Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1844)
- Date
- 1844-05-28
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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173 [ yntccfudjt werden, ob sie die von einem dem Lehrstande ge- 1 widmeten Subjekte erwarteten Kenntnisse und Geschicklichkeiten \ besitzen, hingegen ihre eigentlich jüdischen Retigionskenntnisse [■ Mt Gegenstand der Prüfung sein." Diesen gesetzlichem Schwanken conform ist auch der faktische Zustand unserer Religionsschulen; der Willkür, dem ■ Zufälle sind sie hingegeben und diejenige Gemeinde kann sich : Jülich preisen, die einen Geistlichen besitzt, der für die Wich- - tigkeit des Religionsunterrichts begeistert ist und Fähigkeiten genug besitzt, solchen einzurichten. Hr. Rabbiner G. hat sich hier in -unserer Gemeinde für den Religionsunterricht mit einer solchen Begeisterung, hingegeben, daß er die Hemnisse! innerhalb der Gemeinde, wie die Entbehrung des schützenden l Gesetzes, leicht besiegen konnte. Mehrfache Bemühungen des \ Ober-Vorsteher-Kollegiums, eine Anstalt für die Gesammtges mcinbe zu errichten, in welcher die Jugend beiderlei Geschlechts \ einen zweckmäßigen Religionsunterricht erhalte, scheiterten an \ der Schutzlosigkeit einer solchen Anstalt, und als dieses Kolle-? gium 1842 sich den Schutz der hohen Behörde erbat, daß die i Pflicht zum Besuche der Anstalt von Seiten des Staates aus- ■ gesprochen und das Recht zu Exekution der Schulgelder erthcilt werde, so wurde Beides abgeschlagen. Bei diesem Zu- ' stände entschloß sich Hr. Dr. G. im März des verg. Jahres, eine Privatanstalt für den Religionsunterricht zu errichten, wozu das O -V.-K. ein Lokal unentgeltlich dafür bewilligte, §. und das Kassenwesen auch unter seine Aufsicht nahm. Den | 7. Mai 1843 wurde diese Privatanstalt, in 6 Klassen (3 für Knaben und 3 für Mädchen) getheilt, eröffnet, und Hr. Dr. t' Geiger übernahm selbst einen großen Lheil des Unterrichts, indem er von Dr. M. Levy sich bei manchen Gegenständen! ersetzen ließ. Gleich bei der Eröffnung waren 136 Zöglinge, | und zwar 78 Knaben und 58 Mädchen, und seitdem hat sich l' die Zahl der Mädchen um 11 vermehrt. Daß bei den Par- I leiungen in der Gemeinde im ersten Jahre der Entstehung £ einige Schwankungen vorkamen, ist natürlich - indeß umfaßt \ jetzt die Schule 170 Kinder, und mit dem neuen Semester ist [ eine neue Klaffe für Knaben, nämlich eine Entlaffungsklasse l eingerichtet worden. Ich schließe meinen Bericht mit den l Worten des Hrn. G. in seinem Programme: 1 „So mag denn das neue Schuljahr mit Her Hoffnung be-; ■ pnen, daß die Schwierigkeiten, welche einem gedeihlichen Re-? ligionsunterrichte von Außen wie von Junen entgegenstehen, tm Laufe desselben, wenn auch nicht ganz gehoben, so doch theilweise beseitigt werden, auf daß ein Geschlecht erzogen; werde, freudig im Glauben, kräftig in Sitte und Zucht, treu i '■ und bieder! Coblenz, 20. Mai. Die Rhein- und Moselzeitung ent- : ^'lt Folgendes: Die Kämpfe in der jüdischen Religion, durch - welche in diesem Augenblick auch bei ihr sich eine Herstellung des Wesens aller Religion aus der tiefen Erkrankung durch das überhand genommene Ccremonialgesetz empor zu ringen l'ucht, haben anderwärts manche Erscheinungen starren Widersiandes von Seiten der geistig Verknöcherten hervorgerufen — sollten sie nun in unserer Gegend ein todeswürdiges, barbarisch verübtes Verbrechen erzeugt haben? In Immendorf (zur Bürgermeisterei Ehrenbreitstein gehörig) zog sich ein kürzlich daselbst gewählter und eingesetzter jüdischer Religionslehrer, Jakob Tobias Schatz, 43 Jahre alt, aus Bialystok, durch seine Polemik gegen das ceremoniale Zuviel den Haß der Orthodoxen zu; ihre Vorwürfe vermochten nicht, seine geistige Selbstständigkeit zu erschüttern. Den weitern Vorgang vermittelt nun das Gerücht, um das später Erfolgende, bereits gerichtlich Festgestellte, verstehen zu können. Am Freitag Abend soll, dem Gerichte nach, der Religionslehrer in der Schule, nach starken Ausfällen auf das starre Ceremomalwesen, heftig geschlagen worden sein. Er verließ die Schule und kehrte auf Beschicken nicht dahin zurück, indem er ankündigte, daß er die Gemeinde und den Ort verlassen wollte. Gewarnt, nicht über Nacht im Hause zu verharren, war er so unvorsichtig, zu äußern, daß er nach Arenberg (auch in der Bürgermeisterei Ehrenbreitstein) gehen und im Gasthofe zum rothen Hahn schlafen wolle. Soweit die Sage. Jetzt das Feststehende: Etwa um 94- Uhr Abends verließ in Arenberg einer der Gäste des Gastwirlhs Klee das Haus, kehrte aber alsbald zurück und theilte den noch Versammelten mit, daß er draußen ein Stöhnen und Klagen gehört habe. Der Wirth meinte zwar erst, dies könnte von einem durch den Wind bewegten, in den Eisenangeln stöhnenden Fensterladen herrühren, doch auf jenes Mannes feste Versicherung, es müßten Menschentöne sein, verließ die ganze Gesellschaft mit brennender Laterne das Haus, hörte deutlich das Stöhnen, ging ihm nach, kam auf den Weg nach Immendorf, und begegnete einem Immendorsen Juden, der auf Befragen erzählte, er gehe von Ehrenbreitstein über Arenberg nach Immendorf, habe das Stöhnen auch gehört und sei aus Furcht umgekehrt. Bald fand man am Wege den Immendorfer Religionslehrer, sterbend, und zwischen einer Zahl Steine liegend, die über Kopfgröße hatten. Ein Mann richtete des Sterbenden Haupt auf, da zog er, ohne zu sprechen, den letzten Alhemzug und war verschieden! Die gerichtliche Obduktion brachte die Erklärung der Sachverständigen zuwege, daß er an zwei absolut lethalen Wunden am Hinterkopf und an der linken Schläfe gestorben sei. — Wer l)at ihn getödret? D ä n e m a r k. Altona, 20. Mai. In dem großen, sehr ausführlichen Aufsätze in dem Hauptblatte des Orients Nr. 20, der die Überschrift: „Zur Judenfrage in Norwegen" führt, wird unter Rubrik 42—44 (S. 168) der Gelei tsbriefe für Moritz Lichten he in aus Altona gedacht, und da hierin Einiges zu berichtigen ist, so erlaube ich mir, hier Folgendes mitzutheilen. Der erwähnte Kaufmann heißt nicht Moritz L i ch te n h e r n, sondern Moses Abraham Lichten he in und ist Schwiegersohn und Associö des alten Bankierhauses Amsel