Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1844)
- Date
- 1844-05-14
- Page
- Seite 160 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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160 solche keineswegs von der Reichsversammlung als eigentliche Principien, das ist: Grundsätze, auf welche die übrigen Vorschriften des Grundgesetzes, als auf einer gemeinschaftlichen Basis ruhend, — angesehen worden, sondern nur als einzelne : Bestimmungen, worüber man sich vorläufig als eine Art Ausgangspunkt für die Komiteen,. denen die Abfassung des Entwurfs der Konstitution übertragen war, vereinigt hatte. Von ihrer äußeren*) Beschaffenheit allein konnte es darum abhängen, inwiefern sie etwas mehr als ein Leitfaden für die Konüteen bei der Ausführung der ihr übertragenen Arbeit, ob sie allgemeine Principien werden sollten oder nicht. Unter diesem Gesichtspunkte kann unmöglich eine so einzelne und isolirte Bestimmung, als die fernerweite Ausschließung der Juden aus dem Lande, unter dem Begriff eines Verfassungsprineips gestellt werden. Auch die Form dieser Bestimmung bezeichnet sie mehr als eine Ausnahme oder Einschränkung des allgemeinen Grundsatzes, der freie Religionsübung ausspricht, denn als selbstständige Grundregel. Außerdem ist dieselbe, man möge sie nun als Grundsatz oder Ausnahme betrachten, augenscheinlich aus einem Jrrthum hervorgegangen. Der Amtmann Pulsen selbst — Mitglied nicht nur der konstituirenden Reichsversammlung, sondern auch der Komiteen, die den Entwurf des Grundgesetzes abfaßten — ist in diesem Betreff der zuverlässigste Zeuge.. Derselbe erklärt, daß die Grundidee, welche die Reichsversammlung zur Annahme. der fraglichen Bestimmung bewog, sich darauf stützte: daß die jüdische Religion nichts als Haß und Verachtung gegen Jeden, der sich nicht zu ihr bekennt, athme —* eine Ansicht,' die zu jener Zeit wirklich so ziemlich Volksmeinung war — und darauf, daß die Juden nach der dermaligen Gesetzgebung von dem Lande ausgeschlossen seien, was gleichfalls allgemein geglaubt ward, so daß die Gesetzgeber selbst, schon lang vor dem Grundgesetz — Wie Christianssand's Privilegiem vom Jahre 1738 Nachweisen — von dieser Meinung angesteckt waren. - (Fortsetzung folgt.) ') Sollte das nicht ein Druckfehler sein und heißen müssen: von ihrer inner n Beschaffenheit? A. d. Ueb. Perfonalchronik nnd Miseellen. Auszeichnung. Der russ. Kaiser hat dem (Kaufmann?) Jtzrael I. Arnstein aus Grodno eine am St. Annen-Orden zu tragende Medaille verliehen, weil er für ein adeliges Fräuleinstift Arbeiten im Werthe von 27,000 Rubeln unentgeldlich geliefert hat. 'Statistisches aus den Lagblättern. In dem Verlag von .C. L. Fritz sche. . Regierungsbezirke Bromberg wohnen jetzt 29,^88 Juden. In Konstantinopel mit Inbegriff des Umkreises der Stadt stu man 100,000 Juden antreffen. Die I ud e n t n Mannheim. Die jüdische Gemeinde in Mannheim hat bei den Kammern um Gleichstellung der badischen Juden im Staats- und Gemeinde-Wesen petitionirt. Vertrauensvoll sehen die Israeliten Badens auf die Kammern, um endlich eine Lösung dieser Zeitfrage zu erwartan. Der Kultur-Verein i n B e r t i n. Am 15. April fand die General-Versammlung des jüdischen Kultur-Vereins statt. Eswurde über die Einnahme und die Verwendung derselben ein ausführlicher Bericht abgestattet, worauf ein fröhliches Mahl mit humoristischen Vorträgen der Herren DD. Weyl und Lövenstein erfolgte. W o h l t h ä t i g k e i t s - A n st a l t e n in Berlin. Im April d. I. erschien der eilfte Jahresbericht von Barnch Au er bach's jüdischer Waisenerziehungsanstalt für Knaben. Dieses Institut besteht nunmehr 11 Jahre und enthielt zuerst nur 4 Knaben. Der unangreifbare (sogenannte eiserne) Fonb .desselben besteht jetzt aus 28,969.Thlr.; die zugesicherten Jahresbeiträge betragen 1241 Lhlr. — Die Zahl der' Zöglinge belief sich am Anfänge des Rechnungsjahres auf 15, von denen zwei zu Goldarbeitern in die Lehre gingen; hinzu kam nur einer. Von den übrigen 14 wird einer wegen besonders trefflicher Anlagen auf's Friedrich-Werdersche Gymnasium geschickt. Im Ganzen betrug die Jahreseinnahme vom 1. April 1813 bis 1. April 1841 die Summe von 4253 Lhlr. 13^sgr. Die Ausgabe 2526 Lhlr. 21 sgr. — Die Stiftungsfeierfaiib am 30. April statt. Andere g e m e i n n ü tz i g e S t i f tu n g e n. Dahin rechnen wir den von Michael Beer, einem verstorbenen Bruder 'von Meyerbeer und Wilhelm Beer in Berlin gestifteten Preis für die plastische Kunst. Die Konkurrenzarbeiten müssen bis zum 11. September 1844 eingeliefert werden. Der, dessen Werk den Preis erhält, erhalt, ein Reisestipendium nach Italien- * * Ständisches. Die Petition des israel. Kaufmanns Simon Mendel Heine zu Hitzacker, den (ihm untersagten! Handel mit Kolonialwaaren betreffend, ist von der zweiten hannöverschen Kammer unberücksichtigt gelassen worden. - Gleichzeitig ist an dieselbe eine Petition der Vorsteher der Handelsinnung der Residenzstadt (Hannover) eingereicht worden, die Ausnahme des jüdischen Kaufmannes Daniel Heinemann in die Innung betreffend. Druck von I. H. Na g e l.