Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1844-06-18 · Heft 25 (18.6.1844) · p. Seite 193

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 25 (18.6.1844)
Date
1844-06-18
Page
Seite 193 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2360092-2360310-2360336--4510-3530399
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Fünfter Jahrgang ♦ Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbll Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von , dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Üiteraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 1844, Leipzig, den 18. Juni Inhalt. Oesterreich. Wien. Die Verdienste der H. H. Todes co, Rabb. Horwitz und I. Deutsch. Semplin. Die Emancipationsangeltgenheit. Die galichchen Juden. Prag. Fortschritt. — Deutschland. Frankfurt ^a. M. Die bevorstehende neue Wechselordnung. H a m b u r g. Zur Palästina - Spenden - Frage. M e k l e n b ur g - S ch w e r i n. Kultuswesen. Hamburg. Vortheil eines deutschen Christen über die norwegische Judenfrage. Braunschweig. Die Rabbiner-Versammlung. -Polen und Rußland. Wilna. Der Bann gegen die Schmuggler-Geschichte desselben. — Personalchronik und Miscellen.— LB. d. Or Oesterreich. Wien, 28. Mai. Nach einem langen Brachjahre des Schweigens erscheine ich endlich wieder vor Ihnen, jimt) zwar gedrängt von dem unbezwinglichen Antriebe, einen heiligen Tribut innerer Gefühle abzulragen, und die edeln Züge eines' seltenen Mannes zu entwerfen, von welchem zwar in Ihrem geschätzten Blatte schon beiläufig gesprochen wurde, dessen schönes Charakterbild aber, den Rahmen eines eigenen abgeschlossenen Referates in vollem Maaße verdient. Dieser Mann der Menschenfreundlichkeit, des Edelsinns und der Großherzigkeit ist der gegenwärtige an d. sel. M. B. Biedermann's Stelle kreirte Vertreter der hiesigen Israeliten, Herr Herrmann Todesko, und ich schmeichle mir, Sie werden mir freudig die Raume Ihrer Spalten austhun, um seinen Verdiensten die Krone der Würdigung aufzusetzen. Ein Mann wie H. Todesko, überschüttet mit dem reichsten Gottessegen und der Fülle der Glücksgüter, dessen Herz die heilige Weihe der Religion seiner Väter in sich trägt, so daß er täglich schon sehr frühe, im Gewände des Zeremoniells, sein brünstiges Gebet vor seinem Schöpfer verrichtet, und der, trotz dem, daß er einer der ersten Neigenführer und Barometer an der Börsenhalle ist, an Sabbat- und Festtagen resignirend von jeglichem Geschäftsgänge sich zurückzieht, ist ein religiöses Meteor unsres Säkulums und .verdient es und muß und soll sogar jenen Reichen und begüterten zum Vorbilde ausgestellt werden, die ob der Gabe des Gebers, ob der Spende des Spenders alsbald undankbar vergessen, von jeder Tempel- und sonstigen Gemeinschaft mit ihren Glaubensbrüdern kalt und indifferent sich zurückziehen und zu sprechen sich nicht entblöden: „Wir haben keinen Theil mehr an David und kein Erbe am Sohne Jsai's!" Ein Mann wie 5;). Todesko, der bestrahlt von der Sonne heitern Glückes im Schooße blühender Verhältnisse weilet, und dessen volle Brust glühendheiß für das Heil seiner Glaubensbrüder schlägt, ist es würdig und soll und muß jenen Neichen als Musterbild vorgesührt werden, die stumpf und egoistisch in ihren Karossen und mit Livreedienerschaft paradirend dahinrollen, Balle und Koncerte frequentiren, ohne sich je ,,um den Ursprung zu kümmern, dem sie entquollen und um den Fels, aus welchem sie gehauen^. Ein Mann wie H. Todesko, der von dem Gipfel seines begünstigten, gedeihlichen und beneidenswerthen Standpunktes, mit der innigsten theilnehmendsten Rührung brüderlicher Anhänglichkeit, auf das Elend, den Drang und die Noch seiner armen gebeugten Glaubensgenossen mit' thränendem Auge niederschauc, dem Darbenden sein Brod bricht, dem Lechzenden seinen Trank reicht, dem Verwaisten ein Vater ist und dem Hilflosen ein Stab und eine Stütze; und dabei anspruchlos aus jeglichen Dank verzichtend, bescheiden sich zurückziehc, verdient es und soll und muß jenen begabten Reichen, als Leuchte und Spiegel vor Augen gerückt werden, die selbstsüchtig und fühllos in ihren Kabinetten sich einschließen, taub für das Flehen des gramgequälten Mit- 25

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.