Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1844)
- Date
- 1844-07-16
- Page
- Seite 224 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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liche Handwerker führt ein glückliches, sorgloses Leben; einige haben sehr gut eingerichtete Läden und zählen daher zum Kaufmannsstande. Ich lasse hier das Verzeichniß der jüdischen Handwerker und ihrer Gesellen, nach der im Jahre 1842 amtlich aufgenommenen Liste folgen. Goldschmiede 12, Uhrmacher 9, Posamentirer 12, bei ihnen 38 Gesellen; Schuster 4l, Gesellen 88; Wattenmacher und Buchbinder 14, Gesellen 21; Schneider 110, Gesellen 94; Mützenmacher 33, Gesellen 38; Glaser 14, Gesellen 17; Bäcker 8, Gesellen 3; Blechschmiede und Zinngießer 34, Gesellen 36; zusammen 278 Meister und 335 Gesellen. Außerdem hat auch Odessa zwei jüdische Optiker und zwei jüdische Steinschneider. Es versteht sich von selbst, daß in diesem Verzeichnisse nur solche Handwerker eingetragen sind, die nach Ablegung ihrer Meisterschaft in die Zunft ausgenommen worden. Winkelarbeiter, die ohne Wissen der Zünfte Handwerke treiben — giebts in großer Menge. Die Juden treiben noch in Odessa Gewerbe, die sie in andern Städten des Kaiserreichs nicht beachten; ein Beweis, daß die Juden auch vor den mühseligsten Arbeiten nicht zurückschrecken, wenn sie ihnen nur einen ehrlichen, wenn auch kümmerlichen Erwerb verschaffen. Ich meine die am Hafen mit Aufhäufen und Aufschütten des Getreides beschäftigt sind. Wie die Mäkler, sind diese Arbeiter nur für bestimmte Häuser in Anspruch genommon, genießen in ihrer Art das volle Vertrauen ihrer Herren, welchem Volke diese auch angehörten. Zu Schauflern (des Getreides) werden fast ausschließlich Juden verwendet. Zu Hunderten kommen sie des Sommers aus den westlichen Gouvernements, um für den Lagelohn von 40 Kopeken Silber in Odessa zu arbeiten, obgleich die Meisten dieser Tagelöhner in ihren Wohnorten in die Kategorie sogenannter ordentlicher Wirt he und Bibelkundigen gehören. Es ist ein rührender Anblick diese größtcntheils bejahrten Tagelöhner in den heißesten Tagen auf freier Straße ihre Arbeit verrichten, und ihre schwere Last mit Versen aus der heiligen Schrift oder mit Talmudsprüchen sich erleichtern zu sehen. Ich gestehe, solche Austritte rührten mich oft zu Thränen . . . . Andere zu einer niedrigern, wenn auch eben so ehrenhaften und arbeitsamen Klasse gehörigen Juden sind in den Steinbrüchen außer der Stadt beschäftigt, und es giebt kein einziges öffentliches Gebäude, keine einzige Kirche, zu welchen nicht die Juden im Schweiße ihres Angesichts Steine geliefert. Bei solchen Gelegenheiten sich seine ehrliche, wenn auch kümmerliche, Nahrung zu erwerben, ist es nicht zu verwundern, daß die Zahl der Faktore (Zwischenträger) in Odeffa sehr beschränkt, und die Vorhandenen völlig unschädlich sind. Die Jüdinnen beschäftigen sich in Odessa gewöhnlich mit der Wirthschaft und treiben keinen Erwerb, daruin kann man beschäftigten Jüdinnen nur auf dem Markte oder in den Gastereien begegnen. IV. Es giebt in Odeffa drei Synagogen, die aber gegenwärtig verfallen und deswegen geschlossen sind. Die Gemeinde beschäftigt sich eifrig mit der Herbeischaffung hinreichender Summen, um würdige Gotteshäuser erbauen zu lassen. Außerdem giebts noch eine den Schneidern gehörige Synagoge, — dann eine andere Privatsynagoge, von der Elite der Gemeinde unterhalten, und nach dem Muster der deutschen Tempel mit regelmäßigem Chorgesange versehen, - dann zwei sogenannte warme (?) Synagogen (Bet Ha-Midrasch) — und wegen der Schließung der eben erwähnten Synagogen gegen 30 Bethäuser (Minjanim). Die Gemeindeeinkünfte belaufen sich auf 32000 Silberrubel. Sie werden von der Verpachtung des Koscherflcischverkaufes bezogen, wöchentlich werden 100 Pud (1 Pud hat 40 Pfd.) verkauft. Der Ertrag des Pachtschillings wird zu folgenden Ausgaben verwendet: Für Steuern und Lasten für alle jüdischen Inwohner ohne Ausnahme . . . . 6600 S.-R. Für Rekrutenaushebung . . . ♦ 1000 - Zur Erhaltung der Gemeindeschulen . ♦ 7845 - Für ein jüdisches Spital mit 60 Betten ♦ 6200 - Für den Bau der Synagoge jährlich . . 2000 - Zusammen 23,000 S»-R. Der Rest wird für die Bestreitung der Kosten der Kohalskanzlei, für die Gehalte der Gemeindediener, des ners, des Religionslehrers, des Kantors u. dergl., wie aich für wohlthätige Zwecke verwendet. (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miseellen. Die Aufstände in Böhmen. Die Fabrikarbeiter in Böhmen haben sich nicht so leicht zur Ruhe bringen laßen. Wie in Simchaw (einem Dorfe bei Prag) und Prag, st ß jetzt in Reichenberg und böhmisch Leipa Unruhen. Ä letzterer Stadt wohnen viele handeltreibende Juden, die aber zu den gebildetesten in Böhmen gehören, was zwar nicht irnmer wider die Rohheit des Pöbels schützt. E i n E n g l ä nd er, der jüngst von dem Einflüsse der Juden auf die Kultur Europa's sprach, zählte Rösti"'' Ole Bull u. m. a. Christen zu den Juden. Wird's nm Ende faschionable fein, Jude zu heißen? Es kommt mellet | bald die Zeit, wo man, anstatt einen Bürger in den AdelM , zu erheben, ihn zur jüd. Korporation zählen wird. Verlag von C. L. F ri tz s che. Druck von I. H. Nagel.