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Der Orient · 1844-03-19 · Heft 12 (19.3.1844) · p. Seite 89

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Journal
Der Orient
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 12 (19.3.1844)
Date
1844-03-19
Page
Seite 89 (sequence 1)
Language
German
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Fünfter Jahrgang ❖ Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. fü u Mische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Uff. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich 'das Literatur bla tt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. J|(p 12v Leipzig, den 19. März _ 1844s Inhalt. Orient. Jerusalem. Dr. Macgowan über die Juden. — Italien. Rom. Eine alte neue Sitte. — Deutschland. Leipzig. Dr. Hirschfeld. Aus Baiern. Ackerbau unter den Juden. Auswanderungen. Rabbinate. Berlin. Das Aeitungsgeschwatz über den Talmud. Franks, a. M. Die Beschneidungsfrage. Königsberg. Jordan. Vereine. Berlin. Schelling über die Juden. Sch's Methode talmudisch. — Oesterreich. Preß bürg. Die Verhandlungen über die Emancipation. Pefth. Bittschrift der Jsr. Ungarns an die Stande. Preßburg. Die 2C. 2i. A. Das erwachte bessere Streben. — Nord am eri k a. New-York. Cremieux. — Die Juden in Ungarn. Eine Skizze. (Schluß.) — Personalchronik und Miscellen. — LB. d. Or. Orient. Jerusalem, 1. Januar. Die Juden in Jerusalem, welche Haus und Hof mit der hiesigen Noch vertauschen, die fast die ganze Zeit dem Studium des vielverschrienen Talmuds widmen, bilden gewiß die Spitze der talmudischen Orthodoxie: und sind diese Juden Jemstlem's von Haß gegen Nichtjuden durchdrungen? — Man lese folgenden Auszug aus dem Schreiben des Arztes Macgowan — welches das „Morgenland" veröffentlicht — und urtheile. „Am 14. Juli — schreibt Hr. Macgowan — ritt ich, wie gewöhnlich, von meinem Diener begleitet, über den Bazar (Markt), um mich nach Bethlehem zu begeben, wo die schwererkrankte Gattin des Hrn. Whiting, eines achtungswürdigen amerikanischen Missionars, meiner. Hilfe bedurfte. Vor einer Bude hielt ich still, um mir eine Melone zu kaufen. Eine Anzahl türkischer Soldaten stand um mich herum, und sing an, auf mein Pferd loszuschlagen. Zuerst ließ ich es geschehen, da aber mein Pferd dadurch stutzig und unlenksam wurde, führte ich mit meiner Reitpeitsche einen Hieb hinter mich, um der Sache los zu werden. Sogleich stürzten die Soldaten auf mich los, rissen mich vom Pferde, warfen mich zu Boden und schlugen mich mit Fäusten und Stöcken. Glücklicherweise gelang es mir, wieder auf die Füße zu kommen, denn sonst würde ich unter ihren Händen das Leben eingebüßt haben. Aber ich stand in der Mitte eines gedrängten Haufens, aus dem ich selbst mich unmöglich herauswickeln konnte, und der nicht aufhörte, mich von allen Seiten mit Schlägen zu überschütten. Da bemerkte ich aber einige Jud.en, wie sie mit den Soldaten rangen und sich bemühten, mich aus ihren Händen zu befreien. Die muthvolle Beihilfe, welche diese Männer mir leisteten, wird mir unvergeßlich sein, und menschlich gesprochen, verdanke ich meine Lebensrettung diesen Juden. .... Nie aber werde ich die außerordentliche Theilnahme vergessen, welche die Juden ohne Ausnahme bei dieser Gelegenheit bewiesen haben. Ich habe schon erwähnt, wie bei dem auf mich gemachten Angriffe ich der thatigm Beihilfe einiger Juden meine Rettung verdankte. Mehre Tage nachher, wenn ich durch das Judenquartier meine Gange machte, umdrängten mich die Juden, kamen aus dm Häusern heraus und küßten mir nach orientalischer Sitte die Hand, mit Thränen in den Augen. Mancher von ihnen, den ich vorher nie gesehen hatte und nicht kannte, kam bei dieser Gelegenheit herbei und bezeigte mir seine liebevolle Theilnahme. Diese Aeußerungm des Mitgefühls waren mir um so erfreulicher, je weniger ich sie erwartet hatte. Ohne diesen Vorfall hatte ich vielleicht nie erfahren, wie viele Freunde ich habe unter den Juden in Jerusalem." Italien. Wom, Ende Februar. Der altersschwache Kathylicismus in unserer Metropole liebt die mittelalterlichen Sitten, wenn sie auch noch so sehr jedem beffern Ge- 12

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