Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1844)
- Date
- 1844-04-02
- Page
- Seite 105 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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fünfter Jahrgang Berichte, Studien und Kritiken; Das Abonnement für ' ein Sßfyfc ift 5 Thlr» : Man abonnjrt bei allen ) IföU Postämtern und allen solid. Buchhand-! langen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. §/>' Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. M 14. Leipzig, den 2. Ap<il L844. Inhalt. Deutschland. Franks, a. M. Der Reform-Verein. Franks, a. M. Die Palästina-Spenden. Schreiben aus Jerusalem. Meklenburg-Schwerin. Reform. Anfrage. Franks, a. M. Eine neue jüd. Zeitschrift. Altona. Ein Werk von Steinheim. Berlin. Die Grenzjuden. Stettin. Vermischte Nachrichten. H i l d b u r g h a u fe n. Klage und Antwort. — Oesterreich« Prag. Der Direktor Waniczk. Die Ludenfleischkreuzer. Preß bürg. Die Judenemancipatian. — Die Juden in Galizien. Eine Skizze. (Forts.) — Die Juden frage in Norwegen. — Personalchronik und Misccllen. — LB. d. Or. Deutschland. Frankfurt a. Mt., 15. März. Der Reform- Verein, dessen sichtbarer Wirkungskreis sich vordecsamst nur auf die Abschaffung der Beschneidung beschrankt, sieht seinem humanen, nur Eintracht und Familienglück befördernden Streben, ein neues Hinderniß entgegentreten, das nicht der abgelebte Rabbinismus in seiner aschgrauen Gestalt, sondern die freundlichen Gebilde der Gegenwart Hervorrufen. Wir verstehen hierunter die Frauen, deren Widerspruch um so gefährlicher für die Pcincipien und Tendenzen des R. V.'s ist, da ihre sanften Worte oder ihr noch gefährlicheres Zürnen, die stärkste Willenskraft der Männer zu besiegen pflegt. Wir haben schon viele Frauen gesehen, die sich den religiösen Grundsätzen ihrer Männer nicht unterworfen haben, und in der philosophischen Kühle und im Wirbel und Strudel der Genüsse keinen Ersatz finden für die aufzuopfernden sanften Regungen der religiösen Gefühle, zu denen das weibliche Gemüth sich vorzugsweise hinneigt; am stärksten aber giebt sich ihre Religiosität bei der Beschneidungsfrage kund, wo sie eine kräftige Opposition ihren Männern entgegensetzen. — Folgender Vorfall, der sich diese Woche in unserer Gemeinde ereignete, stellt ihren echt religiösen Sinn ins beste Licht. Ein Mitglied unserer Gemeinde-Verwaltung, weigerteweit zugleich Mitglied des R. V.'s, an seinem neugebornen Knaben den Akt der Beschneidung vollziehen zu lassen; die Gattin wandte alle Mittel der Ueberredung an, um von ihrem Gatten die Erlaubniß zur Beschneidung zu erhalten. Aber selbst die körperliche Schwäche einer alle mögliche Schonung erfordernden und besonders vor jeder Gemüthsaufregung zu wahrenden Wöchnerin, kn welchem Zustande eine liebende Behandlung und Nachgiebigkeit die heiligste Pflicht des Mannes ist, mußte, der verbindenden Kraft eines Paragraphen der Reform-Statuten wegen, in den Hintergrund treten, und „man muß konsequent sein" war der tyrannische Tagesbefehl, welcher die zartesten Gefühle den allgemeinen, hohen Zwecken unterwirft. Was aber das thränende Auge und die sanften Bitten der Gattin nicht erlangen konnte, das erhielt denn doch endlich die drohende Perspektive einer gänzlichen Auflösung zarter Liebesbande, und der zornige Ernst der Gattin bewirkte soviel, daß der Vater, wenn auch nicht gänzlich in die Beschneidung einwilligte, aber denn doch — das Feld räumte und den religiösen Akt geschehen ließ, ohne jedoch durch seine Anwesenheit dich heilige Weihe zu sanktioniren. Solche beglückende Zerwürfnisse und ein solches Sw tut, das die brennende Fackel der Zwietracht in das hei: lige Familienleben schleudert, um Kinder von Eltern, Gatten von Gattinnen, Brüder von Brüdern zu trennen, ist das Resultat eines Vereins, dem Vernunft und Fortschritt die einzigen Gottheiten sind, denen seine Mitglieder Treue schwören müssen. Wie wir hören, beabsichtigt der R. V., damit sein Princip von den weiblichen Opponenten keine Gefahr mehr zu befürchten habe, den Verein auch auf die Frauen 14