Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1844
- Issue
- 14 (2.4.1844)
- Date
- 1844-04-02
- Page
- Spalte 223-224 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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223 Literarische Ankündigungen. 224 und fragen, warum ich nicht in die Stadt darf?" — Der arme Jude aber wagt es nichr, den Blick zum gnädigen - Herrn Polizeimann zu erheben, und er kehrt der Stadt den Rücken und von Dorf zu Dorf wandernd kreischt er schmerzlich: „Nicht zu handeln!" Des Abends spät kehrt er wieder zum „Rehbock" zurück um zu ruhen und seine Glaubensgenossen von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Aber kein Jude ist beim „Rehbock" zu sehen, und auch unser Jude wird zur Thür hinausgewiesen, denn der Gastwirth hat den polizeilichen Befehl bekommen, keinen Juden Obdach zu geben, weil die Juden am folgenden Tage wieder Passirscheine in die Stadt verlangen. Da irrt der Jude in die kalte finstere Nacht hinaus und weint heiße Thränen, weint blutige Thränen des Schmerzes und der Verzweiflung: „Die Gojim haben uns verboten, im Lazzenhof zu stehen, sie haben uns verboten, die Stadt zu betreten, und jetzt verbieten sie uns die Nacht zum Niederlegen!? Und wir müssen herumirren, wie herumirrt das verlassene Schiff auf großem Gewässer, und wir flehen umsonst zu Jehova, denn er hört uns nicht, weil er verschlossen hat das gnadenreiche Ohr vor den;Söhnen Israels! Erfüllt ist, was der Ewige zu Moses sprach: Ich will meinen Zorn wider euch richten, daß ihr geschlagen werdet von euren Feinden, euere Hasser werden über euch Gewalt ausüben und mein Wesen wird Eckel an euch haben!" Stöhnend und jammerd, gepeitscht von Verzweiflung irrt der Jude herum, bis er endlich todesmatt in einer Fctdftwche zusammensinkt. Sein Haupt glüht, seine Glieder zittern vor Frost, der Jude bekommt ein heftiges Nervenfieber und am nächsten Morgen findet man ihn bewußtlos und todtkrcmk. Er wird von barmherzigen Christen in eine Scheüne getragen und nach einigen Tagen stirbt der Jude wie er gelebt hat — elend und verzweifelnd. Sein letzter Hauch ist ein Gebet und ein — Fluch!!! Ist kein jüdischer Poet unter uns, der mit makkabäischer Wuth all' dieSchmerzenslaure dieses gedrückten und geschundenen Juden in einem Rachcgesang vereinigte?! O es gäbe ein ungeheures Lied, ein Lied, das zum Himmel steigen würde, ein Lied, das selbst Steine erweichen müßte! Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden Anzeigen aller Art, besonders in so weit sie jüdische und orientalische Geschichtc und Literatur betreffen, gegen Sgr. für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. [33.] Im Verlage der Alexander'schen Buchhandlung in Wöllstein ist erschienen, und durch Herrn C. L. Fritzsche in Leipzig wie durch jede solide Buchhandlung zu beziehen: nn;n:?i iöd oder Notiz- und Erinnerungs-Puch, für Haus und Familie. Ein nützliches und brauchbares Büchlein für jedes Haus, um in dasselbe etwaige vorkommende Geburten, Trauungen, Sterbefälle und sonstige Familien-Angelegenheiten zu notiren. Nebst Siebenzigjährigen Grinnerungs-Tabellen .zum Behuf eines Rückblicks in die Vergangenheit, so wie Siebenzigjährt•;i;en Vergleichmrgs - Tabellen der jüdischen mit der üblichen Zeitrechnung von M. Kloppstock. Preis mit beiden Tabellen cart. 8 Sgr. —- mit einer Tabelle — 6 Sgr. Letztere können einzeln a 3 Sgr. bezogen werden. [34.] Bei C. L. Fritz sch e in Leipzig ist in Kommission zu haben: rnri rfen vid Tefilatli Mattere©!* oder Reise - Gebetbüchlein. Neu hecausgegeben mit vielen Vermehrungen. Geheftet 1£ Sgr. [35.] Bei M. I. Landau in Prag ist so eben erschienen: Talmud ln gi*. 8, mit allen Kommentarien, herausgegeben von M. I. Landau. 2C. Bd. (Berachot.) Wir machen darauf aufmerksam, das diese Ausgabe aus 33 Bden. bestehend, nun schnell ihrem Ende genähert wird. Der Preis für alle 33 Bde. ist: Dmckp. 37^ Thlr. Schceibp., 50 Thlr. Velinp., 75 Thlr. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.