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Der Orient · 1844-04-09 · Heft 15 (9.4.1844) · p. Seite 113

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 15 (9.4.1844)
Date
1844-04-09
Page
Seite 113 (sequence 1)
Language
German
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Berichte, Studien und Kritiken fÜ C Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Mr. Mn abonnirt bei allen lobst Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Heraus gegeben von Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblattmitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. RA» Leipzig, den 9. April _ 1844. Inhalt. D eutschland. Posen. Parallele zwischen dem Loose der Grenzjuden und der Katholiken. Das Projekt einer Mrbau-Kolonie. Altona. Oeffeutliche Rechnungsablage des Dr. Steinheim. Preisaufgabe. Altona. Die LehrenPche Angelegenheit. Schulwesen. Das Hartwig'sche Vermächtnis Neustrelitz. Die Judenfrage. Aus Baiern. Die Rabbiner-Versammlungen. Königsberg. Industrielle Thatigkeit der preuß. Juden. Sonders Hausen. Schulwesen. — Die Juden in Galizien. Eine Skizze. (Forts.) — Die Judenfrage in Norwegen. (Forts.) — Personalchronik und Miscellen. — LV. d. Or. Deutschland. Posen, 25. März. Im Vordergründe alles Interesses in unserer Gemeinde steht noch immer das ungewisse Schicksal der russisch-polnischen Grenzjuden, da mm hier, trotz alles Redens der Zeitblätter, weder von wirklichen Milderungen, noch gar von einer Aufhebung des Ukases, etwas vernimmt, sondern im Gegentheil vereinigen sich alle Mittheilungen von der Grenze dahin, daß jenes Gesetz, bis auf eine unbedeutende Verlängerung der Frist, mit Strenge in Ausführung kommen wird. Die lügnerische Verbreitung einiger müßiger Korrespondenzen, daß das Haus Rothschild sich für die Grenzjuden bei den Machten oder bei Rußland verwendet, daß es in seiner Verwendung glücklich gewesen, so daß der Ukas in der That ausgehoben worden sein soll, daß ferner dieses Haus Hrn. Dr. H. zu einer Mission für die Juden bestimmt, um einen großen Theil der armen Glaubensgenossen zu Ackerbau-Kolonien zu verwenden, alle solche und ähnliche Mittheilungen sind, wie ich Ihnen bestimmt versichern kann, Erfindungen der Lobredner jenes Hauses oder der korrespondirenden ^üssigganger. Das Einzige, was uns dieses Gerede gebracht, ist den momentanen Neid der Katholiken, die >lch noch verlassener glaubten als die Juden. Härter und rücksichtsloser als gegen die Juden wlrd von Rußinnd gegen den Katholicismus verfahren. Die Juden werden nur ihrer irdischen Güter beraubt und von ihrem heimathlichen 5pcetbe gejagt, durch materielle Schlage blos werden Viele zum Heidenthum der orientalischen Kirche getrieben; der Katholicismus aber wird verfolgt mit der rücksichtslosen Wuth des religiösen Fanatismus; drei Millionen unirte Katholiken sind mit Peitschenhieben zum Altäre des russischen Heidenthums gejagt worden, so daß noch jetzt Tausende von gewissenhaften Priestern heerdenlos umherirren; die Güter der katholischen Geistlichkeit in Polen sind von der Krone weggenommen worden, so daß nicht nur die größte Abhängigkeit, sondern auch der Abfall erzielt werde. Und dem Katholicismus ist in den Machten Europas kein Helfer erstanden l Aber die Katholiken mögen sich trösten, auch wir haben keinen Fürsprecher gefunden. Das Haus Rothschild war nicht, was man ihm unterlegt, und die renommirende Mission zur Förderung der Ackerbau- Kolonien läuft, wie die Lilienthals, auf eine Charlatanerie hinaus. Rothschild scheint überhaupt mit seinen Wohlthaten kein Glück zu haben; die geschenkten 100,000 Frank zur Gründung eines Hospitals und einer Schule in Jerusalem werden im Seckel des Hauses bleiben und Zinsen tragen, da nichts daraus geworden, und selbst die Schenkungen an die Frankfurter Gemeinde werden nicht realisirt. — Dem Wiederabschlusse eines Cartels sehen wir mit Bangigkeit entgegen; denn obgleich gerade unsere Glaubensgenossen den geringsten Vorrheil von dessen Aufhebung gezogen, so bat doch der Gedanke, daß man die Grenzlinie unsere Brüder wie mit einer chinestsischen Mauer absperrt, etwas Betrübendes. — Daß die Wahl des Hm S. zum Rabbinatsbeisitzer in Berlin 15

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