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Der Orient · 1844-06-18 · Heft 25 (18.6.1844) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 25 (18.6.1844)
Date
1844-06-18
Page
Seite 200 (sequence 15)
Language
German
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2C0 solches Exemplar ^), das nun bald seine silberne Hochzeit feiert. In dieser Erklärung wird der furchtbarste Bann ausgesprochen gegen jeden, der seine Waare nicht auf der Tamoärrie verzollt oder der nur veranlaßt, daß der Zoll veruntreuet wird. In Bann wird gethan der Kommissionär, der solche Waare auf Anderer Rechnung führt, der Makler, der sich dabei betheiligt, der Spediteur, der darauf Geld leihet, überhaupt Jeder, der etwas davon weiß und Nutzen daraus ziehet. Das Rabbinat und der Vorstand erklärt, daß sie die Sünden der Defraudation als die größte Sünde gegen das Judenthum, als das Verbrechen der Entweihung des Gottesnamens, welches kein Gebot der Religion gut machen kann, an sehen und sie beschwören alle Bekenner des Judenthums in Rußland, der Furcht vor dem strafenden Gott, der Leiden Israels eingedenk zu sein und auch die entfernteste Veranlassung zu verhindern. Sie verbieten, daß Jemand Kleider tragen soll, die von unverzollten Waaren gefertigt; Niemand soll zu einem Kaufmanne gehen, der in dem Verdacht steht, mit verbotener Waare zu handeln und ein Wehe ertönt gegen Alle, welche durch Handlungen gegen das Wohl des Staats Israel in den Abgrund der Schmach und der Leiden stürzen. Man kann kaum ohne Erschütterung, ohne Wehmuth jene Erklärung lesen. Unterzeichnet ist jener Bann und jene Erklärung von den fünfRabbinatsmitgliedern: Israel Leyzerowicz, Chackiel Feywisz Wolfowicz KaLnodLiey, Eliasz Mordachowicz, H i r sz M e i e r o w i cz R a ppaport, I zr ael. B enj am in W o! sowie z Lipszyc und von den fünf Mitgliedern des Vorstandes: Jzrael Percowiez Klaczko, Jcka Szymchowicz Kacenelenboym, Szymel Jzraelowicz Joffe, Gabriel Mayzel, Judel Tobiaszowicz Grodzienski. .Der Kaiser Alexander war mit dieser Erklärung zufrieden; ec dachte: die Rabbiner verabscheuen die Defraudation, die Religion verbietet es ebenfalls, die Synagoge legt den Defraudanten in den Bann, mögen meine Beamten wachsamer sein und das Nacbrichteramt üben. So dachte Alexander. Vier und zwanzig Jahre sind seitdem verflossen, manche fromme Männer, welche jene Erklärung Unterzeichneten, stehen vor dem Throne Gottes, um dort für die. Wahrheit ihres Wortes Rechenschaft zu geben, aber wir stehen noch auf demselben Punkte, und wäre nicht seit zwei Jahrtausenden die Hoffnung unsere einzige Standarte in der Zerstreuung, wahrlich man könnte verzweifeln. Unser Herrscher will das Gute nicht hören und die Verläumdung ist aus dem Grabe erstanden; Alexander ist nicht mehr und der Judenhaß hat ein kurzes Gedachtniß. Da kam es nun, daß man der Regierung jetzt das vor 24 Jahr Geschehene vorge¬ *) Richtig erhalten. Red. halten, um wenigstens einen nackten unmotivirten Haß über uns ergehen zu lassen, und diese Erinnerung war Veranlassung zu jener Kunde. Personalchronik und Miseelleu. Hamburger G emeindeverh ältnisse. 2fn die Stelle des ausscheidenden Vorstehers Herrn John Besit ist am 24. Mai Hr. I. Ph. Roe als Vorsteher der hochdeutschisraelitischen Gemeinde getreten. Hr. Ree gehöre zur neuen isr. Lempelgemeinde. * * Auszeichnun g. Herr Dr. Letteri 6 in Prag isr wegen seiner hebräischen Uebersetzung des Homer von der Universität zu Erlangen mit dem Doktor-Diplom beehrt worworden. Hr. Lettens hat bekanntlich bedeutende Verdienste um die neuhebräische Literatur. * * Ansteckendes Beispiel. Das bedauerliche Beispic! in Geseke hat in dem Dorfe Störmeden, 4 Stunde von dg, Nachahmung gefunden. Auch hier hat der Pöbel an den Wohnungen der Juden in der Nacht vom 10—11. Mai allerhand Verwüstungen angerichtet. Die Priesterschaft trägt auch hier die Schuld. * * * Neues aus Darmstadt. In Darmstadt soll dic Bitte um Gestattung einer gemischten Ehe für den Soh» eines angesehenen Juden abgeschlagen worden sein. * * 1 *; Glossen über Intoleranz. In Hamburg wird die Nichtaufnahme der Juden in die Versammlung der ehrbaren Kaufmannschaft noch immer sehr stark glossirt; so z. B. im Freischütz, wo auf das leuchtende Beispiel Londons, des ostindischen Kommerziums und der Kaufmannschaft Manchester's verwiesen wird. Wird sich der Hamburger schämen? D en u n c iat i on. Wie die modernen Juden überhaupt ausschließlich Christliches knechtisch nachahmen, haben sie auch angefangen, das Handwerk förmlicher Denunciationen und, Verdächtigungen einflußreicher Männer zu treiben. So hat ein Recensent eines trefflichen Aufsatzes „über Heilquellen und Bäder, und den Gebrauch derselben bei den alten Hebräern" den Verfasser, Hrn. Dr. Wessely in Prag, de? nuncirt, den Ausdruck „Heiland der Welt" gebraucht zu haben. Wie wortgläubig! Druck von I. H. Nage l. Verlag von C. L. Fritzschc.

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