sie zagt; sie weint, sie klagt Und vergeht in Thränen. Fasse Muth, 0 belastet Herz! Schau' du nur trostvoll himmelwärts! Gütig ist dein Herr, Gern giebt Er Gewähr, Naht, sich auszusöhnen. Herr! Gott sieh', Sieh' meines Herzens Wehen, Und neig' Dein Ohr! Herr, vernimm, Vernimm mein heißes Flehen, Oeffn' uns dein Thor! Nimm weg die Missethat, Oeffn' uns das Thor der Gnad', Und zieh' uns empor. Strophe 11. Horch! die Stimme des Herrn! Er ruft Mit des Abends Wehen Und Andacht waltet und Stille. Brüder hört, wie mild die Stimme tönt! Menschen, ruft sie, Kinder, 0 versöhnt, Versöhnt euch! O folgt dem Ruf! 0 gebt Gehör! Trocknet alle Thränen. Brüder, kommt, 0 kommt heran, Schließet, Schließt euch uns liebend an! Herz soll morgen rein, Rein vom Hasse sein; Eilt, euch auszusöhnen. Horch, wer weint? — Es weinen gekränkte Freunde — Schließt neu das Band! Horch, wer klagt? — Es klagen verfolgte Feinde — Haß sei verbannt! O liebt, wie Gott euch liebt! Vergebt, wie Er vergiebt! Reicht euch treu die Hand.

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