Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 15 (9.4.1844)
- Date
- 1844-04-09
- Page
- Spalte 225-226 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Lrteraturblalt des Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jü-ische Geschichte un- Literatur. Jl? 15» Leipzig, den 9. April 1844» Inhalt. Literatur-Berichte. London. Leipzig. Preßburg. -— Kritiken. Berichte über die neuesten Leistungen der kritischen Schule: Kerem Chemed — Studien. Bibliographische Notiz über verschiedene Ritualien und besondere Gebetsammlungen. Von L. Dukes. (Forts.) — Jur neuesten Geschichte der jüd. Gemeinde zu Berlin. (Forts.) — Literarische Ankündigungen. Literatur-Berichte. London, U März. Aus meinen bisherigen Berichten werden Sie bereits ersehen haben, daß es zumeist das Feld der biblischen Literatur ist, das hier bebaut wird, und auch dies nur zumeist von christlichen Gelehrten. Ueber Mangel an literarischen Hilfsmitteln kann man doch in unserer Stadt nicht klagen, und doch vermißt man unter den hiesigen Juden jene Regsamkeit und Beweglichkeit des Geistes, welche auf irgend eine Weise die jüdische Literatur zu fördern sucht. — Für heute mache ich Ihre Leser auf nachstehende Werke aufmerksam: 1) Life and Times of the Prophet Samuel. By a Grandfather. London, 1844. 8. und 239 S. (5 sh.); 2) The Englishman’s Iiebrovv and Chaldee Concordance of the Old Testament; being an Attempt at a Verbal Connexion betvveen the Original and their Occurrences. 2 Vols. London, 1844. f. und 1778 S. (4 £ 14 sh. 6 d.) Diese Konkordanz hat zunächst für uns englische Juden ein bedeutendes Interesse, und auch vielleicht für Sie. Leipzig, 2. April. Von den neuen erwähnenswerthen Erscheinungen auf dem Gebiete der jüd. Literatur und Geschichte erlaube ich mir folgende zu nennen: Kenacm, Volks¬ und Religionsgeschichte Israels. Von Cäsar von Lengerke, Prof, an der Univ. zu Königsberg. Th. l. Bis zum Tode Iosua's. 52 Bogen, gr. 8. Königsberg. Gebrüder Bornträger. — Ein jügerer Rothschild wird ein censurfreies Werk über Plato herausgeben. — Der Reformverein wird nächstens eine dritte Erklärung , veröffentlichen. — Dr. Ludwig Philippson giebt von Ostern ab eine religiöse Wochenschrift (für alle Konfessionen) in Halberstadt heraus. Eine bedeutende Nachlese auf dem Gebiete der jüdischen Tages- Literatur werde ich nächstens liefern. Preßburg, 4. März. Sie wundern sich, daß Sie von dem hiesigen literarischen Leben nichts vernehmen, daß von den Bewegungen auf dem Gebiete des Geistes hier auch nicht ein Laut ihr Ohr trifft? — Ist Ihnen denn unbekannt jenes deutsche Sprüchwort „wo Nichts ist, da hat auch der Kaiser sein Recht verloren", geschweige denn der Fürst! — Sie vernehmen nichts von dem literarischen Leben hier, weil auch wir nur sehr wenig davon wissen! Die Juden Ungarns offenbarten nie eine besondere Regsamkeit im Gebiete der Literatur, waren nie glänzend oder hervorstechend am Horizonte jüdischen Wissens, vollends gar jetzt! Das Lalmudische kann nicht mehr recht gedeihen, weil man auch hier schon die Lust zu demselben verloren hat und es nur von sehr Wenigen gepflegt wird z die kleine Zahl derjenigen hingegen, die zur bessern Erkenntniß erwacht sind, und an allgemeiner oder jüdischer aber nichttalmudischer Literatur theilnehmen könnten, thun auch sehr wenig zur Hebung unter den Juden, und zwar weil diese Wenige größtentheils an der in Ungarn jetzt grassirenden Exaltation leiden und von der MagyaroManie hingerissen in der ungarischen Sprache alles Heil, alles Wissen und alle Bildung zu finden glauben, und wir fürchten, daß so wie es uns früher allgemein zum Vorwurfe gemacht ward, daß der Jude den Menschen absorbire, in unserem Vaterlande bald der Magyar den Menschen wie den Jud e n absorbiren wird. Es ist allerdings löblich, daß der Jude sich dem Lande, das ihn freundschaftlich aufnimmt und human behandelt, eng anschließe, dessen Sprache zu erlernen, dessen Geist sich eigen zu maä)en suche, aber Alles mit Maaß! nicht so sehr übertrieben! — Doch, das war leider von jeher des Juden Unglück, daß er nie Mittelwege, immer und immer nur Extreme kennen wollte! Liegt das etwa in seiner Narur Z 15