Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1844)
- Date
- 1844-03-19
- Page
- Seite 96 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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schwenden, in der üppigsten Wollust ihren Wanst pflegen und allen Sünden nachgehen, Lm Uebrigen ihre Blicke nur jenseits hm wenden, und am besten wissen, was Gott dem Vater, und nicht minder Gott dem Sohne angemessen sei. Man ist so niederträchtig, uns für den Genuß der Lust Abgaben auszulegen; die Lhore vieler Städte und ganzer Gegenden sind vor uns versperrt; und wenn auch der eigentliche Handel uns ganz frei steht, das neue Gesetz, das Ausüben aller Handwerke uns erlaubt, und wir nun Fabriken aller Orten frei errichten dürfen: fo hat der elende Neid uns Hindernisse genug aufzuthürmen gewußt, welche die Handelsfreiheit oft wesentlich beschränken, das in den letzten Augen sich walzende Zunftwesen hat noch Kraft genug, die Entwickelung unserer Lhä'tigkeit zu hemmen, hingegen, wo wir einmal Fuß gefaßt, dort weichen wir nicht so bald, und nicht nur können Christen in solchen Fächern, die bis jetzt ausschließliches Eigenthum, der Juden waren, nie mehr Glück machen, sondern auch von denjenigen Handwerken, die erst angefangen von Juden betrieben zu werden, sind christliche Meister oft gezwungen, sich zurückzuziehen, oder jedenfalls sich keines solchen Ertrages mehr zu erfreuen wie bisher. Die voriges Jahr in Pesth stattgefundene Industrieausstellung gab vielen Juden Gelegenheit, ihren Fortschritt an den Lag zu legen, und bei der bald wieder eintretenden hoffen wir auch, daß sie nicht ausbleiben, vielmehr sich in großer Anzahl einsinden werden. Mehre Fabriken, durch Juden errichtet, haben Erstaunliches geleistet, und manchen Zweig menschlicher Betriebsamkeit erst neu in's Land eingeführt, und so manchen Kanal der Ausströmung unseres Vermögens versiegen gemacht. Aber die bedeutende Höhe, die der ungarische Handel in neuester Zeit erreicht, hat man ausschließlich jüdischen Kaufleuten zu verdanken. Sowohl der Kleinals der Groß-Handel, sowohl mit den Ereignissen des Bodens, als mit den durch die ^Kunst vervollkommten, die Einfuhr nicht minder als die Ausfuhr steht fast bei den Juden ein. Und wenn sie lesen, daß sich eine Stadt hebt, so können sie versichert sein, daß sich viele Juden dort niedergelassen, und einen Handel geschaffen haben. Das tägliche Steigen Pesth' s, Aradt' s, Kanischa' s und andere Orte, haben sie außer andern auch gewichtigen Ursachen großentheils auch den Juden zu verdanken, und die günstige Lage, wie nicht minder die bedeutendsten Vorrechte waren nicht im Stande Debrezin, S t u h l w e i ß e n b u r g, C a s ch a u jene Wichtigkeit zu verschaffen, zu der sie berufen sind, da die Engherzigkeit der Einwohner Juden , entfernt hielt, welche die Vortheile, chie jeder Ortschaft bietet, am besten auszubeuten wissen. — Das Zutrauen der Einwohnerschaft wendet sich überall den jüdischen Kaufleuten und Handwerkern zu. Die höchsten Herrschaften, die eifrigsten Modejäger hoffen ihr Heil von den Juden. Fast alle Gerichtsbarkeiten, alle öffentlichen Vereine lassen ihre Bedürfnisse von Juden decken; jüdische Kaufleute liefern am billigsten und am besten, jüdische Handwerker arbeiten am schnellsten und am geschmackvollsten. Aber der angestrengeste Fleiß und die glücklichsten Anlagen sind höchstens den Fluch zu mildern im Stande, ihn ganz aufzuheben keineswegs; daher die völlig unbemittelte Klasse, besonders in den Gegenden, welche die Natur nicht bevorzugt, sehr groß ist und der Barmherzigkeit ihrer Brüder anheimfallenb, entweder in ihrem Wohnungs- Ort kümmerlich dahinsiechen, oder gezwungen sind, den Bettelstab zu ergreifen, und mitunter auch zu stehlen. Leider bietet unser Vaterland ein trauriges Schreckbild dar, wie unnatürlich und von welch' bösen Folgen begleitet jede Einschränkung der Gleichheit sei; es giebt bei uns eine systematisch organisirte, über das ganze Land ausgebreitete, meist aus Juden bestehende Gaunerbande, die regelmäßig auf jedem Jahrmärkte sich repräsentiren läßt, und im Einverständniß mit den unmittelbaren Aufsehern ihr Handwerk ausübt! Und sind sie nicht zu entschuldigen? Zu Handel hätten sie Anlagen, da fehlt es ihnen an Geld; Handwerker dürfen sie keine werden, weil es dumme Gesetzgeber gab; in Fabriken findet man keine Arbeit, weil es keine giebt, so hatten sie keine andere Wahl als Bettlen oder Stehlen. „Wann wird einst die alte Wunde narben." I. S. Friedmann. P ersonalchronik und Mrs cell eir. Die Juden an der russischen Grenze werden in der Hamburger Neuen Zeitung, bei Gelegenheit des Purimfestes, besungen. Ueberhaupt zeichnet sich dieses freisinnige Blatt durch eine loyale Gesinnung gegen die Juden aus. * * D i e Verfasserin der „Jenny" wird von dm meisten belletristischen Blättern gerühmt. Die beste Kritik über diesen Roman hat unstreitig B. Auerbach in der „Europa" geliefert. Das Haus Rothschild hat seit kurzer Zeit sehr bedeutende Summen zu wohlthätigen Zwecken gespendet. Se hat Hr. Salomon v. Rothschild, nachdem er das Recht erhalten, in Mähren und Böhmen Güter kaufen zu dürfen, der Stadt Brünn 100,000 fl- und einem milden Institute in Wien neuerdings 2000 fl. geschenkt. Seit einem Jahre belaufen sich die vom Hause R. an Juden und Christen geschenkten Summen auf beinahe 250,000 fl. Die Logik der Dame Augsburgerin ist trotz des aristotelischen Organon. Sie äußert ihr Bewundern darüber, wie die Korrespondenten in den Zeitungen das Loos der Jude?, an der russischen Grenze so grell malen konnten, da doch nur die Maaßregeln zur Ausführung des Ukascs getroffen wurden! Die Juden hätten zuerst aus ihrer Heimath vertrieben werden, im Elend herumirren sollen, dann hätte vielleicht ihr Unglück der politischen Dame eine Lhräne des Mitleids emloct't. Eine trefflich Rede von Dr. Saalschutz über die Erhaltung Israels durch sein Gesetz, findet sich in Nr. 1! des Sabbat-Blattes. Verlag von C. L. Fritz s che. Druck von I, H. Nagel.